„Zauberflöte” für Kinder: Papageno, der Publikumsliebling

Von: js
Letzte Aktualisierung:
Szene aus der „Zauberflöte
Szene aus der „Zauberflöte” auf der Monschauer Burg: die gefesselte Pamina, „Mozart” am Klavier. Foto: Josef Schreier

Monschau. Die Regenschirme wurden tatsächlich kurzfristig als Sonnenschirme eingesetzt, als am Mittwochnachmittag die Kinderoper im Rahmen der Monschau Klassik anhob. Das andeutungsweise sommerliche Wetter kam der Atmosphäre der Aufführung deutlich zugute.

Und so wurde es denn auch ein bezaubernder Nachmittag, der selbst der allseits bekannten „berühmtesten Oper der Welt”, Mozarts „Zauberflöte”, einige neue Seiten abgewann.

Freilich: Außer der Tatsache, dass es das Ensemble der „Kleinen Oper Bad Homburg” war, das dem überwiegend kindlichen Publikum diese große Freude bereitete, wurde dem interessierten Zuschauer über die Mitwirkenden nichts Näheres mitgeteilt. Gerne hätte man den sehr spielfreudigen und engagierten Künstlern die Ehre einer persönlichen Würdigung bezeigt.

Erstaunlich und bemerkenswert war allerdings die sehr durchdachte Kurzfassung der Oper, die den Kinder nicht weniger als den Erwachsenen einige Grundgedanken der - im Original vielleicht tatsächlich allzu konfusen - Handlung einfühlsam nahebrachte.

Mehr als um das Seelendrama der beiden ursprünglichen Hauptgestalten, Pamina und Tamino, ging es dabei um unmittelbare menschliche Grundkonflikte wie Eifersucht und Machtstreben. Dass es die Liebe ist, die solche Defizite überwinden kann, wurde mehr spielerisch und doch nicht ohne Tiefgang dargestellt. So wurde auch eher der lustige Vogelmensch Papageno zur Hauptperson, der in foppendem Doppelspiel mit dem im Rokokokostüm am Klavier sitzenden Komponisten Mozart (freilich nicht Johann Sebastian ...) dem Ganzen einige ironische Glanzlichter abgewann.

Der „anwesende” Komponist hatte auch nichts dagegen, dass seine musikalischen Einfälle mitunter in einem anderen, mehr der Rockmusik angenäherten Gewand erklangen. Diese Großzügigkeit passt durchaus zu Mozart, der sich an dem Nachmittag, als Bühnenfigur, auch die Freiheit nahm, ab und zu einige Kollegen zu persiflieren.

Überhaupt war das musikalische Material des Originals in vielfacher Weise umgestellt und bearbeitet, sicherlich durchaus im Sinne Mozarts. Was an weiblichen Partien zu singen und zu spielen war (Königin der Nacht, Pamina, Papagana, drei Damen), wurde allem Anschein nach einer einzigen Künstlerin anvertraut, die ihre Sache sowohl musikalisch wie darstellerisch ganz hervorragend machte. Die Rolle des Tamino trat etwas zurück. Sarastro, der große Gegenspieler der Königin der Nacht, kam musikalisch überhaupt nicht vor. Schade um seine schöne Arie über die „heilgen Hallen”, in denen man keine Rache kennt. Das wäre aber vielleicht für Kinder tatsächlich zu „langweilig” gewesen. Die Kurzweil war ganz und gar Sache von Papageno, dem am Schluss das lauteste „Bravo” galt.

Insgesamt kann man der „Kleinen Oper Bad Homburg” bescheinigen, diese Kinderfassung der „Zauberflöte” außerordentlich geistreich und auch für Erwachsene nachdenkenswert auf eine sehr farbenfrohe Bühne gebracht zu haben. Schade nur, dass das standardmäßige Begleitmaterial zu einer solchen Aufführung (Programmheft oder wenigstens Besetzungsblatt) zum wiederholten Male während der Monschau-Klassik nicht zur Verfügung stand. Die Veranstalter sollten es sich gesagt sein lassen, dass dies zur Seriosität einer solchen Unternehmung eigentlich unbedingt dazugehört.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert