FuPa Freisteller Logo

Wo sollen die neuen Flüchtlinge wohnen?

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
11518219.jpg
Am Anfang einer Sackgasse an der Pilgerbornstraße soll ein neues Wohnheim für Flüchtlinge entstehen. Die Anwohner kritisierten vor allem die Dimension des geplanten Baus. Foto: A. Gabbert
11518042.jpg
Rund 120 Personen waren am Montagabend zu der Informationsveranstaltung in den Bürgersaal der Gemeinde Roetgen gekommen. Foto: A. Gabbert

Roetgen. Die Gemeinde Roetgen plant den Bau eines neuen Wohnheims für Flüchtlinge und hatte deshalb für Montagabend zu einer Informationsveranstaltung in den Bürgersaal in Roetgen eingeladen. „Wir fanden es an der Zeit, an die Öffentlichkeit zu gehen und umfassend zu informieren“, sagte Bürgermeister Jorma Klauss vor mehr als 100 interessierten Bürgern, die zu der Veranstaltung gekommen waren.

Wie ist die Situation?

Zurzeit sind in der Gemeinde insgesamt 174 Flüchtlinge untergebracht - in zwei Unterkünften der Gemeinde und 24 privaten Wohnungen. Im Jahr 2016 rechnet die Verwaltung mit 236 zusätzlich zugewiesenen Personen. Diese Prognose wurde aufgrund der Erfahrungen aus den vergangenen Wochen erstellt. Im Durchschnitt wurden der Gemeinde pro Woche acht Personen zugewiesen. „Der private Wohnungsmarkt scheint ausgeschöpft“, erklärte der Leiter des Sozialamtes, Dirk Recker. Daher müsse der zusätzliche Wohnbedarf durch Container, Mobilheime, Holzständerbauten oder eine Unterbringung in der Turnhalle abgedeckt werden.

Außerdem soll ein neues Wohnheim die alte Unterkunft am Kuhberg ersetzen. Mögliche Standorte für die neue Unterkunft wurden durch die Arbeitsgruppe „Flüchtlingsunterbringung“, in der Mitglieder der Verwaltung, der Fraktionen und des Flüchtlingsrates vertreten sind, erarbeitet. Priorisiert wird ein Standort an der Pilgerbornstraße. Alternative Standorte sind an der Bundesstraße, an der Rosental-straße und im Gewerbegebiet.

Was soll jetzt geschehen?

Zunächst sollen nun vier Mobilwohnheime in der Straße „Wiedevenn“ aufgestellt werden. Diese Mobilwohnheime sollen Platz für bis zu 24 Personen bieten. Drei sind bereits bestellt, ein viertes Mobilwohnheim soll hinzukommen. Für das neue Wohnheim wurde ein etwa 800 Quadratmeter großes Grundstück an der Pilgerbornstraße ausgewählt, das an einem Privatweg liegt.

Dafür müsste die Gemeinde das Grundstück erst noch erwerben. Die Entscheidung für den Standort sei noch nicht zu 100 Prozent sicher, „aber so gut wie“, erklärte Recker in der Versammlung auf Nachfrage eines Anwohners. Auf circa 300 Quadratmetern Grundfläche sollen sechs bis sieben Wohneinheiten entstehen. Zwei bis sechs Personen könnten pro Wohneinheit untergebracht werden. Insgesamt könnten in dem Wohnheim also 12 bis 36 Personen Unterkunft finden. Dabei könnte es sich um Familien, aber auch um Einzelpersonen handeln.

Will die Gemeinde den Bau selbst übernehmen oder soll ein Investor einspringen?

Dazu wurde noch keine Entscheidung getroffen.

Welche Kosten entstehen für die Gemeinde?

Für die Gemeinde würden keine Mehrkosten entstehen, erklärte Bürgermeister Jorma Klauss. Die Kosten seien durch Zuschüsse des Bundes und des Landes gedeckt.

Was sagen die Bürger?

Die betroffenen Anwohner fühlten sich zunächst „überfahren“ und vor vollendete Tatsachen gestellt. Sie bemängelten die Informationspolitik der Gemeindeverwaltung und wünschten sich mehr Transparenz. Sie wären gerne früher und umfassender informiert worden.

Die Anwohner der Pilgerbornstraße hätten sich einen ausführlichen Vergleich mit anderen Grundstücken gewünscht. Sie befürchten eine Verlagerung des Wohnheims Kuhberg an die Pilgerbornstraße und damit die Schaffung eines sozialen Brennpunktes. Außerdem fürchten sie einen Wertverlust ihrer Immobilien.

Aus ihrer Sicht habe sich die Verwaltung zu wenig mit dem ausgewählten Standort auseinandergesetzt. Sie wiesen darauf hin, dass sich das Grundstück an einem Privatweg befinde, der eine Sackgasse sei. Der Privatweg würde von den Anwohnern, die sich zu einer Siedlungsgemeinschaft zusammengeschlossen haben, unterhalten. An den Kosten müsse sich die Gemeinde dann auch beteiligen.

Außerdem wurde darauf hingewiesen, dass es durch die Lage des Grundstücks am Eingang zu der Sackgasse durch parkende Fahrzeuge zu zusätzlichen Verkehrsproblemen kommen könnte. Die Anwohner betonten, dass sie nicht gegen Flüchtlinge seien. Sie seien auch bereit, „Patenschaften“ für Flüchtlinge zu übernehmen und bei der Integration zu helfen.

Die Dimension des geplanten Baus sei aber zu groß – egal, ob dort Ausländer oder andere Personen untergebracht würden. Das Grundstück sei für ein Einfamilien- oder ein Doppelhaus vorgesehen, aber nicht für ein Objekt mit mehreren Wohnungen. Es bestehe die Gefahr, dass so der Charakter der Siedlung zerstört würde, wurde argumentiert.

Eine Anwohnerin aus dem Wiedevenn äußerte Ängste mit Blick auf die Aufstellung der Mobilwohnheime.

Ein Bürger aus Mulartshütte wies auf viele erschlossene Grundstücke innerhalb der Gemeinde hin, die aus seiner Sicht eine Alternative darstellen könnten.

Die Siedlungsgemeinschaft hat nun Vertreter der Verwaltung, des Flüchtlingsrates und der Fraktionen zu ihrer nächsten Sitzung in der kommenden Woche eingeladen.

Wie war die Stimmung während der Informationsveranstaltung?

Es gab zwar auch emotionale Äußerungen, im Wesentlichen handelte es sich aber um einen sachlichen Austausch von Informationen und Argumenten.

Sind mit der Aufstellung von Mobilwohnheimen am Wiedevenn und dem Bau einer neuen Flüchtlingsunterkunft dann alle Probleme gelöst?

Nein, denn durch die vorgestellten Pläne können maximal 60 Plätze geschaffen werden, die Gemeindeverwaltung rechnet aber im Jahr 2016 mit 236 zusätzlichen Zuweisungen. „Was am Wiedevenn passiert, kann an vielen Stellen in Roetgen geschehen“, sagte Bürgermeister Jorma Klauss. Er äußerte die Befürchtung, dass man sich in Zukunft manche Diskussion nicht mehr leisten könne und gezwungen sei, sehr kurzfristig auf die Lage zu reagieren.

Neben dem Ersatz für das Wohnheim Kuhberg wird auch noch über den Bau eines zweiten neuen Wohnheimes nachgedacht.

Im Notfall müsse auch auf die Turnhalle zurückgegriffen werden, erklärten Klauss und Recker. Man versuche, dies zu vermeiden, versprechen könne man es aber nicht. „Wenn wir nicht anders können, werden wir es tun. Das wäre aber sehr unschön“, sagte Klauss.

Wie sollen die Bürger in Zukunft einbezogen werden?

Der Bürgermeister zeigte sich für Anregungen offen und ermunterte die Bürger dazu, ihn zu kontaktieren und ihre Ideen vorzutragen. Außerdem beschlossen Klauss und Recker spontan, quartalsweise weitere Informationsveranstaltungen anzubieten. „Wir werden das im Jahresverlauf noch mehrfach wiederholen“, versprach Klauss.

Leserkommentare

Leserkommentare (13)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.