Schmidt - Winterschwimmen: Anneliese Lauscher aus Schmidt fliegt zur WM

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Winterschwimmen: Anneliese Lauscher aus Schmidt fliegt zur WM

Von: Heiner Schepp
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Anneliese Lauscher nach dem Training im Rursee. Foto: H. Schepp
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Schwimmen im Rursee – das tun viele Menschen gerne. Aber die Wenigsten im Winter und bei Außen- und Wassertemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Anneliese Lauscher macht‘s dreimal die Woche. Foto: H. Schepp

Schmidt. Der Chronist bekommt schon beim Zuschauen eine Gänsehaut. Anneliese Lauscher aber tastet einmal kurz mit dem Fuß ins Wasser und schreitet dann steten Schrittes in das kühle Nass. Sechs Grad Celsius misst der Rursee an diesem grauen Spätwinternachmittag.

„Eigentlich zu warm“, urteilt die 61-Jährige allen Ernstes, denn ihr Eintauchen in den frischen Rursee dient der Vorbereitung auf noch weit tiefere Wasser- wie Lufttemperaturen: Anneliese Lauscher, als Mitarbeiterin dieser Zeitung seit Jahren vielen Lesern unter dem Kürzel „ale“ bekannt, trainiert seit Monaten für die Weltmeisterschaft im Winterschwimmen, die ab der kommenden Woche in Rovaniemi, der Hauptstadt der nordfinnischen Landschaft Lappland stattfindet.

Im Supersommer ´03 fing alles an

Ausgerechnet der superheiße und lange Sommer 2003 brachte Anneliese Lauscher auf die Idee, den nur wenige hundert Meter unterhalb ihres Hauses plätschernden Rursee ganzjährig zu nutzen. „Das war dieser scheinbar unendliche Sommer, als man Ende September noch wunderbar im See baden konnte“, erinnert sich die sportliche 61-Jährige, die damals begann, den ganzen Winter hindurch wenigstens einmal die Woche eine Runde im „Kühlchen“ zu drehen.

2006 dann zeigte ihr finnischer Schwager Jyrki Huttunen, der seit 1998 in Schmidt lebt, Bilder von der damaligen Weltmeisterschaft im Winterschwimmen in Oulu (Finnland), und Anneliese Lauscher beschloss: „Das möchte ich auch mal machen!“

Nun, bis zur Umsetzung des Traums sollten noch ein paar Jahre vergehen, doch im vergangenen August war es dann so weit: Die Schmidterin erfuhr, dass Ende März 2014 die nächste WM in Rovaniemi stattfinden würde, begann mit den Reiseplanungen und intensivierte das Training.

„Dreimal die Woche gehe ich seither durch den Wald den Hang hinunter bis zum Steg des TuS Schmidt, ziehe mich bis auf den Badeanzug aus und drehe eine Runde. Bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit“, schildert Anneliese Lauscher ihren Trainingsablauf und ist froh, dabei oft von ihrer Freundin Corinna Feltes begleitet zu werden. „Zu zweit ist die Überwindung weniger groß.“

Das Beste am Training, so findet die 61-Jährige, ist aber der Rückweg den steilen Hang wieder hoch zu ihrem Haus auf der Hubertushöhe. „Da wird einem gleich wieder warm“, verrät sie.

Der Winter 2013/14 war allerdings nicht gerade dazu angetan, die Hobbysportlerin auf eine WM am nördlichen Polarkreis vorzubereiten. Eine Eisschicht bildete sich dieses Jahr nicht auf dem Rursee, und die Lufttemperaturen lagen selten unter fünf Grad.

Zwar staunen derzeit selbst die Finnen über den wärmsten Februar seit Menschengedenken, doch der Kemijoki, Finnlands längster Fluss und das Austragungsgewässer der WM, wird bei Lufttemperaturen knapp über oder unter dem Gefrierpunkt höchstens ein bis zwei Grad haben, wie „ale“ im Internet lesen konnte.

Wie dann am 21. März, dem Tag ihres Wettkampfes, alles ablaufen wird und wie die Organisatoren die Übersicht über 1300 Unerschrockene aus aller Welt behalten, ist der 61-Jährigen, die in der Gruppe H für den TuS Schmidt startet und neben nur einer Kontrahentin aus Leipzig hauptsächlich gegen oder besser mit Finninen schwimmen wird, schleierhaft.

Das Reglement aber hat Anneliese Lauscher genauestens verinnerlicht: „Ich starte in der Kategorie Brustschwimmen, wobei beim Winterschwimmen keine Züge unter Wasser erlaubt sind. Als Wettkampfkleidung sind nur ganz normale Badeanzüge, also kein Neopren, zugelassen, auch Handschuhe oder Fußbekleidung sind ein Regelverstoß. Eine Kopfbedeckung aber ist gestattet“, berichtet die 61-Jährige, dass sie sich ein schwarz-rot-goldenes Mützchen gestrickt hat.

Keine Siegambitionen

Siegambitionen hat Anneliese Lauscher bei ihrer WM-Premiere natürlich nicht, „nur Spaß haben“ möchte sie. Im Wasser wird der Spaß allerdings kaum mehr als eine halbe Minute dauern. In den Hallenbädern in Monschau und Simmerath, wo sie zusätzliche Einheiten absolvierte, hat die Schmidterin für die 25 Meter nur 27 Sekunden gebraucht, doch wie das im mehr als 20 Grad kühleren Nass sein wird, vermag sie noch nicht zu beurteilen. „Vielleicht schiebt einen das Adrenalin ja noch ´was nach vorne“, hofft Lauscher.

Am Freitag geht es im Flieger nach Helsinki und von dort aus zunächst ein paar Tage nach Kajaami, wo Anneliese Lauscher mit ihrem Lebensgefährten Stefan Pauls, der sie gemeinsam mit Jyrki Huttunen auch trainiert hat, ein Häuschen an einem See gebucht hat. „Der See soll gefroren sein und sogar ein Eisloch haben“, hofft sie vor Ort noch auf ein wenig Akklimatisierung.

„Wir verbinden das Sportevent mit einer schönen Reise“, freut sich Anneliese Lauscher auf das nördlichste Skandinavien. Und auf einen besonderen Moment, wenn sie aus dem eisigen Kemijoki steigen wird: „Ich habe gehört, dann stehen für alle Winterschwimmer Tonnen mit warmem Wasser bereit. Das muss wunderbar sein...“

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