Winter früher: Arbeitsfähige Bürger mussten anpacken

Von: rpa
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Faszinierende Schneeberge sind derzeit überall in der Eifel zu bestaunen, Schneemassen, die manch jüngerer Mensch in seinem Leben so noch nicht erlebt hat. Zeitungsaufzeichnungen aber zeigen, dass vor Jahrzehnten noch mehr Schnee in der Eifel gefallen sein muss. Foto: Carmen Krämer

Nordeifel. Das Dach der Reithalle am Kleinbüchel in Mützenich bricht unter der Schneelast zusammen. An manchen Tankstellen der Region gibt es keinen Diesel mehr. In den Serpentinen läuft zeitweise nichts und sogar der Busverkehr wird eingestellt. Die Hauptschule schließt. Dies sind Schlagzeilen aus den Eifeler Wintertagen im Dezember 2010.

Im Winter zum Jahreswechsel von 2001/2002 bot sich folgendes Bild: Schneefall, Regen und Frost bis minus 15 Grad, Stunden später folgte Tauwetter. Die Bäume brachen unter der schweren Schneelast zusammen. Die Folge war, dass umgestürzte Bäume, Schneeverwehungen und Eisglätte den Verkehr behinderten und die „Himmelsleiter” wiederholt gesperrt werden musste.

„Wie früher” - das ist an solchen Tagen mit Blick auf die großen Schneemassen oft zu hören. 62 Zentimeter Schnee bedecken die Erde derzeit auf dem Steling, wie die Wetterstation von Bodo Friedrich am Dienstag, 28. Dezember, um 10.45 Uhr meldet. Dort, wo Wind den Schnee angehäuft hat, können auch 100 Zentimeter und mehr gemessen werden. Noch höhere Schneeberge liegen dort, wo Schneepflüge und Fräsen den Schnee aufgetürmt haben. An vielen Tagen gab es bisher blankes Chaos auf den Straßen, gesperrte Autobahnen und Flughäfen und Züge, die auf der Strecke bleiben.

Früher waren die Winter in der Eifel kalt, lang und schneereich, wie ein Blick in die Wetterchronik von Walter Scheibler zeigt: Vom 24. Januar bis zum 13. März 1942 fiel ständig Schnee, die durchschnittliche Höhe lag bei 93 Zentimetern. Das war, so Scheibler, die höchste zwischen 1897 und 1950 in der Region Monschau gemessene Schneehöhe.

Zahlreiche Straßen waren damals mit Schneewehen von bis zu drei Metern Höhe bedeckt und wochenlang unpassierbar. Zwischen Februar und März musste die Straße vom Bahnhof Konzen bis Fringshaus in wochenlanger Arbeit von zahlreichen Hilfskräften aufgeschaufelt werden, weil kein Schneepflug die Schneemassen beiseite schieben konnte. Nach alten Berichten ist der Postwagen Aachen-Trier in Roetgen oder in Kalterherberg manchmal acht bis 14 Tage liegen geblieben, weil die Pferde nicht mehr durchkamen.

„Die Schneepflüge schaffen es nicht”. So lautete am 16. Februar 1952 eine Schlagzeile in der Eifeler Tageszeitung. „Bei Tag und Nacht rattern die Schneepflüge durch die verschneite Eifel. Mühsam kämpfen sie gegen die ungeheuren Schneemassen an.”

In jenen Tagen, so ist in der Chronik zu lesen, war „der Kreis Monschau in vielen Teilen vollkommen abgeriegelt”. Und für die ganze Region standen nur fünf Schneepflüge bereit. Immer lauter wurde zu dieser Zeit der Ruf nach einem „Schneegebläse wie sie in den Höhengebieten der Hochgebirge eingesetzt werden”.

Überaus schneereich war auch der Februar 1953. „Monschau völlig abgeschnitten” - so lautete die Schlagzeile am 3. Februar in einer Eifeler Lokalzeitung. Hier wird von drei Meter hohen Schneeverwehungen berichtet. „Die Angestellten der Monschauer Büros wie auch die Textilarbeiter kamen, wenn überhaupt, zu Fuß oder auf Skiern gegen den heulenden Sturm, vermummt wie Polarforscher.

Stellenweise mussten sie bis zur Brust durch den Schnee.” Weiter ist in dem Bericht vom 3. Februar zu lesen: „Überall auf den Straßen liegen Autos, die von ihren Besitzern zurückgelassen werden mussten.” Unter der Last von Schnee und Eis rissen zudem Telefon- und Lichtleitungen, sodass ganze Ortschaften zeitweise ohne Licht waren. „Selbst die ältesten Einwohner erinnern sich nicht daran, eine derartige Katastrophe erlebt zu haben”, notierte damals der Chronist.

Lebensmittel wurden knapp

„Am schlimmsten eingeschneit war die Siedlung Reinartzhof mitten im Venn zwischen Konzen und Eupen”, wie am 9. Februar 1953 zu lesen war. Riesige Schneemassen und zahlreiche umgestürzte Bäume versperrten die Wege zum Reinartzhof. Die Lebensmittel und auch das Futter für das Vieh wurden damals knapp.

Die dringend benötigte Hilfe brachte dann ein Hubschrauber, der auf einem Schneefeld bei Reinartzhof landete und den Ort mit den notwendigsten Dingen versorgen konnte. Unerreichbar waren in jenen Tagen auch Küchelscheid und Leykaul.

„Die Lage ist im Kreisgebiet nach dem einsetzenden Tauwetter so katastrophal, dass für heute mit der Verkündung des Notstandes gerechnet werden muss. Sollte der Notstand erklärt werden, so ist jeder arbeitsfähige Bürger verpflichtet, an der Stelle, die ihm von verantwortlichen Beamten zugewiesen wird, anzufassen. Andernfalls sieht das Gesetz scharfe Strafen vor.”

So weit ist es in diesem Winter bisher nicht gekommen, auch wenn die Schneemassen so manchem ungewöhnlich erscheinen und der liegen gebliebene Verkehr sowie der Mangel an Diesel an frühere Winter erinnern.
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