Roetgen/Schmithof - Windpark Münsterwald: Wann rücken die Motorsägen an?

Windpark Münsterwald: Wann rücken die Motorsägen an?

Von: Günther Sander
Letzte Aktualisierung:
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Die Fällung von 10.000 Bäumen im Münsterwald könnte kurz bevorstehen – ist für Aachens grüne Umweltdezernentin Gisela Nacken aber ökologisch gesehen „kein Drama“. Foto: G. Sander

Roetgen/Schmithof. Die Windräder sind wieder in aller Munde, auch die für den Münsterwald geplanten. Lohnt sich die Investition überhaupt noch? Eine gute Frage, denn die Presse berichtet tagtäglich von Baufirmen, die sich in Insolvenz befinden.

Die Stadt Aachen jedenfalls scheint den Ansturm auf den Münsterwald fortsetzen zu wollen, wie ihre jüngste Presseerklärung verdeutlicht. Die Motorsäge wartet auf ihren Einsatz, in wenigen Tagen schon soll mit der Rodung begonnen werden.

Nachdem der Flächennutzungsplan für die Flächen im Münsterwald rechtskräftig geworden war, habe die Stawag als zukünftige Betreiberin der Windkraftanlagen im Münsterwald die erforderlichen Anträge auf die immissionsschutzrechtliche Genehmigung der sieben ausgewählten Standorte gestellt, hieß es seitens der Stadt. Für die Stadt Aachen gebe es daher keine Einwände, die einer Realisierung des Anlagenbaus grundsätzlich im Wegen stehen würden. So wird mit einer Genehmigung der Standorte und der Windräder bereits in den nächsten Wochen gerechnet. Deshalb und wegen der sich ändernden Förderbedingungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat die Stadt Aachen sich entschieden, alle erforderlichen Schritte zu unternehmen, damit der Windpark im Münsterwald noch in diesem Jahr realisiert werden kann.

Wichtig ist dabei die Frage, bis wann die Bäume gefällt sein müssen, die zur Zeit noch dort stehen, wo bald schon die Windräder errichtet werden. Laut Umweltbericht zum Flächennutzungsplan endet die Frist am 28. Februar aus Gründen des Artenschutzes. Unter bestimmten Rahmenbedingungen wäre auch ein späterer Zeitpunkt möglich. Doch die Stadt Aachen vertritt die Position, mit Blick auf den Artenschutz keinerlei Risiko einzugehen. Aus diesem Grund sollen die Fällarbeiten im Münsterwald bis Ende Februar abgeschlossen sein, macht der Fachbereich Presse und Marketing der Stadt Aachen deutlich.

Scharfe Kritik kommt von der Bürgerinitiative „Rettet den Münsterwald“ aus Roetgen und Schmithof, die am Wochenende prompt auf die Nachricht aus Aachen reagierte. Dr. Thomas Schmeink und seine Kollegen Hubert Klinkenberg und Rainer Ständer sind erstaunt, dass bereits in wenigen Tagen mit den Rodungsarbeiten im Münsterwald zur Platzschaffung für sieben Windkraftanlagen begonnen werden soll.

Dr. Schmeink: „Mit der Genehmigung ist kurzfristig zu rechnen, da nach Einschätzung der Stadt Aachen keine Einwände mehr vorliegen.“ Dem jedoch widerspricht die Bürgerinitiative aufs Schärfste. Vor Beginn der Bautätigkeit werde eine Umweltverträglichkeitsprüfung von allen Naturschutzverbänden (Nabu, Bund, LNU) gefordert. „Diese deckt sich mit den Forderungen der Nachbargemeinden Roetgen und Raeren.“

Letzte Frist am 9. April

Die Bürgerinitiative weiß, dass bis zum heutigen Tage die Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetzes und das hierzu notwendige Bodengutachten „nicht vorliegen.“ Dennoch wolle die Stadt Aachen vor dem 9. April, der aktuell angedachten letzten Genehmigungsfrist nach dem alten EEG, Fakten schaffen, um die Windkraftanlagen auf Biegen und Brechen hochzuziehen.

Schmeink, Ständer und Klinkenberg betonen, die Stadt Aachen wolle „nach altbekannter Manier“, allen voran die „grüne Baudezernentin Gisela Nacken“ und nach dem Muster Templergraben in Aachen Tatsachen schaffen, nur in erheblich größerem Umfang, denn im Münsterwald stehen mindestens 10 000 Bäume zur Fällung an.

Die Forderung der Bürgerinitiative lautet: Die Stadt Aachen, die Stawag und der nicht städtische Investor Juwi als Bauherr mögen sämtliche Rodungsarbeiten unterlassen, ehe nicht die geforderte Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt worden ist und die notwendige rechtliche Genehmigung nach dem Bundesimmissionsgesetz vorliege.

Thomas Schmeink bringt es auf den Punkt: „Die bewusste, nicht wieder gut zu machende Zerstörung der Natur zeigt zum wiederholten Male, mit welchen ignoranten Methoden die Verwaltung in Aachen vorgeht.“ Wie oft noch müsse der Bürger Entscheidungen der Verwaltung aus Aachen hinnehmen, die sich später sowohl ökologisch, als auch finanziell „als Katastrophe erweisen würden.“

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