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Wie sehen die Dörfer im Jahr 2040 aus?

Von: Andreas Gabbert
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Bevölkerungsentwicklung: Für Monschau, Simmerath und Roetgen sagen die Zahlen sehr unterschiedliche Entwicklungen voraus. Foto: Marijan Murat/dpa

Nordeifel. Die Zahl der Einwohner ist in den drei Nordeifelkommunen im vergangenen Jahr leicht gestiegen. In Monschau stieg die Zahl der Einwohner im Zeitraum vom 30. Juni 2014 bis 30. Juni 2015 um 11 Personen auf 11.866. In Simmerath stieg die Zahl von 15.018 auf 15.172 Einwohner (+54). Roetgens Einwohnerzahl wuchs von 8253 auf 8314 Personen (+61).

Schaut man sich aber die Modellrechnung von IT.NRW aus dem Jahr 2014 an, dann wird deutlich, dass die Entwicklung auf lange Sicht gesehen eher in die entgegengesetzte Richtung tendiert. Demnach wird das Land NRW bis zum Jahr 2040 rund 0,5 Prozent seiner Einwohner verlieren. Bis zum Jahr 2015 zeigen die Zahlen noch einen Anstieg der Bevölkerungszahl, danach nimmt sie immer stärker ab.

Bei dieser Modellrechnung handelt es sich um eine rein statistische Auswertung von Daten. Dabei schauen sich die Statistiker Geburts- und Sterberaten sowie Zu- und Wegzüge der vergangenen Jahre an. Die Entwicklungen werden in die Zukunft fortgeschrieben.

Für Monschau, Simmerath und Roetgen sagen die Zahlen sehr unterschiedliche Entwicklungen voraus. Bis zum Jahr 2040 verliert Monschau demnach etwa 19 Prozent seiner Bevölkerung und Simmerath rund zehn Prozent. Roetgen hingegen wächst um rund 7,5 Prozent. Der demografische Wandel wird aber in allen drei Kommunen sichtbar. Der Anteil der unter 19-Jährigen sinkt in Monschau um circa 30 Prozent, in Roetgen um rund drei Prozent und in Simmerath um rund 24 Prozent. Der Anteil der 19- bis 65-Jährigen sinkt in Monschau um rund 41 Prozent, in Roetgen um circa zehn Prozent und in Simmerath um rund 34 Prozent. Gleichzeitig steigt der Anteil der über 65-Jährigen in Monschau um rund 48 Prozent, in Roetgen um rund 67 Prozent und in Simmerath um rund 70 Prozent.

Mobilität als wichtiger Faktor

Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss sieht eine Besonderheit seiner Gemeinde in der „unmittelbaren Nähe zur Stadt Aachen“. Die Kommune profitiere so auch von der Entwicklung Aachens mit mehreren Hochschulen. So komme es zum Zuzug junger Familien. An der von IT.NRW prognostizierten Entwicklung hegt er Zweifel, „da fraglich ist, ob die Besonderheiten der Gemeinde berücksichtigt werden“.

Klar sei aber, dass die Bevölkerung immer älter werde. „Daher ist es gerade auf dem Land wichtig, sich Gedanken zu machen, etwa mit Blick auf die Mobilität der Menschen. Das ist auch eine Frage der Lebensqualität. Das ist ein Thema, dem man sich widmen muss“, sagt Klauss. Wichtig sei, dass man auf dem Land auch als alter Mensch noch mobil bleiben könne – mit dem eigenen Auto oder durch den ÖPNV. Von daher sei eine gute Anbindung an die Stadt Aachen nicht zu unterschätzen.

„Auch unser Land befindet sich im Wandel. Wir wissen noch gar nicht, wie sich die Integration von Flüchtlingen auswirken wird“, sagt Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter. Sie sehe die Situation heute nicht mehr so schwarz. Die Veränderungen der Zahlen durch die Flüchtlingssituation würden erst später deutlich. „Das kann für den ländlichen Raum auch eine Chance sein“, sagt Ritter. Die Stadt Monschau habe viel dezentralen Wohnraum zu bieten und ein „bestmögliches Integrationsangebot“, wodurch keine Parallelgesellschaften zu befürchten seien. Sie sei schon auf die Zahlen für das Jahr 2018 gespannt.

Sollten die jetzt prognostizierten Zahlen zutreffen, müsse man sich den Herausforderungen stellen und „lebenswerte Strukturen“ in den Dörfern erhalten und fördern. Dazu zählt auch Ritter das Thema Mobilität und verweist dazu auf das Pilotprojekt „Netliner“. Gemeinsam mit der Aseag testet die Stadt ein Konzept, das flexiblere Busverbindungen ermöglichen soll. Aber auch die ärztliche Versorgung und die Nahversorgung spielten eine Rolle. „Das sind Prozesse, die man aktiv gestalten muss“, sagt Ritter.

Ein positives Beispiel sieht Monschaus Bürgermeisterin in der Folgenutzung der Grundschule in Kalterherberg. Die Bevölkerung wünsche sich mehr als nur ein neues Dorfgemeinschaftshaus, auch die touristische Entwicklung solle wie in Höfen vorangetrieben werden. Die Bürger seien dabei „sehr dynamisch“ und aus den Vereinen gebe es breite Unterstützung. „Die Bürger wollen Perspektiven für Kalterherberg und arbeiten mit Unterstützung der Stadt an einem Konzept“, sagt Ritter. Dies sei ein Beispiel für ein aktives Entgegenwirken nach dem Motto: „Was für Gäste gut ist, ist auch für die Bürger gut.“

Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns verweist auf die positive Entwicklung seiner Gemeinde in den vergangenen Jahren. „Die tatsächliche Entwicklung ist positiver als uns seit einigen Jahren immer wieder prognostiziert wird“, sagt Hermanns. Er wolle nicht abstreiten, dass der demografische Wandel auch der Gemeinde Simmerath zu schaffen mache, aber die in den vergangenen Jahren vorausgesagte Entwicklung sei bisher nicht eingetreten – eher im Gegenteil. „Simmerath wird vielleicht Einwohner verlieren, aber nicht wie prognostiziert“, sagt Hermanns und verweist auf neue Baugebiete und die Infrastruktur mit Ärzten, Krankenhaus, Geschäften, Schulen, Kindergärten, Senioreneinrichtungen und Kreditinstituten.

Außerdem sei die Zahl der ortsnahen Arbeitsplätze in den beiden Gewerbegebieten der Gemeinde „signifikant gestiegen“. „Für eine ländliche Kommune bietet Simmerath ganz viel für Jung und Alt. Ich glaube, dass Simmerath auch in Zukunft ein attraktiver Wohn- und Lebensstandort bleibt“, sagt Hermanns. Auch er bezweifelt, „ob die Spezifika der Kommunen in den Prognosen von IT.NRW ausreichend berücksichtigt wurden“.

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