Simmerath-Lammersdorf - Wie kommt das Christkind ungesehen rein?

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Wie kommt das Christkind ungesehen rein?

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Freuten sich über die sichtlich berührten Gäste, die das „Angebot der Entschleunigung“ dankbar annahmen: Veranstalterin Monika Roßkamp (li.) und Maggie Jung (hier: mit den „Irgendwostaetter Nachrichten“).

Simmerath-Lammersdorf. Ein wenig „Entschleunigung des Alltags“ versprach die Autorin Maggie Jung in ihrer Begrüßung der Gäste, denn gerade zurzeit ginge es doch überall hektisch zu, schließlich stehe Weihnachten – wie jedes Jahr – „plötzlich und unerwartet vor der Tür“. Die 20 Gäste, die bei „Floristik Eigenart“ in Lammersdorf ihre Plätze zwischen adventlich geschmückten Blumenarrangements und weihnachtlicher Dekoration eingenommen hatten, nahmen dieses Angebot sehr dankbar an.

In dem von Zimtduft erfüllten Raum herrschte Mucksmäuschenstille während der Lesung, für die Maggie Jung drei Texte aus ihrem eigenen Repertoire gewählt hatte, die unterschiedlicher nicht sein konnten: Eine autobiografisch erzählte Weihnachtsgeschichte ließ durch ihre Authentizität und die lebendige Sprache die Bilder greifbar werden.

Die gebannten Zuhörer schienen sich wiederzuerkennen in der kindlichen Ich-Erzählerin, für die die letzten Stunden vor Heiligabend zu Ewigkeiten werden und die die zum Zerbersten angestaute Spannung kaum noch auszuhalten kann. Denn nebst vielen weiteren Fragen malt sie sich in blühender Fantasie aus, wie es das Christkind wohl schafft, ungesehen ins Haus zu gelangen. Dass am Ende der Schlüssel zur Glückseligkeit nicht im Öffnen der Haustüre liegt, sondern im Öffnen des eigenen Herzens, entlockte den berührten Gästen zustimmendes Kopfnicken.

Und was macht man mit Zeitungsartikeln, die es wert sind, wiederholt gelesen zu werden? Man verwahrt sie ordentlich sortiert in einem Karton. So beförderte auch Maggie Jung diverse „ältere Artikel“ der „Gefälschten Presse-Agentur“ hervor und berichtete aus den „Irgendwostaetter Nachrichten“ von dem „in einem Schuppen gefundenen Säugling“, dem „entsetzten Jugendamt“ und der „auf Hochtouren ermittelnden Polizei“.

Hausfriedensbruch und Dealerei

Schließlich geht es in dem „hoch komplizierten Fall“ um gleich mehrere Delikte wie unter anderem die Vernachlässigung eines Neugeborenen, Hausfriedensbruch, unerlaubte Bettelei und Drogendealerei. Der „Leserbrief“ einer wutentbrannten Bürgerin und der „Bericht“ über das Friedenspreiskomitee, das den Säugling auf die Nominierungsliste in der Kategorie „Toleranz gegenüber Randgruppen“ stellt, standen stellvertretend für eine Gesellschaft, die allzu oft noch vorverurteilt, aber erfreulicherweise auch immer mehr Zeichen der Toleranz und aktiven Hilfsbereitschaft setzt.

Abschließend trug Maggie Jung ausgewählte Sequenzen aus ihrem Buch „Teatime Blues“ (Oldigor, Rhede) vor, in dem ein obdachloses Mädchen nicht nur das kriminologische Gespür der übrigen Protagonisten infrage stellt, sondern auch ihre festgefahrene Werte-Einstellung gehörig ins Wanken bringt.

Nach den Vorträgen, die durch stimmige Musik untermalt wurden, verweilten die begeisterten Zuhörer gerne zum Plaudern und stärkten sich an von der Veranstalterin Monika Roßkamp und der Autorin bereitgestellten Cupcakes und weihnachtlichem Tee.

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