Monschau - Wie ein gehetztes Tier auf der Flucht

Wie ein gehetztes Tier auf der Flucht

Von: V.M.
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43.700.00 Menschen sind weltweit auf der Flucht, davon 15,4 Millionen anerkannte, 27,5 Millionen Binnenflüchtlinge, die in einer anderen Regionen Zuflucht suchen mussten. Der missio-Truck informiert Schülerinnen der Mädchenrealschule St. Ursula über die Missstände in Kriegsgebieten. Foto: V. Monterey

Monschau. Mit einer interaktiven Ausstellung informiert der „Missio-Truck“ des Katholischen Hilfswerks zum Thema „Menschen auf der Flucht“. So auch diese Woche an der Mädchenrealschule St. Ursula in Monschau. Drei Tage lang können sich die Schülerinnen intensiv und fächerübergreifend informieren.

Sie erfahren vieles über das Thema Flüchtlinge am Beispiel der Bürgerkriegsflüchtlinge im Ostkongo und über die katastrophalen Zustände dort. Anschließend wird das Thema im Unterricht, insbesondere in den Fächern Religion und Erdkunde, nachbearbeitet.

Mit der Aktion Schutzengel „Für Familien in Not. Weltweit“ setzt sich Missio für notleidende Menschen im Kongo ein, mit deren Hilfe sogenannte Traumazentren aufgebaut werden, in denen Familien Zuflucht und Hilfe finden. Der zwölf Tonnen schwere und 20 Meter lange Laster, der den AIDS-Truck abgelöst hat, dient als öffentliches Medium. Mit verschiedenen multimedialen Elementen, wie Computer- und Hörspielen, interaktiven Bildschirmen, Ausstellungsobjekten und Vorträgen mit Filmen in den Schulklassen, sollen die jungen Menschen sensibilisiert werden.

Eine vierköpfige Besatzung begleitet durch die Ausstellung, informiert und referiert. dazu gehören die beiden hauptamtlichen Mitarbeiter Andrea Fischer und Lisa-Marie Schulz sowie die beiden Studenten der Sozialen Arbeit an der Katholischen Hochschule Aachen, Karolina Erlich und Felix Schmitz.

Im Eingangsbereich des Trucks wird anhand einer Ausstellung mit Dingen aus dem täglichen Leben in einem kleinen Dorf eingestimmt. Dabei handelt es sich um Dinge, die wohl in vielen ärmlichen afrikanischen Haushalten zu finden sind: Olivenkernseife, Plastikeimer, zerdellte Gefäße zum Kochen und Waschen, immer wieder geflicktes Küchengerät, ein paar Gewürze, wie Cumin, Pfeffer, Rassel el Hanut und Safran, vergilbte Fotografien, Tam-Tams, ein Gebetbuch.

Dann hat der Besucher eine Karte zu wählen mit dem Foto und einem kurzen Lebenslauf eines Jugendlichen aus dem Kongo, dessen Flucht aus dem Krisengebiet er nun interaktiv in sechs Räumen miterleben kann. Im ersten Raum, in einer Kirche oder einem Gebetsraum entschließt sich der jugendliche Mensch aus dem Kongo zu fliehen, erwägt das Wenn und Aber, die Konsequenzen. Die Familie leidet unter fürchterlichen Gewaltexessen, von Rebellengruppen, sogenannten Selbstverteidigungsmilizen, Regierungssoldaten und Räubern. Gewalt, Plünderungen und Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung. Der Jugendliche flieht, nimmt nur Weniges mit auf die Reise, muss entscheiden, schnell.

Die Ausstellung ist so konzipiert, dass der Besucher sich mitten im Geschehen wiederfindet. Auch er muss entscheiden, „was nehme ich mit auf die Reise, wohin, wie“.

Im nächsten Raum sitzt er in einem schäbigen Bus nach Kenia. Dort kommt er bei einer entfernten Tante unter. Aber er hat keine Arbeit, wird nicht akzeptiert, ist der Landessprache nicht mächtig, die Familie zurückgelassen oder tot. Das Gefühl eines gehetzten Tieres stellt sich ein. Dann, in einem weiteren Raum, der das Traumazentrum der Missio darstellt, kommt der Flüchtling erstmals zur Ruhe, schöpft neue Hoffnung, findet Freunde. Endstation ist die Grenze zur Bundesrepublik Deutschland. Was danach kommt, bleibt im Ungewissen.

Mit dieser intensiven Ausstellung verschafft sich Missio Gehör, macht Aufmerksam auf die Missstände in einem ausgerechnet an Bodenschätzen so reichem Land und ruft zur Solidarität und Mithilfe auf. Nicht nur Diamanten, sondern auch das Erz Coltran, aus dem das seltene Tantal gewonnen wird, das in Kondensatoren für Digitalkameras, Laptops und Mobiltelefone verwendet wird, steht im Zusammenhang mit den Gewaltexzessen und den Einnahmen aus Rohstoffgeschäften, mit denen Rebellengruppen ihre Gräueltaten finanzieren.

Nach Schätzung von Menschenrechtsorganisationen erwirtschaften bewaffnete Gruppen im Kongo mit Mineralien wie Coltran jährlich bis zu 225 Millionen US-Dollar. Auch diese Tatsache soll die Mädchen der Realschule sensibilisieren, darüber nachzudenken, ob zum Beispiel ständig ein neues Handy von Nöten ist. „Es war sehr interessant, das alles zu hören“, meinten Svenja Spring und Melanie Breuer aus der Klasse 10b, als sie fast ein wenig Benommen den Truck verließen, so „realistisch“ sei der Rundgang gewesen.

Der Missio-Truck kostet für die Ausleihe 150 Euro pro Veranstaltungstag, die in der Regel über die Abteilung Weltkirche des Bistums Aachen abgedeckt werden.

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