Radarfallen Blitzen Freisteller

Wenn Taxi Mama die Busspur blockiert

Von: hes
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Daumen hoch für das richtige
Daumen hoch für das richtige Überqueren der Straße: Hermann Carl und Jürgen Kemper bei der gestrigen Kontrolle vor der Kalltalschule in Lammersdorf. Knöllchen für Autofahrer gab es nicht, wohl aber mahnende Worte, wenn die Bushaltebucht als Taxi-Spur von Eltern missbraucht Foto: Heiner Schepp

Lammersdorf. Polizeihauptkommissar Hermann Carl wird es zu bunt: „Da vorne rechts ist ein großer Parkplatz. Da können Sie in aller Ruhe halten und Ihr Kind rauslassen, ohne andere zu behindern oder zu gefährden!” Es ist kurz nach halb Acht am Montagmorgen, und der ganz normale Wahnsinn vor der Kalltalschule in Lammersdorf setzt ein.

Die Hauptstraße „Im Pohl” ist stark befahren, Heerscharen von bunt gekleideten Kindern - viele davon frisch gebackene Schulanfänger - kommen aus allen Richtungen, und alle paar Minuten hält ein Bus, um den nächsten Schwung Schüler herauszulassen. „Schon Wahnsinn, was hier jeden Morgen los ist”, nennt Hermann Carl, Bezirksbeamter für die „Höhendörfer” um Simmerath, die Verkehrssituation an der Kalltalschule einen seiner „Brennpunkte”.

Mit offenem Visier

Deswegen stehen er und seine Kollegen morgens und mittags häufig hier. Nicht um zu „blitzen” oder Knöllchen zu verteilen, sondern mit offenem Visier. Auch an diesem Morgen haben er und Kollege Jürgen Kemper den Streifenwagen unübersehbar direkt in der Schulhofeinfahrt geparkt. „Das wirkt”, weiß Hermann Carl. Denn wenn das Auge des Gesetzes nicht vor Ort ist, reißen die schlechten Sitten wieder ein. „Leider sind es in 99 Prozent aller Fälle die Eltern, die sich falsch verhalten”, sagt Hermann Carl.

Auf der Busspur zu halten beispielsweise, ist ja bis zu drei Minuten erlaubt - „aber nur wenn klein Bus kommt”, ergänzt der Polizeihauptkommissar. Das aber schert manche Eltern nicht. „Da wird der Filius oder das Töchterchen dann in aller Ruhe vorgefahren, werden Beifahrertür und Kofferraum geöffnet, der Ranzen noch mal kontrolliert und noch schön die Jacke zugemacht. Fehlt noch, dass sie den roten Teppich ausrollen”, ärgert den Beamten die Trägheit mancher Eltern. Richtig gefährlich wirds in Lammersdorf, wenn Mamas Taxiservice die Kleinen auf dem - eigentlich dafür gesperrten - Lehrerparkplatz rauslässt und anschließend über den belebten Gehweg zurück auf die Bundesstraße setzt. „Irgendwann wird dabei mal ein Kind überrollt”, mahnt Hermann Carl.

Auch an diesem Morgen greifen Carl und Kemper einige Mal ein, stoppen die „Sünder” und belehren sie - nicht kostenpflichtig -,was sie falsch gemacht haben. Die meisten sind einsichtig und geloben Besserung.

Die morgendliche Streife vor der Schule ist aber nicht nur der Verkehrserziehung für die Eltern dienlich, sondern sorgt auch für Kontakt zu den Kindern. „Ich geh nach Hause”, meint eine junge Dame, die augenscheinlich in die falsche Richtung geht. Die Beamten erfahren, dass sich die Schülerin übergeben hat, und fragen nach, ob denn auch jemand Zuhause ist.

Natürlich bleibt auch Zeit für Späße und Sprüche. „Hast Du heute morgen Deine Zähne gefrühstückt?” fragt Carl flapsig einen kleinen Jungen mit den für dieses Alter typischen Zahnlücken und der antwortet mit einem breiten Grinsen.

Schlag Acht auf der Kirchturmuhr wirds ruhig vor der Kalltalschule, die Beamten rücken ab. In zwei Wochen kommen sie wieder nach Lammersdorf, um hier, wie an allen Schulen in der Gemeinde, den „neuen” Schulkindern in Theorie und Praxis wichtige Verhaltensregeln am Bus, auf der Straße und mit dem Rad mit auf den Weg zu geben. Die wertvollen Tipps gibts neuerdings sogar schriftlich, die Polizei Bezirksdienste Monschau, Simmerath, Roetgen und Rurberg haben nun einen Flyer (sogar mit Stundenplaner) herausgegeben, der den Kindern in ihrer Sprache die wichtigsten Regeln erklärt. Das Faltblatt „Sicher im Straßenverkehr” erhält man bei allen Eifeler Polizeidienststellen.
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