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Wenn die letzten Worte als Melodie erklingen

Von: js
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Musiker der Streicherakademie Reifferscheid führten Joseph Haydns „Sieben Worte des Erlösers am Kreuze” auf. Foto: Josef Schreier

Monschau. Eines der erstaunlichsten - und gemessen daran allzu wenig bekannten - geistlichen Werke der klassischen Musik wurde jetzt in der Monschauer Schlosskapelle in einer bemerkenswerten Interpretation dargeboten.

Es handelte sich um Joseph Haydns „Sieben Worte des Erlösers am Kreuze”. Dieses Werk liegt in verschiedenen Fassungen vor. In Monschau wurde von Musikern der Streicherakademie Reifferscheid die Fassung für Streichquartett aufgeführt. Almut Steinhausen und Ulrich Menke (Violine), Uta Wise (Viola) und Robert Nikolayczik (Cello) dürfen für sich in Anspruch nehmen, das Werk in mustergültiger Weise vorgestellt zu haben.

Vertonte Extremsituation

Die Konzeption von Haydns Werk ist vollständig singulär. Der Komponist hatte die Aufgabe, für die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz, wie sie die Bibel überliefert, rein musikalische Äquivalente zu finden. Inhalt und geistige „Stimmung” dieser, einer menschlichen Extremsituation abgerungenen, Worte sollten musikalisch ausgedeutet und so verständlich und nachfühlbar werden. Haydn selbst hat die Schwierigkeit gespürt und formuliert, sieben, jeweils zehnminütige musikalische „Sätze” zu erfinden, die - dem Inhalt entsprechend - langsam und meditativ sein sollten, ohne doch den Hörer zu ermüden oder, schlicht gesagt, langweilig zu werden.

Nicht nur dem Komponisten stand diese Schwierigkeit vor Augen - jede neue Aufführung dieses kühnen Werks steht vor der gleichen Herausforderung. Für Haydns Komposition gilt, dass er die ernsten Worte Jesu nicht - wie man sich das vorstellen könnte - in einer starren und depressiven Musiksprache wiedergibt, sondern dass er mit einer melodischen Sanftheit und Bewegtheit, stellenweise sogar fast Fröhlichkeit auch etwas von der Hoffnung durchklingen lässt, um die es im Kreuzgeschehens um Jesus letztlich geht.

Das Reifferscheider Streichquartett seinerseits hat in der Monschauer Aufführung seine Aufgabe auf eine erstaunliche und zu Herzen gehende Weise gelöst. Auch ein Zuhörer, der das Werk von etlichen anderen Wiedergaben und Interpretationen kennt, konnte mit Bewunderung das inhaltliche Engagement der Musiker und in vielen Einzelheiten eine durchgearbeitete und frische Neudeutung - besonders was rhythmische Akzentuierungen betrifft - feststellen. Ganz wenige gelegentliche Rauheiten der Tongebung konnten den Gesamteindruck in keiner Weise beeinträchtigen.

Die Musiker sind auf vielfältige Weise aktiv, ihr gemeinsames Zentrum ist aber die „Streicherakademie Reifferscheid”. Den „Arbeitskreis Musik der Evangelischen Kirchengemeinde Monschauer Land” als Veranstalter darf man zum wiederholten Male gratulieren für die Findigkeit, immer wieder musikalische Perlen in die Nordeifel zu holen.

Pfarrer Wolfgang Köhne sprach die Worte Jesu, die Haydns Kompositionen jeweils zugrunde lagen. Ingeborg Gäb hatte die Musiker aufs herzlichste begrüßt und brachte am Schluss auch den Dank eines bewegten Publikums zum Ausdruck.
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