Wenn aus der Malerei Propaganda wird

Von: Julia Kolhagen
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Die umstrittene Peiner-Ausstel
Die umstrittene Peiner-Ausstellung ist nicht von jedem gern gesehen: Der Künstler Karl von Monschau beteiligt sich an einer der Gegenveranstaltungen. Foto: Kolhagen

Nordeifel. Es ist wohl über kaum eine andere Ausstellung des „Fördervereins Maler der Eifel” im Vorfeld so hitzig diskutiert worden, wie über die jetzt eröffnete Dokumentation über den Maler Werner Peiner.

Dieser hatte mit seinen Blut- und Boden-Bildern die nationalsozialistische Propaganda im Dritten Reich unterstützt. 100 geladene Gäste waren zur Eröffnung der Dokumentation, die Kurator Dr. Dieter Pesch zusammen mit seinem Sohn Martin erarbeitet hatte, ins KunstForumEifel in Gemünd gekommen, darunter auch Familienmitglieder des 1984 verstorbenen Malers.

Sie hatten Pesch den privaten Nachlass Peiners zugänglich gemacht. „Ich habe ihn nur als Onkel kennengelernt, über Politik hat er mit uns nie gesprochen. Er liebte einfach die Malerei. Noch mit 80 Jahren stand er jeden Tag vier Stunden im Atelier”, sagte Peiners Patentochter Eva Gronau.

Der Familie sei sehr an der kritischen Aufarbeitung des Lebens und des Schaffens Peiners gelegen, so Dr. Pesch: „Es erfordert viel Mut, sich so einer Vergangenheit zu stellen und die Unterlagen für historische Forschung zur Verfügung zu stellen.” Mit der kritischen Darstellung Peiners in der Dokumentation ist die Familie sehr zufrieden. „Es gefällt mir wirklich sehr gut. Meine Erwartungen wurden übertroffen”, so Gronau.

Nicht von jedem gern gesehen

80 Werke, 30 Texttafeln und zahlreiche Exponate wie Zeitungsartikel und Bücher vermitteln den Besuchern ein umfassendes Bild des Malers Werner Peiner, der bereits in den 1920er Jahren der modernen, gegenstandslosen Kunst den Kampf angesagt hatte. Doch die Dokumentation ist nicht bei jedem gern gesehen: „Wir konnten diese Ausstellung nicht unwidersprochen hinnehmen. Es musste ein Gegenpol gesetzt werden”, sagte Pierre Mosbeux vom Bündnis „Eifel gegen Rechts”. Das Bündnis sowie das Eifeler „Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt” luden auf dem Vorplatz des Forums und ins evangelische Gemeindezentrum zu kulturellen Gegenveranstaltungen ein. Ein alternatives Straßenkulturprogramm mit Auftritten von Klaus dem Geiger, dem Hip-Hop-Künstler Nic Knatterton und Kabarettist Hubert vom Venn bot „Eifel gegen Rechts”.

Vom Venn forderte in einer kurzen Ansprache die Menschen auf, ihre Kräfte in der gesamten Eifel zu bündeln. „Wir sollten uns immer spontan zusammenschließen, wenn in unserer Region Dinge falsch laufen”, so der Kabarettist. Ein großer Kritikpunkt des Bündnisses ist, dass die Ausstellung zu Peiner kein niederschwelliges Informationsangebot bereitstelle. „Bei so einer Thematik ist es wichtig, dass den Besuchern die Hintergrundinformationen einfach zugänglich sind. Der Begleitband zur Ausstellung kostet aber über 40 Euro”, kritisierte Mosbeux. Außerdem gebe es nur ein unregelmäßiges Angebot an Führungen.

Für einen ruhigeren Weg des Protestes hatte sich das „Bündnis gegen Rechtsextremismus” entschieden. „Wir bieten Veranstaltungen für alle Wochenenden der Peiner-Ausstellung sowie eine Dauerausstellung an”, so Sprecherin Marita Rauchberger. Mit Ausstellungen, Filmvorführungen und Lesungen soll der Protest nachhaltig zum Ausdruck gebracht werden. „Wir wollten etwas mit Kunst machen - und es sollte Niveau haben”, sagte Rauchberger. Den Auftakt machte Karl von Monschau. Er zeigte seine Rauminstallation „Dinner-Tribunal der Entarteten”. An einem mit schwarzen Tüchern verhüllten Tisch haben mittels Platzkarten verschiedene, von den Nationalsozialisten als entartet, deklassierte Künstler Platz genommen. An die Wand hat von Monschau Auszüge aus Hitlers Rede zur Eröffnung der „Großen deutschen Kunstausstellung”, die dieser 1937 in München hielt, montiert. „Was dort zum Ausdruck gebracht wird, ist für mich Kultur-Perversion. Deshalb bin ich der Meinung, dass man einen Künstler, der von den Nazis zu den sogenannten unsterblichen Künstlern gezählt wurde, immer nur in Verbindung mit ,entarteten Künstlern ausstellen kann”, erläuterte der Aachener Künstler.

Die Aufregung über die Peiner-Dokumentation können die Macher der Ausstellung nicht nachvollziehen.„Wir wollen doch alle dasselbe, nämlich vor nationalsozialistischen Ideologien warnen. Dazu gehört die historische Aufarbeitung unserer Vergangenheit. Es will hier doch keiner irgendwie Nazis verherrlichen”, sagte Martin Pesch. Im Gegenteil: Die Dokumentation sowie der Begleitband zeigten Peiner in keinem guten Licht. „Die Aufarbeitung des Lebens und Schaffens Werner Peiners hat gezeigt, dass er nicht von den Nationalsozialisten verführt worden ist. Er hat sich freiwillig und mit wehenden Fahnen dieser Ideologie verschrieben”, resümierte Dr. Pesch. Und sein Sohn ergänzte: „Peiner blieb auch nach dem Krieg Anhänger der nationalsozialistischen Ideen. Anfang der 50er Jahre hat er sich noch selbst als Prediger gegen die Entartung der Kunst bezeichnet.” An der kritischen Vergangenheitsaufarbeitung haben auch die Gegner der Peiner-Dokumentation nichts auszusetzen. Sie befürworten diese sogar. Allerdings sei der Rahmen der Peiner-Ausstellung falsch gewählt, so der einhellige Tenor. „Eine solche Ausstellung an einer Einzelperson festzumachen, ist sehr kritisch zu sehen. Die Gefahr ist groß, diesem Künstler so eine Bühne zu bieten”, sagte Rauchberger. Sie hätte sich ein anderes Konzept für die Peiner-Ausstellung gewünscht.

„Die Ausstellung hätte im Kontext ,Kunst im Nationalsozialismus stehen und weitere Künstler zeigen sollen.” Dr. Pesch kann diese Kritik nicht nachvollziehen. „Es war von uns ein bewusst gewähltes didaktisches Mittel, die Ausstellung exemplarisch an Werner Peiner festzumachen. So können wir deutlich zeigen, dass sich der Künstler ganz bewusst den Nationalsozialisten angebiedert hat.”
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