Nordeifel - Weniger Gezwitscher und Gezirpe in der Eifel

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Weniger Gezwitscher und Gezirpe in der Eifel

Von: Günter Krings
Letzte Aktualisierung:
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Hier blühten jede Menge Blumen, bevor die Wiese gemäht wurde. Ähnliches geschah an der Haarnadelkurve an der Abzweigung nach Dedenborn. Foto: Günter Krings
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Vor noch wenigen Jahren brüteten hier drei Paare Neuntöter, die sich ausschließlich von Insekten ernähren. In diesem Jahr ist bisher noch kein brütendes Paar gefunden worden. Foto: imago/Bernd Zoller

Nordeifel. Im Verlauf des Mittelalters wurde die Naturlandschaft der Nordeifel und vieler anderer Regionen in Mitteleuropa vom Menschen in eine Kulturlandschaft umgestaltet. Urwälder wurden gerodet, Felder für den Getreide- und Gemüseanbau angelegt, Wiesen und Weiden für die Aufzucht von Rindern, Schafen, Ziegen und Pferden.

Aufgrund dieser Umgestaltung der Landschaft gelangten andere Pflanzen, Insekten, Vögel, Säugetiere nach Mitteleuropa, die vor dieser Umgestaltung nicht hier beheimatet waren, zum Beispiel Hederich, Kornblumen, Lerchen, Rebhühner, Schwalben, Spatzen.

Diese neue Kulturlandschaft war nicht immer gleich. Klimaveränderungen, Kriege und andere Ansprüche trugen dazu bei, dass sich die Kulturlandschaft dauernd veränderte, nicht immer schnell, aber es gab kein Jahrhundert, in dem sich nicht irgendetwas wandelte. Erwähnt seien hier die Einführung der Kartoffel, die nachhaltig dafür verantwortlich war, dass es keine großen Hungersnöte, abgesehen von den Jahren 1816/17, mehr in der Nordeifel gegeben hat. Noch etwas hat die Landschaft nachhaltig verändert: Der Raubbau an den Wäldern, um Holzkohle für die Eisenschmelzereien zu schaffen, oder die großen Herden von Schafen, die ins Venn getrieben wurden, damit die Webereien in Monschau, Imgenbroich und Eupen mit Wolle versorgt werden konnten.

Bevor in unserer Region wieder aufgeforstet wurde, wird man hier kaum einen Waldvogel gefunden haben. Wer um 1800 Vögel gesucht und notiert hätte, hätte beispielsweise keine Tannen- oder Haubenmeise gefunden. Erst mit der Aufforstung im 19. Jahrhundert durch die Preußen wurden wieder Waldvögel in unserer Regionen heimisch. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war die kleinbäuerliche Feld-Gras-Wirtschaft typisch für den alten Kreis Monschau. Von den paar Morgen Land, die die Bauern als Eigentum oder gepachtet hatten, wurde ein Teil genutzt für Getreide- und Kartoffelanbau, der andere Teil als Weide- oder Wiesenland für das Vieh.

Diese Kulturlandschaft mit den kleinen Grundstücken, alten Feldwegen und Feldrainen war Heimat für viele Pflanzen, Insekten und Vögel. Ab den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde diese Form der Landwirtschaft überall aufgegeben, Getreide- und Kartoffelanbau wurden bei uns völlig eingestellt. Stattdessen wurden von nur noch wenigen Bauern die Ländereien der kleinen Bauern gepachtet oder gekauft und zu Wiesenland umfunktioniert.

Neue Kulturlandschaft

Dazu wurde diese neue Kulturlandschaft heftig mit Kunstdünger und Gülle bearbeitet, so dass man mittlerweile schon Mitte Mai Gras für Silage mähen kann. Diese neue Kulturlandschaft, wie sie sich nun heute präsentiert, ist nicht mehr geeignet als Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere. Die alte Kulturlandschaft, wie sie vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert gewesen ist, ist für immer verschwunden und damit auch eine große Anzahl von Pflanzen und Tieren. Es gibt aber sicherlich noch viele andere Gründe für den Rückgang der Insekten und Vögel. Wer sich im Sommer mal in Ruhe auf die Terrasse oder den Balkon setzt und den Himmel betrachtet, der kann nur staunen, wie viele Großflugzeuge den Eifelhimmel überfliegen.

Alle diese Maschinen werden angetrieben durch steuerfreien Treibstoff, dessen Abfallprodukte nach dem Verbrennen in den Motoren auf unseren Boden rieseln oder höher steigen. Niemand hat bisher die Auswirkungen dieser Verbrennungsprodukte der Flugzeuge auf die Pflanzen- und Tierwelt untersucht. Die Lebensräume, in denen Pflanzen und Insekten noch einigermaßen gute Lebensbedingungen sind Wege- und Straßenränder und Straßenböschungen. Natürlich müssen Straßen mit Verkehrsaufkommen wegen der Verkehrssicherheit von Gras frei gehalten werden, aber es ist eigentlich nicht nötig, den gesamten Innenbereich einer Haarnadelkurve von Blumen zu befreien, wie das in der vergangenen Woche in zwei solcher Kurven bei Dedenborn geschehen ist.

Es ist auch nicht unbedingt notwendig, schon im Mai oder Anfang Juni Waldwegränder zu mähen, wie man das am Feldweg zwischen Dedenborn und Einruhr getan hat. Noch vor wenigen Jahren brüteten hier drei Paare Neuntöter, die sich ausschließlich von Insekten ernähren. In diesem Jahr ist bisher noch kein brütendes Paar gefunden worden. Man kann die alte Kulturlandschaft nicht mehr zurückholen, aber warum könnte man denn nicht an irgendwelchen Ländereien, die nicht von großem Nutzen sind, Ödland entstehen lassen?

Komplexe Zusammenhänge

Aber auch die natürlichen Feinde der Vögel können in den Naturhaushalt eingreifen, wenn diese Tiere überhand nehmen. Streunende Katzen sind vor allem für junge, völlig unerfahrene, frisch ausgeflogene Jungvögel eine große Gefahr, insbesondere dann, wenn Katzenliebhaber nicht nur eine, sondern ein halbes Dutzend solcher Raubtiere durch die Landschaft und Nachbargärten laufen lassen.

Bedingt durch das milde Wetter der letzten Jahrzehnte, überleben viel mehr Eichhörnchen den Winter als früher, als es noch nach langen Frostperioden gab. Eichhörnchen sind Nesträuber und holen den Vögeln die Eier aus den Nestern. Auch Elstern und Krähen sind Nesträuber. Da mittlerweile in unseren Dörfern überall sehr hohe Bäume stehen, finden diese Vögel in jedem Dorf geeignete Nistplätze, und auf den Rasen und Komposthaufen innerhalb der Dörfer und auf dem Wiesenland außerhalb der Dörfer finden sie auch jede Menge Nahrung, so dass sie sich gut vermehren können.

Auf den Wiesen im Bereich Rollesbroich – Strauch – Witzerath – Kesternich kann man Ansammlungen von mehreren Hundert Krähen feststellen, die dort auf Nahrungssuche sind. Die Aufzählung der Ursachen für den Rückgang von Insekten und Vögeln ist sicherlich nicht vollständig, aber sie zeigt, wie komplex die Zusammenhänge in der Natur sind.

 

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