Wasserspeicher-Kraftwerk am Rursee: Mega-Energiepark bewegt die Massen

Von: P. St.
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Auf riesiges Interesse in der
Auf riesiges Interesse in der Bevölkerung stieß die Bürgerinformation zum Wasserspreicher-Kraftwerk Rursee und zum Windpark Lammersdorfer Wald in der Aula der Hauptschule Simmerath. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Keine Protest-Kundgebungen vor der Hauptschule, keine Transparente, keine mahnenden Naturschützer, keine Technik-Gegner und im Prinzip auch keine ablehnende Äußerung während der Diskussionsrunde begleiteten den ersten öffentlichen Auftritt des Stadtwerkeverbunds Trianel in Simmerath.

Wie mehrfach berichtet, möchte das in Aachen ansässige Unternehmen („Ideen. Gemeinsam. Umsetzen.”, lautet die Firmen-Philospohie) in der Gemeinde Simmerath das nach eigenen Angaben viertgrößte Wasserspeicher-Kraftwerk errichten. Dieses riesige Projekt am Rursee, wenngleich es von Entwicklungsstadium her noch ein zartes Pflänzchen ist, ist derzeit das Gesprächsthema Nummer eins bei den Bürgern. Also war es auch nicht verwunderlich, dass am Mittwochabend eine regelrechte Völkerwanderung in Richtung Hauptschule einsetzte, wo die Gemeinde Simmerath und der Projektentwickler zu einer Informationsaveranstaltung eingeladen hatten. Fast 400 Bürger, darunter auch viele aus der gesamten Region, strömten in die Aula.

Bedenken zu Windpark

Die zehn Experten auf dem Podium konnten noch nicht alle Fragen erschöpfend beantworten, aber es herrschte Einigkeit darüber, dass man die Bürger bereits zu einem frühen Zeitpunkt informieren und damit in das Verfahren wollte, ein Vorgehen, dass im Laufe der Veranstaltung auch ausdrücklich gelobt wurde. Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns setzt auf „völlige Transparenz und eine offene Diskussion.” Während im Schwarzwald Wutbürger ein Speicher-Kraftwerk verhindern wollen, scheint man in Simmerath offen für eine 700-Millionen-Euro Investition in erneuerbare Energien zu sein.

Das neue Energie-Zeitalter in Simmerath, wenn es denn kommt, setzt zeitgleich auch auf den Ausbau der Windenergie. Eine 85 Millionen-Euro-Investion mit 17 Windrädern im Lammersdorfer Wald ist ein weiteres Projekt, das ebenfalls an diesem Abend präsentiert wurde.

Von einigen Bürgern wurde die angedachte Ökostrom-Produktion und die mit Simmerather Boden verbundene Energiewende geradezu euphorisch begrüßt. Zwar ist noch keine Standortentscheidung gefallen, aber die Einschätzung der Projektentwickler ließ aufhorchen: „Bei der laufenden Prüfung von zwölf Standorten in Deutschland ist Simmerath im Moment die Nummer eins”. Trianel wird an vier Standorten das Verfahren starten, ehe dann 2014 die endgültige Entscheidung fällt, wo Trianel letztlich investiert. Fest steht aber für das Unternehmen, dass das Projekt nicht gegen den Willen der Bevölkerung umgesetzt wird”, betonten Projektleiter Dr. Markus Hakes und Elmar Thyen, Leiter der Unternehmenskommunikation.

Nach einer etwas zu lang geratenen Vortragsrunde, die zudem noch unter einer leistungsschwachen Beschallungsanalge litt, blieben die Fragen der Bürger nicht aus. Bis 23.30 Uhr gab es lebhafte Gespräche, wobei vor allem der neue Windpark im Lammersdorfer Wald die meisten kritischen Fragen im Hinblick auf Beeinträchtigung des Wohnumfeldes unter der Natur aufwarf. Der Windpark, der vom Tochterunternehmen Stawag- Solar geplant wird, ist ein eigenständiges und steht nicht Abhängigkeit zum Pumspeicher-Kraftwerk.

Sorgen äußerten die Bürger aber auch zum Wasser-Kraftwerk. Während das geplante Oberbecken zwischen Strauch und Schmidt links der Landstraße keine Probleme zu bereiten scheint, ist der schwankende Wasserspiegel des Rursees bei laufendem Betrieb der Anlage ein Problem von großer Dimension. Je nach Wasserstand des Rursees sind Pegelschwankungen bis zu zwei Meter möglich. Die Rurseenutzer sehen ihre Interessen bedroht, ob Segler oder die Schwimmer im Strandbad Eschauel. „Die touristische Nutzung des Rursees ist für uns ein Dogma”, ließ Markus Hakes keinen Zweifel daran, dass in diesem Punkt eine intensive Prüfung erfolgen wird. Vorschläge zur Begrenzung des Schwankungs-Korridors wurden ebenso aufgenommen wie die Nutzung des Oberbeckens als zusätzlichen Reservespeicher oder eine Teillast-Betrieb.

Bei Trianel zog am Donnerstagmorgen eine erste Bilanz des Abends: Man hatte viele Fragen notiert und mehrere Bürger meldeten sich Donnerstag beim Unternehmen. Dabei konnten auch schon erste Bedenken ausgeräumt werden. In Woffelsbach wird es keine sichtbare Stromanbindung für die Einspeisung des im Kraftwerk gewonnenen Stroms geben.

Entweder wird ein zusätzlicher Energiestollen gebaut oder es wird ein Seekabel verlegt. Zudem plant Trianel eine Internetseite, die Antworten auf häufig gestellte Fagen geben wird. In fünf Bundesländern ist Trianal derzeit unterwegs, doch eine so „zupackende Art wie in Simmerath” finde man nur an ganz wenigen Standorten, zieht Trianel ein positive Bilanz des Abends. Daran möchte der Simmerather Bürgermeister auch festhalten: „Warum sollten wir diese Chance nicht ergreifen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen?” Die Aussicht auf eine dauerhafte Einnahmequelle der Gemeinde Simmerath übt einen zusätzlichen Reiz aus, ebenso auch die Chance, die Energiewende für Simmerath touristisch zu nutzen.

Es soll ein Besucherstollen eingerichtet werden und das Oberbecken bei Strauch konnte mit einem Rundweg ausgestattet werden. Das hier auszubaggernde Erdreich wir zur Aufschüttung einer rund zehn Meter hohen Dammkrone direkt vor Ort wieder verwendet.

Im Zuge des weiteren Vorgehens wird Trianel zunächst bis Mitte 2012 ein Raumordnungsverfahren aufstellen.

Das Unternehmen ist für die Planung in Simmerath gestärkt durch einen einstimmigen Ratsbeschluss, die Machbarkeit des Projektes zu untersuchen.

Eine große Mehrheit der Bevölkerung dürfte man auch schon hinter sich wissen, erst recht, wenn alle Fragen ehrlich und offen beantwortet werden.

Daten und Fakten zu Wasserkraftwerk Rursee und Windpark Lammersdorf

Das Pumspeicher-Kraftwerk verfügt über eine Nettoleistung von 640 Megawatt (zum Vergleich: Das Braunkohle-Kraftwerk Weisweiler verfügt über 2000 MW). Ein drei Kilometer langer, tief unter der Erde liegender Stollen führt vom Oberbecken Strauch zum Rursee und mündet im Schilsbachtal. Die Fallhöhe beträgt 240 Meter. Pro Sekunde fließen 300 Kubikmeter Wasser (also 30 große Gartenpools) durch den Stollen, um über Turbinen und Generatoren Strom zu produzieren. Das Wasser-Kraftwerk kann 460.000 Haushalte im Jahr mit Strom versorgen.

Das Oberbecken fasst sieben Millionen Kubikmeter Wasser, das ist dreimal soviel wie Kalltalsperre und sieben Mal soviel wie die Perlenbachtalsperre; die Wasserfläche entspricht der Größe von 80 Fußballfeldern. Die ausgebaggerte Erde wird als Wall aufgeschüttet.

In der ersten Sichtung listete Trianel 3000 Standorte in Deutschland auf. Das Auswahlverfahren (Naturschutz, Siedlungsgebiete, Verkehrswege, Topografie) wurde immer mehr verfeinert; in der letzten Phase werden noch zwölf Standorte untersucht. Der Baubeschluss soll 2015 fallen, der Betrieb 2019 starten.

Der Windpark Lammersdorfer Wald soll aus 17 Anlagen bestehen (je drei MW Leistung). Sechs Anlagen (Nabenhöhe 135 Meter) sollen westlich und 11 Anlagen östlich der Jägerhausstraße entstehen. Der Rotor hat 100 Meter Durchmesser, sodass man auf eine Flügelspitzenhöhe von 186 Metern kommt. Die Jahres-Stromproduktion von 7500 Megawatt könnte 36.000 Haushalte versorgen (der Südkreis mit Monschau, Roetgen und Simmerath verfügt über rund 12.000 Haushalte). Die Bauzeit soll neun Monate betragen, die Inbetriebnahme 2013 erfolgen.

Der Windpark soll wie auch Michelshof ein Beteiligungsmodell für die Bürger sein. Da durch das Oberbecken bei Strauch wahrscheinlich der dortige Windpark reduziert wird, ist geplant, dass die hier beteiligten Anteile der Kommanditisten in den neuen Windpark Lammersdorf transferiert werden.

Ansprechpartner beider Firma Trianel

Nach dem Motto, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt, sind zum Pumspeicher-Kraftwerk Fragen und Anregungen ausdrücklich erwünscht.

Ansprechpartner sind Dr. Markus Haakes (Projektleiter und Elmar Thyen, Leiter Unternehmenkommunikation, Tel. 0241/413 200.

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