Nordeifel - Wahlwerbung bei genervten Schlangestehern

Wahlwerbung bei genervten Schlangestehern

Von: Jan Mönch
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Kurze Rotphase, knappe Botscha
Kurze Rotphase, knappe Botschaft: An der Ecke Monschauer Straße/Pascalstraße würde Landtagskandidat Axel Wirtz in Zukunft gern einen Kreisverkehr sehen. Am besten mit Bypass. Foto: Jan Mönch

Nordeifel. Es ist 7 Uhr früh, und die potenziellen Wähler stehen an diesem Morgen buchstäblich Schlange bei Axel Wirtz. Der weiß aber genau, dass die Leute nicht wegen ihm hier sind. Vielmehr ist der Direktkandidat der CDU kurzerhand dahin gegangen, wo sich die Schlange an jedem Werktag um diese Zeit bildet.

Auf der Monschauer Straße, im Behördendeutsch bekannt als B258, und zwar kurz vor Lichtenbusch an der Einmündung Pascalstraße. Die Parteien befinden sich bekanntlich im Wahlkampf, und für Politiker, die gerne (wieder) in den Landtag wollen, gehört es in dieser Zeit zum Tagesgeschäft, Präsenz zu zeigen. Sei es ein Schulanbau, der eingeweiht wird, oder ein Dorf, das eine Auszeichnung bekommt: Von Terminen wie diesen nehmen die Menschen positive Erinnerungen mit, und mit denen lassen Wahlkämpfer sich naturgemäß gern in Verbindung bringen. Manchmal haben sie ja sogar selbst mit dem Thema zu tun gehabt. Der frühe Außentermin, zu dem Axel Wirtz gemeinsam mit Vertretern der Ortsverbände Monschau, Roetgen und Simmerath erschienen ist, ist daher durchaus bemerkenswert: Positive Erinnerungen sind sicherlich das Letzte, das die Stausteher von hier mitnehmen.

Wirtz steht jetzt auf einem breiten Sperrstreifen kurz vor der Ampel, rechts und links donnern Pkw, Motorräder und Lastwagen vorbei. Für einen gescheiten Stau ist es noch zu früh, doch das ist nur eine Frage der Zeit. „Eine Bundesstraße muss leistungsfähig sein”, findet der Stolberger. „Das ist wichtig für Handel, Handwerk und Gewerbe in der Eifel.” Dann springt die Ampel auf Rot, Wirtz geht rasch zu einem heruntergelassenen Seitenfenster. Die Rotphase ist kurz, reicht aber für ein paar erläuternde Worte samt Flugblatt. Dazu gibt´s einen Apfel.

Straßen statt Schienen

Glaubt man dem Zeitgeist, ist es eine rückwärtsgewandte Angelegenheit, das Angebot an Asphalt erweitern zu wollen. Im Trend liegen eher Abgesänge auf den Individualverkehr - wegen der Spritpreise und dem Klimawandel und diesen ganzen Dingen. Indem die CDU sich an die Bundesstraße stellt, um zu (auto)mobilisieren, ist sie mit dem urdeutschen Thema, das der ADAC mal mit den Worten „Freie Fahrt für freie Bürger” zusammenfasste, heute gewissermaßen fast ein bisschen alternativ.

Wirtz jedenfalls hält das mit dem Zeitgeist für Quatsch, zumindest im ländlichen Raum: „Wir können ja nicht überall Schienen legen. Es ist lebensfremd, davon auszugehen, dass alles mit dem ÖPNV gemacht werden kann.” Es entspreche der Eifeler Interessenlage, das Oberzentrum gut zu erreichen. Ganz abgesehen davon seien viele in der Autoschlange ja ohnehin unterwegs zur Autobahn, nicht nach Aachen. Was, bitteschön, solle man mit dem Bus?

Mittlerweile ist der Verkehr dichter und die Schlange länger, durch die Windschutzscheiben zeichnet sich nun manch genervtes Gesicht ab. Freundlich an die Scheiben pochende Christdemokraten helfen da nicht immer. Einem von Wirtz Mitstreitern wird empfohlen - um es an dieser Stelle freundlich wiederzugeben - sich zu verdünnisieren, andere lassen gar nicht erst die Scheibe runter. Vielleicht wollen diese Wähler ja sowieso für die CDU stimmen und brauchen keine Beratung. Ein anderer indes bekennt patzig, sein Kreuzchen noch nie für Wirtz gemacht zu haben.

Meist jedoch gibt es hinter den Lenkrädern zustimmendes Nicken. Oder auch Sätze, die mit „Ich finde übrigens...” beginnen - aber dann springt die Ampel schon auf Grün und die Blechlawine setzt sich in Bewegung. Aus Wirtz´ Sicht ist das sicher ganz gut so. Den Betrieb weiter aufzuhalten, könnte angesichts der mittlerweile erreichten Staulänge leicht eine Wagenreihe Wählerstimmen kosten. Das Wesentliche steht ja eh auf dem Flugblatt.

„Leistungsfähig”, glaubt Wirtz, werde die B258 etwa durch Dreispurigkeit - sprich: Überholmöglichkeiten - erhalten oder aber, insbesondere im Bereich Lichtenbusch/Oberforstbach, durch Kreisverkehre statt Kreuzungen. Besonders toll wären vermutlich „Kreisverkehre mit Bypass”, die Rechtsabbieger sogar noch um dieses Verkehrshemmnis lotsen, „aber damit müssen sich dann die Verkehrstechniker beschäftigen”.

Brauchbare Pläne lägen beim Landesbetrieb Straßenbau in der Schublade, als Finanzier wäre der Bund in der Pflicht, schließlich ist es eine Bundesstraße, die staufrei gemacht werden soll. Jedenfalls - der langen Rede kurzer Sinn - gäbe es alldies natürlich am schnellsten dann, wenn möglichst viele Menschen am Sonntag die CDU wählen. Wenn es nicht sogar „nur mit der CDU” geht, wie es in der Presseeinladung formuliert war. Allerdings wäre da ja auch noch die im Allgemeinen autofahrerfreundlich aufgestellte FDP, oder? „Ich gehe davon aus, dass da politischer Konsens herrscht”, schätzt Wirtz.

Aber das ist eine Frage, die man ja noch nach der Wahl klären kann.
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