Imgenbroich - Wahl-Eifeler Joe Stemper „Australien wird eine harte Nuss”

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Wahl-Eifeler Joe Stemper „Australien wird eine harte Nuss”

Von: hes
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Joe Stemper mit seinem australischen Passport, Boomerang, Koalabärchen und dem Banner des Landes, wo er die Hälfte seines Lebens verbrachte. „Fußball oder Soccer, wie die Aussies sagen, ist aber in Australien nur die Nummer vier der Sportarten hinter Football, Rugby und Cricket”, weiß der 68-jährige aus Imgenbroich. Foto: Heiner Schepp

Imgenbroich. „Deutschland wird knapp gewinnen, aber das wird eine harte Nuss. Denn die Australier spielen sehr hart und werden es den Deutschen nicht leicht machen.” Nur mühsam ist Joe Stemper ein Tipp für den WM-Auftakt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Sonntag zu entlocken. Schließlich schlagen buchstäblich zwei Herzen in der Brust des 68-Jährigen.

„Ich habe jeweils eine Hälfte meines Lebens in Deutschland und Australien verbracht”, erzählt Stemper von seiner wahrhaft bewegten Lebensgeschichte.

Diese begann am 20. August 1942 in Zrenjanin, das damals, mitten im Zweiten Weltkrieg, zu Jugoslawien zählte und heute zum Land des zweiten deutschen WM-Gegners Serbien gehört. Auf der Flucht vor den Wirren des Krieges führte der Weg der Familie 1955 nach Aachen, wo Josef Paul Stemper, so sein bürgerlicher Name, seine Eltern und Geschwister schnell sesshaft wurden.

Der junge Mann beendete die Schule und seine Ausbildung zum KFZ-Mechaniker, als 1962 Vater Staat rief. „Ich sollte zu den Pionieren nach Köln, hatte aber schon die Vorbereitungen getroffen, für zwei Jahre als Autotechniker nach Australien zu gehen”, erinnert sich der 68-Jährige und fügt augenzwinkernd hinzu: „Ich gebe zu, dass ich keine besonders große Lust hatte, zum Bund zu gehen.”

Allerdings beging Josef Stemper keine Fahnenflucht, sondern meldete sich ordnungsgemäß bei der Bundeswehrbehörde ab und nahm gleich das nächste Schiff nach Australien. „Ich hatte Flugangst und musste deshalb die vierwöchige Schiffsreise auf mich nehmen”, erzählt der Weltenbummler.

Im fremden Land wurde der damals 20-Jährige rasch heimisch. Er kam bei einer Familie in Melbourne unter, lernte die Sprache und fand auch rasch Arbeit. „Australien hatte damals auch in Deutschland per Fernsehen händeringend nach Facharbeitern gesucht, und so konnte ich mnich über einen Mangel an Arbeit nicht beklagen”, berichtet Josef, der in Australien schnell zum „Joe” wurde. Der junge Gastarbeiter aus Deutschland arbeitete sich hoch, wurde zum Meister und schließlich zum Manager einer Firma mit 60 Leuten.

Nach 15 Jahren Melbourne zog es Joe und seine inzwischen gegründete Familie an die Goldküste nach Brisbane in Queensland. „Auch wenn ich meistens gearbeitet habe, war das schon eine traumhafte Gegend mit viel Sonne und Wärme”, denkt er etwas wehmütig an das australische Klima zurück.

Der Unterschied zwischen Australien und Deutschland wurde „Joe” dann 1992 so richtig klar, als er im Dezember seine Eltern in Aachen besuchte: „Ich verließ Australien bei 30 Grad und kam in Deutschland bei minus vier Grad an. Ich glaube, ich habe drei Monate lang gefroren”, erzählt er lachend.

Obwohl er inzwischen geschieden war, zog es Stemper zurück auf den fünften Kontinent - doch wie das Leben so spielt, war die Liebe stärker als der Wunsch nach Sonne und Wärme: Joe lernte wenige Monate später bei einem weiteren Deutschland-Trip auf einer Familienfeier in Aachen „seine” Hedda kennen. Und da diese wegen ihrer Kinder nicht mit Joe nach Australien gehen wollte, „sind wir halt hier geblieben”, erinnert sich das Paar, und Joe unterstreicht: „Und ich habe mich - abgesehen von den Temperaturen - auch schnell wieder wohl gefühlt in Deutschland.”

Seit fünf Jahren nun lebt das Paar in Imgenbroich, wo es auch Heddas Tochter und deren Familie hingezogen hat. „Wir fühlen uns hier sehr wohl”, berichtet Joe Stemper von Familie, Freunden und netten Nachbarn ihres schönen Hauses am Rulertsweg. Dort werden Joe und seine Lebensgefährtin dann morgen gespannt vor dem neuen HD-Fernseher sitzen und mitfiebern. „Ich denke mal, wir werden keinen Streit bekommen”, meint Joe lachend und gibt dann doch doch einen Tipp ab, mit dem auch seine Hedda gut leben kann: „Deutschland gewinnt 1:0.”
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