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Wärmster Dezember seit 300 Jahren

Von: kjl
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Schlittschuhlaufen auf dem Eiserbachsee, wie hier im Jahr 2009, wird wohl in diesem Winter nicht mehr möglich sein. Foto: Archiv/Stollenwerk

Nordeifel. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Westeuropa (De Bilt, NL, seit 1706, Aachen seit 1829 und Schneifelforsthaus seit 1889) ist es noch nie so mild gewesen wie im Dezember 2015. Wenn man Weihnachten bei 15 Grad mit dem T-Shirt aus dem Haus gehen kann und die ersten Haselnusspollen fliegen, dann ist das schon bemerkenswert.

 Die Statistik untermauert dieses besondere Ereignis eindrucksvoll. Die bisherigen Rekordhalter 1974 und 1934 wurden quasi pulverisiert. Das zeigen die Vergleiche der Dezembermitteltemperaturen mit 2015 im Aachener Land: Aachen 9,4 Grad (seit 1829 Rekord bisher 7,7 Grad im Jahr 1852); Simmerath 7,0 Grad (Rekord 4,2 Grad auf 500 m im Jahr 1974); Schneifelforsthaus 5,4 Grad (seit 1889 Rekord 3,8 Grad im Jahr 1934). Die Meteorologen sprechen gar von einem 500-Jahres-Ereignis, das wir gerade erlebt haben.

Erst in einer mittelalterlichen Warmzeit zwischen 1000 und 1300 finden wir ähnliche Ereignisse in unserer Region. In alten Chroniken wurden folgende Einträge gefunden (Bad Münstereifel und Monschau): Der Winter 1289/90 war von unerhörter Milde (wie 1185/86). „Weihnachten blühten Bäume; Mädchen gingen mit frischen Blumen geschmückt zum Christfest; Knaben badeten in Flüssen und am 6. Januar brüteten die Vögel; am 14. Januar wurden Erdbeeren gefunden und Rebstöcke blühten; 1289 tragen Jungfrauen zu Weihnacht und Dreikönig Kränze von Veilchen und Kornblumen.“ 1718/19 ist gelinder Winter im Monschauer Land gewesen. „Erst am 5. April hat es angefangen zu frieren, worauf der Sommer dann unbeschreibliche Hitze brachte.“

Ganz ohne einen Luftfrost (wie 1974 auch) verlief dieser erste „Wintermonat“ in den Niederungen des Kreises Aachen (3,3 Grad in Aachen-Orsbach). Die niedrigsten Werte des Kreisgebietes wurden im Monschauer Höhengebiet am 11. Dezember registriert (Höfen -1,5 Grad). Mehr als zwei Frosttage gab es aber auch oberhalb von 600 m Seehöhe nicht.

Der wärmste Tage ist schon bemerkenswerter und ebenfalls ein neuer Rekordwert: 16,4 Grad am 17. Dezember in Alsdorf-Warden. Auch bei den Niederschlägen wirkte das ständige Hochdruckwetter (Monatsmittel des Luftdrucks 1026 hPa) positiv. Mit 50 bis 60 l/qm wurden rund um Aachen nur 60 bis 70 Prozent des Langzeitwertes erzielt.

Zwischen Roetgen (91 l) und Mont Rigi im Hohen Venn (147 l) stiegen die Werte durch den Südweststau der Wolken vor der Eifel deutlich an.

Auch die Sonne machte reichlich Überstunden in diesem frühlingshaften Dezember. Hier einige Ergebnisse aus verschiedenen Höhenstufen mit deutlichem Vorteil für den Nordkreis: Schöneseiffen 67 Stunden, Monschau Schulzentrum 62, Aachen-Orsbach 86 und Alsdorf-Warden Deponie 99 Stunden. Der bisher höchste Sonnenstundenwert im Dezember seit 1900 wurde im Raum Aachen 1972 mit 96 Stunden aufgeschrieben.

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