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Vortrag: Luftkampf über Simmerath

Von: sal
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Die BTO (Spitzname: Big Time Operator) auf dem „Heimatflugplatz” in England mit Teilen der Besatzung auf dem „Top-Turret”, dem oberen Drehturm.

Lammersdorf. „Wer aus der Vergangenheit und Geschichte nicht lernt und sie nicht versteht, ist versucht, sie zu wiederholen.” Damit gerade diese Möglichkeit des Unwissens ausgeschlossen werden kann, fand in der THW Unterkunft in Lammersdorf ein Vortrag über die Luftkriegsereignisse des zweiten Weltkriegs über dem heutigen Gebiet der Gemeinde Simmerath statt.

Die AG-Luftkriegsgeschichte Rhein/Mosel e.V. arbeitet seit Jahren an der Dokumentation des Luftkrieges von 1939 bis 1945 über der Eifel. Der Schwerpunkt liegt dabei im Kreis Euskirchen.

Ralf Bischoni hatte den Kontakt zum stellvertretenden Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft, Frank Güth, hergestellt. Dieser informierte zu Beginn seines photographisch aufgearbeiteten Vortrags erst einmal über die Zielsetzung seines Vereins.

An erster Stelle stände die Aufklärung von Vermisstenschicksalen, vornehmlich aus dem Zeitraum des zweiten Weltkrieges, jeglicher Nation. Denn in den Wirren des Krieges wurden die abgestürzten Piloten oft nur in der Nähe ihres Flugzeuges beerdigt oder gar nicht erst aus den Trümmern herausgeholt.

Viele Fälle nicht abgeschlossen

Es gibt zahlreiche Fälle die bis heute nicht eindeutig abgeschlossen wurden. Viele Piloten gelten heute noch, über 50 Jahre danach, als „Missing In Action” (Im Einsatz vermisst). Des Weiteren wurde die Absturzstelle sehr selten detailliert benannt bzw. schriftlich festgehalten. Besonders wichtig sei auch das Erinnern an die Ereignisse, die Pflege von Heimat und Geschichtskunde und natürlich die Information der Öffentlichkeit, so der stellvertretende Vorsitzende.

Der Ablauf einer Recherche beginnt fast immer ähnlich: Meist erhält man von ortsansässigen Augenzeugen den ersten Hinweis auf einen Flugzeugabsturz, das sind „unsere wichtigsten Quellen”, betonte Frank Güth. Teilweise erinnern sich diese Zeugen sogar noch an den Ort oder zumindest die Umgebung.

Verlustmeldungen

Die zweite Anlaufstelle sind dann Archive, wie das Bundesarchiv-Militärarchiv, die U.S. National Archives in Amerika, aber auch Dokumente, wie der so genannte „Missing Air Crew Report”, oder namentliche Verlustmeldungen oder sogar Luftbilder. Daher muss sich die AG ständig mit offiziellen Archiven, Privatpersonen, Museen und Dienststellen austauschen. Doch bevor es zu genaueren Untersuchungen an der vermuteten Absturzstelle kommen kann, muss noch die Rechtslage abgeklärt werden.

Erst dann kann die Stelle genau lokalisiert und das Gebiet eingemessen werden. Besondere Beachtung wird dabei spezifischen Waldveränderungen geschenkt: Nach einem Flugzeugabsturz wird die beschädigte Stelle durch das auftreffende Metall, meist von einer anderen Flora bewachsen als zuvor bzw. noch in der Umgebung vorhanden. Eine Buche in mitten eines Eichenwaldes könnte also einen entscheidenden Hinweis liefern.

Gefunden werden unter anderem Aluminiumfetzen mit Farbresten, Schlauchreste aus dem Motorbereich, Plexiglas vom Kabinendach, Gummiteile der Reifen oder der Tanks - In den allermeisten Fällen also nichts Spektakuläres. Allerdings besitzen genau diese Fundstücke spezifische Nummern, Stempel oder Plaketten. Anhand dieser Prägungen ist es möglich mit Hilfe von Ersatzteilkatalogen, die sehr teuer in der Anschaffung sind, den Maschinentyp bzw. die Baureihe und damit auch die jeweilige Nationalität des Flugzeugs und seines Piloten genau zu erfassen.

Ein treffendes Beispiel dafür, was aus „Schrott” alles herausgelesen werden kann. Diese neu gewonnenen Ergebnisse werden dann mit den vorliegenden Dokumenten und vorhandenen Vermisstenmeldungen verglichen, es ergeben sich Übereinstimmungen, im bestmöglichen Fall 100 Prozent, oder auch Unstimmigkeiten, die dann weiter untersucht werden müssen.

Zum Abschluss brachte Frank Güth noch zwei explizite Beispiele für Flugzeugabstürze über dem heutigen Gebiet der Gemeinde Simmerath.

So konnte zum Beispiel anhand des Tagebucheintrags eines gewissen Sergeant Marshall T. Windham nachvollzogen werden, warum es am 17. Oktober 1944 zum Absturz einer amerikanischen Maschine kam, die eigentlich einen Luftangriff auf Köln-Eifeltor, starten sollte. Ein gewöhnlicher Tagesablauf: 4 Uhr Wecken, 5 Uhr Frühstück, 5.30 Uhr Breefing, 7 Uhr Maschine besetzen, 8 Uhr „take off”.

Doch es dauerte nur circa anderthalb Stunden, bis die Einheit B-17 „Flying Fortress” der 457th Bomb Group zweimal so hart getroffen wurde, dass eine „Notlandung” in unbekanntem Gebiet unumgänglich war. Eine eindrucksvolle und vor allem äußerst detaillierte Schilderung. Vervollständigt wurde der Vortrag durch eigene Erlebnisse von Zeitzeugen aus dem Publikum, die als Kind selbst einmal durch die Fracks abgestürzter Flugzeuge gelaufen sind.

Man kann die Arbeit der AG-Luftkriegsgeschichte Rhein/Mosel e.V. unterstützen, wenn etwas über Absturzstellen bekannt ist, und vermutet wird, dass der Pilot nicht geborgen wurde; wenn man Fotos oder Zeichnungen von solchen Ereignissen haben sollte, oder sogar Angehörige, die als Piloten vermisst sind, dann kann man sich gerne bei Frank Güth unter 02445 911187 melden.
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