Strauch - Von Syrien in die Eifel: Die Geschichte von Familie Doko

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Von Syrien in die Eifel: Die Geschichte von Familie Doko

Von: P. St.
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Die in Strauch lebende syrische Familie Doko erhält Unterstützung durch eine von Jan Iffert (2. v. li.) und Kollegen der Raiffeisenbank Simmerath gestartete Hilfsaktion. Vater Rafik, Mutter Media (Mi.) sowie die Kinder Amed (li), Ali und Szoda (re.) sind tief berührt. Foto: P. Stollenwerk

Strauch. Anfang August ging alles ganz schnell: Die syrische Familie Doko packte ihre Sachen und verließ kurz entschlossen ihre Heimat, nachdem direkt neben dem Wohnhaus eine Bombe eingeschlagen war und das Gebäude zerstörte. Von der Familie wurde glücklicherweise niemand verletzt, aber von diesem Tag an wusste die Familie, dass Syrien nicht mehr länger ihr Heimatland sein wird.

Familienoberhaupt Rafik Doko (53) versuchte noch ein paar Sachen zu verkaufen, dann schloss der Bauingenieur sein Büro in einem kleinen Ort nahe der Stadt Kobane ab und die Reise ins Ungewisse begann. Die Stadt Kobane, direkt an der syrisch-türkischen Grenze gelegen, wird seit Monaten von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bedroht. Die IS hat die kurdische Enklave zum Hauptziel ihrer Angriffe erklärt und Dutzende von Dörfern in Nordsyrien bereits unter ihre Kontrolle gebracht.

Dass die Familie außerdem noch der Religionsgemeinschaft der Aleviten angehört, machte ihre Situation nicht leichter. Die Aleviten gehören zwar zur Glaubensrichtung des Islams, aber in der Gesellschaft erfahren sie jedoch bis heute Diskriminierung und Verfolgung. Als religiöse Minderheit werden sie nicht anerkannt und die IS hat es zu einem ihrer Ziele erklärt, die Aleviten auszurotten.

Dem Terror und der Verfolgung ist die Familie entgangen. Vor rund sechs Wochen ist sie in der Eifel angekommen. Erste Anlaufstation war das Flüchtlingsheim im siegerländischen Burbach. Nach drei Monaten wurde die fünfköpfige Familie der Gemeinde Simmerath zugewiesen und kam folglich in die Unterkunft Langschoß. Hier aber fühlte sich die Familie aber nicht am richtigen Platz.

Dank privater Unterstützung und Vermittlung sowie mit Hilfe des Sozialamtes der Gemeinde Simmerath konnte die Familie dann vor drei Wochen eine kleine leerstehende Wohnung in Strauch in unmittelbarer Nähe der Pfarrkirche beziehen. Dankbar und voller Bescheidenheit freut sie sich nun über das eigene Dach über dem Kopf. Hier fühlen sie sich sicher und gut aufgehoben.

Nur einmal erschrak man heftig: Als am vergangenen Samstagmorgen um 10 Uhr in der Gemeinde Simmerath die Feuerwehrsirenen heulten, verband die Familie damit nicht einen vollkommen friedlichen Probealarm. Die schlimmen Erfahrungen des Krieges sitzen tief und sind nicht so leicht zu vergessen.

Von den anderen Familiengehörigen, die ebenfalls im Herbst die Flucht ergriffen, hat man schon lange nichts mehr gehört. Nur soviel weiß man: Ein Teil der Familie ist in der Türkei, ein anderer Teil ist in Norwegen gelandet.

Die Zukunft der Familie, die in ihrer Heimat dem gehobenen Mittelstand angehörte und ihr gesamtes Eigentum einer ungewissen Entwicklung überließ, ist aber dennoch nicht von Hoffnungslosigkeit geprägt, betonen Vater Rafik Doko und Ehefrau Media (40): „Wir möchten auf eigenen Füßen stehen, unsere Kinder wollen die deutsche Sprache lernen und Arbeit finden. Nach Syrien möchten wir nicht mehr zurück. Dort sehen wir keine Zukunft mehr.“

Tochter Sozda (22) möchte ihr Bauingenieur-Studium fortsetzen, Ali (20) strebt ein Zahnmedizin-Studium an, und Amed (14) besucht das Monschauer St.-Michael-Gymnasium.

Inzwischen ist eine private Unterstützungsaktion für die Familie Doko angelaufen dank eines eher zufälligen Zusammentreffens von Maria Schütze, einer Mitarbeiterin der Monschauer Tafel, und Jan Iffert, Mitarbeiter der Raiffeisenbank Simmerath. Der Vertriebsleiter der Bank erfuhr vom Schicksal der Familie und wollte persönlich helfen.

Ein Aufruf unter den rund 70 Mitarbeitern des Hauses, ihn bei seiner Aktion mit Sach- und Geldspenden zu unterstützen, stieß auf große Resonanz. Jan Iffert: „Jetzt gibt es zu Weihnachten mit Sicherheit ein paar Geschenke.“ Doch der Bankbetriebswirt möchte es nicht bei einer einmaligen Aktion belassen, sondern setzt auf nachhaltige Unterstützung, um die Familie bei ihrem Versuch, eine neue Existenz aufzubauen zu unterstützen.

Die Gastfreundschaft und die große Bescheidenheit der Familie haben Jan Iffert nachhaltig imponiert. Als er die Familie beim ersten Einkauf begleitete, kam nur das Allernötigste in den Einkaufswagen, und der Mutter fiel es schwer, ein dringend benötigtes Bügelbrett anzunehmen.

Wichtig ist für Iffert aber auch, dass die Familie aus ihrer derzeitigen Isolation heraustritt. So sollen die beiden Jungs nach der Winterpause zum Fußballtraining in Schmidt angemeldet werden.

Die Familie Doko weiß die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung zu schätzen und ist tief berührt von der freundlichen Aufnahme. Gemeinsam ist allen die Hoffnung, dass das künftige Leben in neuer Umgebung auch Perspektiven eröffnet. Rafik Doko: „Für das Jahr 2015 wünsche ich mir, dass ich in Frieden und Freiheit mit meiner Familie leben kann.“

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