Von der Mühsal, einen Aldi anzusiedeln

Von: Ernst Schneiders
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Auf dieser Brache an der unteren Bundesstraße in Roetgen möchte sich Aldi ansiedeln. Der Standort wurde vor zwei Jahren von den damaligen Mehrheitsfraktionen CDU und Grüne gekippt. Jetzt formiert sich bereits massiver Protest der Anwohner. Foto: Ernst Schneiders

Roetgen. „Aldi, die Nächste. Uuuuuuuund Action!” Für einen Filmregisseur wäre es vermutlich einfacher, die Ansiedlung eines Aldi-Marktes in Roetgen umzusetzen, als dies für die Gemeinde der Fall ist.

Nach dreijährigem „Kuddelmuddel” , wie einer der Protagonisten formulierte, hatten sich der gesamte Gemeinderat und Bonafide-Geschäftsführer Stefan Schepers kaum glücklich in den Armen gelegen und sich über den gelungenen Einstieg in das Großprojekt Nahversorgung Faulenbruch-/Bundesstraße gefreut, da taucht plötzlich, wenn auch nicht völlig überraschend, ein von den damaligen Mehrheitsfraktionen CDU und Grüne im Gemeinderat längst begrabener Standort an der Bundesstraße, in Nähe des Plus-Marktes, wieder auf.

Planer Egon Schreck von der ZVM Bau- und Bodenverwertung GmbH aus Eschweiler hatte sich mit einem erneuten Antrag im Rathaus gemeldet, und im Bauausschuss gaben SPD und UWG einer Prüfung dieses Standortes ihren Segen. CDU und Grünen ist dabei der Schreck buchstäblich in die Glieder gefahren, denn sie glaubten, das Thema Aldi an der Bundesstraße sei für immer und ewig vom Tisch.

CDU: „Eine Farce”


CDU-Fraktionschef Michael Seidel stellt sich und die Seinen in einer schriftlichen Stellungnahme denn auch sogleich an die Seite der Anwohner in der Offermann- und der Hofstraße. Es sei für die Union „nicht nachvollziehbar und eigentlich eine Farce”, dass SPD und UWG ohne Not jetzt einen alternativen Standort für den Discounter in den Ring geworfen hätten, „ohne sich über die Folgen ihrer Entscheidung im Klaren zu sein”.

„Durch die Zustimmung von SPD und UWG zum Standort untere Bundesstraße droht die Realisierung des von allen Parteien und Bürgern favorisierten Einkaufszentrums an der Faulenbruchstraße zu scheitern”, hat Seidel auch gleich die bösen Buben und Mädels für die möglicherweise irritierende Situation ausgemacht. Grünen-Sprecher Gerd Pagnia war nicht nur „überrascht” über den neuen-alten Standortvorschlag, sondern auch „sauer, dass dem Investor an der Faulenbruchstraße solche Knüppel zwischen die Beine geworfen werden”. Man könne nur hoffen, dass sich der Investor jetzt nicht aus Verärgerung völlig zurückziehe.

Kritik an der UWG

Macht er nicht. Investor Josef Plum spricht zwar von einer „komplizierten Situation” bei einem Rückzug von Aldi. Doch der „Ur-Roetgener”, wie er sich selbst bezeichnet, und erfolgreiche Geschäftsmann hat dort bereits viel Geld in die Hand genommen und hat die Absicht, noch viel mehr Geld in die Hand zu nehmen. Das heißt, das Nahversorgungszentrum, das von weiten Teilen der Bevölkerung gewollt ist, wird kommen. Plum: „Wenn nicht mit Aldi, dann eben mit einem anderen Discounter.” Da sollen noch andere auf der Matte stehen, und ein Discounter sei halt eine gute Ergänzung zu einem Vollsortimenter wie Edeka. Für Josef Plum ist die UWG der Sündenbock. Wären die Unabhängigen nicht „umgeschwenkt”, dann wäre die Situation jetzt entspannter.

Bourceau: „Große Chance”

Die UWG will unterdessen nicht auf der Strafbank Platz nehmen, wie Fraktionschefin Silvia Bourceau betont: „Die Leute in Roetgen wollen beides, die Faulenbruchstraße und die Bundesstraße. Hier bietet sich eine große Chance, die sollten wir nutzen, denn es soll in Roetgen schließlich vorwärts gehen.” Die UWG wolle, bei aller Freude über die Pläne für das Nahversorgungszentrum, zweigleisig fahren. Bourceau: „Darin sehen wir nichts Verwerfliches.”
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