Höfen - Vom Ascheplatz zum Barbecue ins Weiße Haus

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Vom Ascheplatz zum Barbecue ins Weiße Haus

Von: Robert Flader
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Ein Weltmeister in Höfen: Jürgen Fassbender zählte in den 1970er Jahren zu Deutschlands besten Tennisspielern. Heute betreibt er mit seiner Frau einen Sportpark in Eggenstein-Leopoldshafen. Foto: Robert Flader

Höfen. Als Boris Becker ihn im Tennis-Camp in Florida Anfang der 1980er Jahre fragte, ob er nach dem Training noch ein paar Extra-Einheiten bekommen könne, da schüttelte Jürgen Fassbender den Kopf: „Ich habe ihm gesagt, er soll mit den anderen zum Strand gehen und seine Freizeit genießen. Doch der Boris wollte lieber noch trainieren. Und genau das hat ihn später auch nach vorne gebracht.”

Jürgen Faßbender weiß, wovon er redet. Natürlich weiß er das. Er, der in den 1970er Jahren zu den besten deutschen Tennis-Profis auf der ATP-Tour gehörte, 1973 und zwei Jahre später zweimal im Halbfinale eines Grand Slam-Turniers stand (French Open und Wimbledon, jeweils mit seinem Doppel-Partner Hans-Jürgen Pohmann), hat eine lange Geschichte zu erzählen.

Doch dafür ist Faßbender nicht Montagvormittag auf Einladung von Manfred Jansen (Sparkasse) zum TC Höfen gekommen. Er will rund 20 Schülerinnen der Monschauer St. Ursula-Realschule professionelles Returnieren und Aufschlagen beibringen. Und denen, die es können, weil sie in Vereinen aktiv sind, „kann ich ja hier und da noch ein paar Tipps geben”, sagt Jürgen Faßbender, der als einziger deutscher Tennisprofi jemals den Wimbledon Fairness-Preis erhielt. Das war 1974, im gleichen Jahr sicherte sich der heute 62-Jährige in München den einzigen Einzel-Titel seiner Karriere. Später trainierte er neben Boris Becker auch Steffi Graf.

Es ist kalt auf der Anlage des TC Höfen. Ungewöhnlich kalt, denn eigentlich scheint die Sonne genau auf den Platz. Die Mädchen drehen zum Aufwärmen erste Runden um den Platz. „Denkt dran”, ruft Faßbender, „die Hacken hoch.” Die Mädchen gehorchen. Auf einen Weltmeister, der 1973 mit Deutschland den Vorläufer zum Davis-Cup gewann, will - natürlich - jeder hören.

Jürgen Faßbender erzählt am Rande des Aschenplatzes davon, wie Boris Becker, mit dem er in den 80ern auch im Doppel aktiv war, zu seinem Spitznamen kam: „Bobbele war ein richtiges Pummelchen, als er zwölf Jahre alt war.” Fünf Jahre später gewann Becker zum ersten Mal auf dem Heiligen Rasen von Wimbledon. Die Geburtsstunde des deutschen Tennisbooms, Jürgen Fassbender hat seinen Teil dazu beigetragen.

Keine Angst um Tennis-Zukunft

„Heute”, sagt er während er die Mädchen mit Aufschlägen versorgt, „sieht das anders aus. Ein Philipp Kohlschreiber hat Talent, setzt es aber nicht konstant und bis in die Weltspitze um.”

Auch dem großen Verletzungspech eines Tommy Haas trauert Faßbender hinterher. „Der war ja schon Nummer Zwei der Welt.” Dennoch brauche Tennis-Deutschland bei neun Spielern in den Top 100 „wirklich nicht Angst um die Zukunft zu haben. Das haben noch nicht einmal die USA.”

Stichwort Amerika: Im vergangenen Jahr wurde dem gebürtigen Kölner Jürgen Faßbender eine besondere Ehre zuteil: Im Weißen Haus gab US-Präsident Barack Obama eine Barbecue-Party, zu der Faßbender, der noch immer deutscher Senioren-Nationalspieler ist, am Rande eines Länderspiels eingeladen wurde.
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