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Viele Frauen haben es schwer, sich als Selbständige zu behaupten

Von: Jutta Geese
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Standortbestimmung: In der von Bernd Mathieu (3.v.l./Chefredakteur dieser Zeitung) moderierten Runde diskutierten Bernd Larsen (v.l.), Mele Brink, Dr. Nina Mika-Helfmeier, Ursula Theißen und Indra Hammes die Situation von Frauen in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die Kultur- und Kreativwirtschaft zählt zu den Wachstumsbranchen in NRW und wird entsprechend seit einigen Jahren verstärkt von der Landesregierung in den Blick genommen. Etwa 50.000 Unternehmen und Selbstständige erwirtschafteten im Jahr 2007 einen Umsatz von über 37 Milliarden Euro, vier Milliarden mehr als im Jahr 2004.

Allerdings: „Es gibt auf diesem Markt sehr, sehr viele Klein- und Kleinstgründungen. Fast 90 Prozent der Selbstständigen sind Alleinkämpfer”, stellte Monika Cziesla von der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung am Montag fest.

Und darunter sind viele Frauen. Ihre Situation stand im Mittelpunkt einer Fachtagung im Kreishaus, die von Bernd Mathieu, Chefredakteur dieser Webseite, moderiert wurde.

Was brauchen Frauen, die sich in der Kultur- und Kreativwirtschaft selbstständig machen wollen? „Noch wichtiger als Geld ist Beratung”, sagte Katharina Schwalm-Schäfer vom Landeswirtschaftsministerium. „Und das ist noch eine Baustelle, auf der wir tätig werden müssen”, räumte sie ein.

Zwar gebe es landesweit mittlerweile über 70 sogenannte Starterzentren für Existenzgründer, „aber die sind in keiner Weise auf die Bedürfnisse der Kreativwirtschaft ausgerichtet”. Dies seien lediglich die vier kulturellen Gründerzentren in Aachen, Monschau, Düsseldorf und Bochum, zwei weitere würden demnächst in Köln und Dortmund ihre Arbeit aufnehmen.

Stärker noch als bisher setze das Land in seiner Förderpolitik darauf, regionale Netzwerke in der Kreativwirtschaft zu stärken. Bei der Vermarktung kulturwirtschaftlicher Produkte und Dienstleistungen sehe sie große Potenziale bei den Kommunen und Tourismusverbänden.

Doch da wächst erst allmählich das Bewusstsein, dass die Kreativwirtschaft ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist, hat Ursula Theißen vom Frauenkulturbüro NRW festgestellt. „Da liegen noch viele Potenziale brach.”

Und es sei schwierig, Zuständige aus Politik, Verwaltung oder Kulturinstitutionen an einen Tisch zu bekommen, um mit ihnen Strategien zu entwickeln. Auch die Kooperation mit anderen Wirtschaftszweigen sei nach wie vor schwierig.

Was also tun? Dr. Nina Mika-Helfmeier, Kulturbeauftragte des Kreises Aachen und Organisatorin der Fachtagung, und Kreisdirektor Helmut Etschenberg erklärten, das Monschauer Kunst- und Kulturzentrum KuK werde versuchen, mit den Verantwortlichen aus den verschiedenen Bereichen ins Gespräch zu kommen.

Auch das Beratungsangebot werde weiter ausgebaut. Das dies wichtig ist, bestätigten die selbstständigen Künstlerinnen Mele Brink (Cartoonistin) und Indra Hammes (klassische Sängerin).

Wobei eine Beratung auch zu dem Ergebnis führen könne, dass es besser sei, zunächst nicht hauptberuflich künstlerisch tätig zu werden, sondern seinen Lebensunterhalt mit einem anderen Job zu sichern, betonte Bernd Larsen von der Gründerwerkstatt Haus Neuenthal.

Wie wichtig den Kreativen der Austausch ist, zeigte sich immer wieder während der lebhaften Diskussion - und daran, dass 60 der rund 150 Teilnehmerinnen an der Tagung ihr Interesse an einem „Stammtisch” zum Erfahrungsaustausch bekundeten.
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