Höfen/Monschau - Verkauf von Waldflächen: Ex-Ortsvorsteher bezieht Stellung

Verkauf von Waldflächen: Ex-Ortsvorsteher bezieht Stellung

Von: P. St.
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Strikt gegen den Verkauf von städtischen Waldflächen spricht sich der langjährige Höfener Ortsvorsteher Heinz Kerkmann aus. Die Interessen des Nationalparks Eifel sind für ihn zwar nachvollziehbar, aber jede Entwicklung müsse im Dialog mit den Bürgern Foto: P. Stollenwerk

Höfen/Monschau. „Hüten wir uns vor den ersten Verkäufen von Stadtwald” sagt Heinz Kerkmann, der fast 20 Jahre lang (1989 - 2008) Ortsvorsteher in Höfen war, und dessen Meinung im Ort immer noch hohes Gewicht besitzt.

Die derzeit ebenso heftig wie emotional geführte Diskussion um den geplanten Verkauf (bzw. Tausch) von Waldflächen der Stadt Monschau lässt nun auch den 69-jährigen Ex-Ortsvorsteher nicht länger schweigen, zumal er „von zahlreichen Bürgern” auf das Thema angesprochen werde.

Die zum Verkauf (Tausch) mit dem Landesbetrieb Holz und Wald NRW anstehenden Flächen umfassen 300 Hektar Wirtschaftswald im Bereich Rothe-Kreuz und Antoniusbrücke, darunter etwa 90 Prozent Fichten. Es handelt sich ein Viertel des gesamten, finanziell ertragreichen etwa 60 Jahre alten Wirtschaftswald der Stadt Monschau.

„Ich bin grundsätzlich gegen den Verkauf von rentierlichem Vermögen wie Wirtschaftswald, wodurch Einnahmen für den Haushalt der Stadt erzielt werden können,” stellt Heinz Kerkmann im Gespräch mit der Lokalredaktion klar. Trotz aller gegenteiliger Beteuerungen sei der Verlust der Eigenständigkeit im Wald, bei der Lenkung des Fremdenverkehrs oder Sportveranstaltungen zu befürchten. Die Zuteilung von Brennholz für die Bürger werde kaum noch stattfinden; zudem sei der Verlust von Arbeitsplätzen (Waldarbeiter und Forstbetriebsbeamte) wie auch der Verlust der Jagdpacht zu erwarten, argumentiert Kerkmann weiter.

„Nach wie vor ist der überwiegende Teil der Bevölkerung gegen den Waldverkauf,” ist Kerkmann überzeugt, der auf 676 Unterschriften der Höfener Bevölkerung verweist, die Anfang der 90er Jahre gesammelt wurden, als der Waldverkauf schon einmal zur Rettung des Hauhaltes diskutiert, aber dann verworfen wurde. Diese Meinung herrsche auch heute noch vor.

Schließlich dürfe man auch nicht das große Engagement der Bevölkerung in der Nachkriegszeit vergessen. Mit der Aufforstung von bis zu 80 Prozent zerstörten Waldes würde dieser Einsatz „schmerzhaft zerstört wenn der Wald leichtfertig verkauft wird.”

Letztendlich sei eine kurzfristige finanzielle Einnahme aus Waldverkauf nur „ein Tropfen auf den heißen Stein und wird in wenigen Jahren verpufft sein.”

Die angedachte Tauschfläche im Bezirk „Breiterscheid” ist aus der Sicht von Heinz Kerkmann für die Stadt ein schlechtes Geschäft. Er bezieht sich dabei auf ein Gutachten, dass die Stadt selbst für diesen Bezirk erstellte, als das Staatliche Forstamt schon einmal Interesse an einem Flächentausch zeigte. In dieser Bewertung werden die Flächen als „forstwirtschaftlich und jagdlich uninteressant” bezeichnet. „Von daher kann man dem Tauschgeschäft des Staatsforstes nur ablehnend gegenüber stehen”, lautet das Fazit des städtischen Gutachtens.

Auch wird festgehalten, dass sich die Flächenabgabe der Stadt Monschau „zweifelsfrei negativ und wertmindernd auf die städtischen Eigenjagdbezirke Höfen-Süd, Höfen-Ost, Höfen -Nord und Rohren auswirken wird.”

Der Bereich „Breiterscheid” sei zum größten Teil als FFH - Gebiet ausgewiesen und lasse keine wirtschaftliche Forstwirtschaft zu.

„Ich bin nach wie vor für den Nationalpark Eifel”, betont Heinz Kerkmann: „Er bietet unserer Region eine große Chance, aber man kann ihn nur umsetzen mit der Zustimmung der hiesigen Bevölkerung.”

Wäre im Jahr 1992 der Stadtwald verkauft worden, „wären Rat und Verwaltung heute nicht mehr in die Lage eine Einnahme aus Wald zu erzielen”, sagt Heinz Kerkmann. Das Geld wäre längst aufgebraucht und im Stadthaushalt verschwunden. Genauso sei es auch mit den 17,3 Millionen Mark Schuldenentlastungshilfe 1993 vom Land NRW geschehen.

Eine solche Entwicklung befürchtet Kerkmann, der damals in Höfen sie so genannte „Waldfraktion” anführte, auch heute: „Der Erlös aus dem Waldverkauf wird, bedingt durch das immer wieder auftretende jährliche Defizit im Haushalt der Stadt, bald aufgebraucht sein und die ausbleibenden Einnahmen aus Waldwirtschaft und Jagdpacht werden das Defizit noch vergrößern”.

Die Stadt dürfte nicht „zum uneingeschränkten Erfüllungsgehilfen der Städteregion und des Staatlichen Forstamtes werden”, warnt Kerkmann. Viele Alternativvorschläge zur Beschaffung von Mitteln für die Sanierung des städtischen Haushaltes seien aus Höfener Sicht eingebracht worden und sollten geprüft werden, „ehe man an Waldverkauf denkt.”

Der Ex-Ortsvorsteher aus Höfen sieht im Waldverkauf als Beschaffung von finanziellen Mittel zum Bau der Schwimmhalle „nur einen Vorwand.” Es gehe „einzig und allein um die Sanierung des städtischen Haushaltes.”

Heinz Kerkmann abschließend: „Auch in den finanziell schwierigen 90er Jahren überlebte die Stadt ohne Waldverkauf.” Eine dauerhafte finanzielle Unterstützung von Bund und Land für die „stark geschädigten Grenzlandkommunen” sei der einzige Weg, damit diese Kommunen finanziell überleben könnten.
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