BM Freisteller VIDEO

Verhalten der Touristen ist nicht planbar

Von: Isabelle Hennes
Letzte Aktualisierung:
Frühzeitig müssen die Touris
Frühzeitig müssen die Touristen über die geplante Großbaustelle am Rursee informiert werden - dann kann die Wasserspiegelabsenkung, die im Jahr 2018 stattfinden soll, zum Anziehungspunkt für Gäste werden. Foto: Peter Stollenwerk

Simmerath. Die nordrhein-westfälische Landesregierung und ihre wiedergewählte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) haben sich auf die Fahne geschrieben, eine Vorreiterrolle in Sachen Energiewende zu übernehmen. Da passt das vom Stadtwerkeverbund Trianel geplante Wasserspeicherkraftwerk am Rursee gut ins Bild.

Nun haben die regierenden Parteien, SPD und Grüne, fünf Wochen nach der Wahl den Koalitionsvertrag unterzeichnet und sich darin für das rund 700 Millionen Euro schwere Großprojekt ausgesprochen.

Dass sich der Stadtwerkeverbund Trianel noch im Planungsprozess befindet, ist bei der vergangenen Sitzung des Struktur- und Hochbauausschuss der Gemeinde Simmerath deutlich geworden. Momentan geht es um die Raum- und Regionalplanung - erst 2015 oder 2016 ist mit einem Abschluss des Verfahrens und der Entscheidung zu rechnen, ob das Projekt realisierbar ist.

Auf der Tagesordnung der Sitzung stand die Vorstellung des Fachbeitrags „Touristik” zum geplanten Trianel Wasserspeicherkraftwerk Rurtalsperre durch die Compass GmbH aus Köln. Compass-Mitarbeiter Karsten Palme hatte seine Darstellung in vier Punkte unterteilt: Tourismus in der Untersuchungsregion, die Einteilung des betroffenen Gebiets in unterschiedliche Zonen (Zonierung) und die Einflussanalyse der jeweiligen Zonen, mögliche Kompensationsmaßnahmen aufgrund finanzieller Einbußen und die Auswirkungen des Wasserspeicherkraftwerk Rursee (TWR) auf den Tourismus.

Statistisch belegbar

Die Eifel wird von vielen Touristen als Wander- und Erholungsreiseziel angesehen. Im Jahr 2010 kamen rund 415.000 Übernachtungsgäste hierher, um die Natur zu erleben. Hinzu kommen rund drei Millionen Tagesbesucher. Segeln, Angeln, Radfahren - all das ist beliebt bei den Touristen. Zählt man alle Löhne und Gehälter der in der Gemeinde Simmerath lebenden Menschen zusammen, macht der Tourismus einen Betrag von sechs Prozent davon aus. Das hört sich nach wenig an, sei aber statistisch belegbar, versicherte Palme.

Die Orte, die in unmittelbarer Umgebung zum Rursee liegen, werden während der gesamten Bauphase, die ein Jahr dauern soll, Lärmbelästigungen und Erschütterungen wahrnehmen. Hinzu kommen Beeinträchtigungen der Luftqualität, wie beispielsweise durch Staubentwicklung und Abgase der Baufahrzeuge und optische Beeinträchtigungen im Bereich des Oberbeckens, in der Schilsbachbucht sowie in Schwammenauel, die durch die Baustelle entstehen.

Zudem wird der gesamte Bereich der Rurtalsperre durch die Seespiegelabsenkung im Jahr 2018 massiv beeinträchtigt. Eines der wichtigsten Motive eines Rurseebesuchs ist die Kombination aus Wald und See. Durch die Seespiegelabsenkung wird sich die Wasserfläche des Sees deutlich verringern, was die Attraktivität der Landschaft erheblich beeinträchtigen wird.

Was Palme nicht planen kann, ist das Verhalten der Touristen. Das liege aber vor allem an der Informationspolitik, die vor Ort aber auch im Vorfeld schon - betrieben werden müsse. „Die Baustelle bietet eine Chance: Wenn du schon mal hier bist, kannst du auch wandern oder Rad fahren”, sagte Palme.

Was er meint: Die Seespiegelabsenkung birgt die Möglichkeit, während der Arbeiten eine Art „Baustellentourismus” zu betreiben. Das sei aber nur dann möglich, wenn es den Gemeinden gelingt, Medieninteresse mit Informationen über die Baustelle zu koppeln. Und das frühzeitig, damit die Touristen wegen der Baustelle kommen und nicht fernbleiben. Christoph Poschen, Ortsvorsteher Einruhr, brachte den Vorschlag ein, ein Besucherzentrum nach dem Vorbild Garmisch-Partenkirchen einzurichten.

Ein entscheidender Punkt im Fachbeitrag ist die Prognose der Veränderungen von Gästezahlen - immer unter der Berücksichtigung, dass entsprechende Kompensationsmaßnahmen durch Trianel umgesetzt werden. Welche Summe das Unternehmen dafür in die Hand nehmen wird, ist noch unklar. Für die Gemeinde Simmerath ergibt sich im Jahr der Wasserspiegelsenkung (2018) ein Rückgang von rund 30 Prozent. Heißt: Erholungs- und Wassersportgäste werden fernbleiben, Touristen, die sich das Schauspiel der Wasserabsenkung nicht entgehen lassen wollen, werden kommen. Die finanziellen Einbußen werden zwischen drei und vier Millionen Euro liegen.

„Die Auswirkungen auf den Tourismus am See sind minimal - bis auf das Jahr der Wasserabsenkung”, sagte Palme. Trotzdem stehe aber außer Frage, dass einige Betriebe mehr, andere weniger unter dem Projekt leiden werden.

Die Reaktionen der Ausschussmitglieder auf den Fachbeitrag waren unterschiedlich. Es wurden vor allem Zweifel darüber geäußert, ob das für die Bauphase vorgesehene eine Jahr ein nicht zu ehrgeiziges Ziel sei. Heiner Jansen, Ortsvorsteher in Rurberg, bezeichnete die Bauphase schon jetzt als „Seuchenjahr.” Siegfried Lauscher, SPD Simmerath, beklagte, dass falsche Daten bezüglich der Fischerei in das Gutachten eingeflossen seien. Außerdem habe er davon gehört, dass eine gemeinsame Steganlage in Planung sei.

Elmar Thyen von Trianel sagte dazu: „Uns ist nicht bekannt, dass eine gemeinsame Steganlage entstehen soll.” Er wies ausdrücklich darauf hin, dass er und seine Mitarbeiter von Trianel offen für Fragen und Anregungen aller vom Projekt Betroffenen sind. „Schreiben Sie uns eine E-Mail oder rufen Sie uns an.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert