Vergiftungen verunsichern Hundehalter

Von: Andreas Gabbert
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Leidet an einer Vergiftung mit Rattengift: der kleine Jack-Russel-Mischling mit dem Namen „Fips“. Wie er an das Gift gelangt ist, ist nicht bislang nicht geklärt.

Simmerath. Vielleicht war es Absicht, vielleicht war es auch einfach nur Gedankenlosigkeit. Feststeht, dass der kleine Jack-Russel-Mischling „Fips“ unter einer Vergiftung mit Rattengift leidet. Das hat Tierarzt Dr. Werner Ramisch aus Paustenbach festgestellt, als die Besitzerin das Tier mit Darmblutungen zu ihm brachte.

Wann und wo der Hund das Gift aufgenommen haben könnte, ist nicht genau zu sagen – vermutlich auf einem Wirtschaftsweg bei Huppenbroich. Inzwischen ist das Tier wieder auf dem Weg der Besserung.

Heilungschancen

Vor etwa zwei Jahren wurde schon einmal bei zwei anderen Hunden aus dem Ort von verschiedenen Tierärzten unabhängig voneinander eine Vergiftung diagnostiziert. Vor etwa einem Jahr starb ein Fohlen aus ungeklärter Ursache. Tierärztin Dr. Pia Rizgalla-Kessel aus Simmerath weiß von Fällen aus dem Frühjahr, als Hunde aus der Gemeinde Simmerath mit Vergiftungserscheinungen in ihre Praxis gebracht wurden. Andere Kunden kamen sicherheitshalber mit ihren Hunden zur Untersuchung, weil in der Nachbarschaft Tiere auf unerklärliche Weise verendet waren.

Bei der Polizei liegt indes nur eine Anzeige vor. Die anderen Tierhalter haben darauf verzichtet.

Wenn der Tierarzt eine Vergiftung diagnostiziert, haben viele Halter bereits einen Verdacht – den Nachbarn oder einen anderen unliebsamen Zeitgenossen. Ramisch antwortet dann: „Sie wissen gar nichts.“ Schließlich gibt es viele Möglichkeiten, wie das Tier das Gift aufgenommen haben könnte. Eine Häufung von Vergiftungen kann der Tierarzt in seiner Praxis derzeit nicht feststellen. Hier und da komme das aber vor, meist im Rahmen der Nagerbekämpfung.

Nachdem Mäuse oder Ratten das Gift gefressen haben, bluten die Tiere aus. Wenn nun eine Katze oder ein Hund einen vergifteten Nager frisst, treten auch bei diesen Tieren die Vergiftungserscheinungen auf. „Die Anzeichen einer Vergiftung können gleich oder auch erst nach einem längeren Zeitraum, nach Wochen oder auch Monaten auftreten“, sagt Ramisch. Anzeichen seien oft blutiger Kot, oder wenn sich der Kot schwarz färbe. Je früher eine Vergiftung festgestellt wird, desto besser sind die Heilungschancen für das Tier.

Die Masse des Rattengiftes werde nicht etwa von den Landwirten eingesetzt, sondern von den Kommunen, erklärt Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer NRW. „Auf den Feldern gibt es keine Ratten. Ratten sind Kulturfolger“, sagt Rüb. Auf den Feldern gebe es eher Probleme mit Feldmäusen, die dann auch bekämpft würden. „Aber nicht um diese Jahreszeit.“ Jetzt ständen die Kühe auf der Weide und es würde gemäht.

Von Seiten der Gemeinde Simmerath sei monatelang kann Gift mehr ausgelegt worden, sagt der Beigeordnete Roger Nießen. Wenn dann würden geschulte Mitarbeiter die Köder im Kanal auslegen, in Ausnahmefällen auch außerhalb. Dann aber in Lebendfallen, in die die Nager hinein können, größere Tiere aber nicht.

Tierärztin Dr. Pia Rizgalla-Kessel weiß auch von Fällen, in denen Hunde- und Katzenbesitzer Giftbestände zu Hause nicht richtig gesichert hatten und die Tiere daran gelangen konnten. In einem anderen Fall hatten Katzenbesitzer selber Gift ausgelegt und darauf geachtet, dass es für die Katze nicht erreichbar war. Nicht bedacht hatten sie, dass die Katze eine tote oder kranke Maus erwischen könnte, was dann auch geschah. „Die meisten Unfälle passieren durch falsche Lagerung und den falschen Umgang mit dem Gift“, sagt Rizgalla-Kessel. Rattengift sei das ganze Jahr über ein Problem, „besonders aber im Winter, wenn die Mäuse zur Plage werden“. Im Sommer gebe es auch häufig Vergiftungen der Haustiere mit Schneckenkorn oder Ameisengift. „Das führt zu schweren Verätzungen im Magen.“

Die Vergiftung eines Hundes durch die Aufnahme einer vergifteten Maus oder Ratte hält Schädlingsbekämpfer Axel Schreier aus Aachen hingegen für wenig wahrscheinlich. Je nach Wirkstoff müsste ein Hund für eine Dosis, an der mindestens 50 Prozent der Versuchstiere im Labor sterben, mindestens zwischen 1,5 bis 5 Gramm (Flocoumafen) und 400 bis 6000 Gramm (Warfarin) pro Kilogramm Körpergewicht eines Köders mit 0.005 Prozent des Wirkstoffes aufnehmen.

Einen Tipp hat die Tierärztin Dr. Rizgalla-Kessel noch auf Lager: „Wenn man weiß, womit das Tier vergiftet wurde, sollte man die Verpackung mit zum Tierarzt nehmen.“ Außerdem verweist sie auf die Giftzentrale im Internet, wo es viele weitere Informationen gibt.

Mehr Informationen:

http://www.gizbonn.de

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