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Vergiftet? Hund stirbt vor Tierarztpraxis

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
Higgins
Der Hund mit dem Namen Higgins ist laut der behandelnden Tierärztin an einer Vergiftung gestorben. Er war in Roetgen an der Hauptstraße zu Hause. Foto: privat

Roetgen. Die Sorge bei vielen Hundebesitzern ist groß, weil in den sozialen Netzwerken vor Giftködern gewarnt wird, die in den vergangenen Wochen angeblich an mehreren Stellen in Roetgen und zuletzt auch in Konzen gefunden worden sein sollen.

Ein Geschäft für Tiernahrung in Roetgen hatte ebenfalls vor ausgelegten Ködern gewarnt, diese Warnung aber wieder zurückgenommen. Mindestens zwei Hunde wurden in diesem Zusammenhang tierärztlich behandelt. Ein Hund ist tot.

Der Hund mit dem Namen Higgins war in Roetgen an der Hauptstraße zu Hause. Im Mai wäre er acht Jahre alt geworden. Er gehörte zur Rasse Grande Basset Griffon Vendeen. Die letzten zwei Wochen vor seinem Tod sei der Hund draußen nur im Garten gewesen, sagt seine Halterin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Am Freitag, 26. Februar, habe sich Higgins seltsam verhalten, am nächsten Morgen habe er dann angefangen zu schwanken und sei einfach umgefallen. „Ein Hund fällt aber nicht einfach so um. Dann stimmt was nicht“, sagt seine Besitzerin, die seit über 30 Jahren Hunde hält. Deshalb habe sie gleich an eine Vergiftung gedacht.

Bei Verdacht gleich zum Arzt

Daraufhin sei sie umgehend mit ihm zum Tierarzt gefahren. „Da konnte er schon nicht mehr allein ins Auto ein- und aussteigen. Aber laufen konnte er noch. Auf dem Weg zum Tierarzt hat er sich dann übergeben.“ Bei Tierärztin Ellen Westerkamp in Venwegen wurde ihm Blut abgenommen, er erhielt Infusionen und Spritzen. Wieder zu Hause durfte Higgins nochmal in den Garten zum Wasserlassen. Anschließend sei er noch selbstständig die Treppe hochgelaufen, sagt die Hundehalterin. Gegen 15 Uhr habe er dann nicht mehr aufstehen können. Also kontaktierte die Halterin erneut die Tierärztin und brachte Higgins wieder zu ihr. Higgins ist vor der Praxis im Auto gestorben. Die Tierärztin konnte ihm nicht mehr helfen.

Anzeige hat die Halterin erst am Dienstag erstattet, zunächst wollte sie noch die Blutuntersuchung abwarten. Nach der Blutuntersuchung könne man davon ausgehen, dass Higgins an einer Vergiftung gestorben ist, sagt Westerkamp. „Es hätte auch ein Leber- oder Nierenversagen sein können. Aufgrund der Blutuntersuchung ist das aber auszuschließen“, erklärt die Tierärztin. Der Hund sei organisch gesund gewesen, daher gehe sie davon aus, dass er durch ein schnell wirkendes Gift getötet wurde.

Um welches Gift es sich genau handele, sei aber nur schwer feststellbar. Dafür müssten unzählige verschiedene Giftstoffe untersucht werden, was dann zu einer sehr teuren Angelegenheit für den jeweiligen Halter werden könne. „Wenn es Anhaltspunkte gibt, ist es einfacher“, sagt Westerkamp. Bei Anhaltspunkten, dass der Hund Gift zu sich genommen haben könnte, solle man das Tier sofort zu einem Tierarzt bringen, wo es dann umgehend ein Brechmittel verabreicht bekomme, rät die Tierärztin.

Higgins Halterin erstattete dann am folgenden Dienstag Anzeige bei der Polizei und meldete den Vorfall dem Ordnungsamt der Gemeinde Roetgen und dem Veterinäramt der Städteregion Aachen. Hoffnung, dass die Sache aufgeklärt wird, hat sie nicht. „Ich gehe davon aus, dass die Anzeige im Sand verlaufen wird. Aber ohne eine Anzeige passiert ja gar nichts“, sagt sie.

Das Ordnungsamt der Gemeinde habe noch einen weiteren Hinweis auf Giftköder von einer Person erhalten, die aber nicht betroffen sei. Außerdem seien Mitarbeiter des Bauhofes mehrfach von Bürgern auf das Thema hingewiesen worden, sagt der Leiter des Ordnungsamtes, Dirk Recker.

Er rät dazu, verdächtige Funde beim Ordnungsamt abzugeben. „Zurzeit gibt es nur vage Angaben. Es wäre aber interessant zu wissen, wo und in welcher Häufigkeit möglicherweise Köder ausgelegt wurden“, sagt Recker. Je mehr Informationen man erhalte, um so besser könnten Maßnahmen getroffen werden. Beim Ordnungsamt der Stadt Monschau sind bislang keine Meldungen eingegangen.

Nach Angaben der Polizei liegt nur die Anzeige von Higgins Halterin vor. Ermittlungen seien eingeleitet worden. Leider gebe es keine Beweise beziehungsweise Köder, so dass es schwierig sei, einen Verursacher zu ermitteln. Die Beamten des Bezirksdienstes seien informiert und hätten den betroffenen Bereich weiter im Fokus.

Grundsätzlich gelte es, zunächst dem betroffenen Tier zu helfen und anschließend den Köder zu sichern, sagt Polizeisprecherin Sandra Schmitz. Dann solle man den Vorfall dem Ordnungsamt melden und bei der Polizei Anzeige erstatten und den Köder dort abgeben. Ob dieser dann untersucht werde, müsse im Einzelfall geprüft werden, sagt Schmitz.

Eine Meldung beim Veterinäramt der Städteregion sei nicht sinnvoll, erklärt der Pressesprecher der Städteregion, Detlef Funken. Das Thema sei eine Sache für die Ordnungsbehörden, im Zweifelsfall solle man sich an das Ordnungsamt und die Polizei wenden, schließlich könne auch eine Gefahr für Kinder bestehen.

Die Kreisjägerschaft Aachen hat eine Pressemitteilung mit der Überschrift „Wieder Giftköder in der Region – Angst um Hunde und Katzen“ veröffentlicht. Leidtragende seien nicht nur Hunde, auch Katzen seien „durch die oft nicht unweit von Bebauungen ausgelegten Giftköder“ in Gefahr. Schlimmer noch treffe es aber die fleisch- und allesfressenden Wildtiere. Im Unterschied zu Haustieren könnten sie nicht sofort tierärztlich versorgt werden. Die Kreisjägerschaft verurteilt das Auslegen von Giftködern aufs Schärfste. „Die Jägerschaft ist wachsam durch Feld, Wald und Flur unterwegs, um Giftköderfunde dem Ordnungsamt sowie der Polizei zu melden und um Schaden an Mensch und Tier zu verhindern sowie vorzubeugen“, heißt es in der Pressemitteilung.

Anti-Giftköder-Lehrgänge

Wer scheinbar krankes Wild beobachtet, wird gebeten, den zuständigen Jagdpächter zu informieren. Falls dieser nicht bekannt ist, solle man bei der Polizei nachfragen. Die Kreisjägerschaft weist außerdem daraufhin, dass einige Hundeschulen auch sogenannte Anti-Giftköder-Lehrgänge anbieten. Diese Angebote seien ein geeignetes Mittel, um sich und seinen Hund zu trainieren und um im Ernstfall Schaden abzuwenden.

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