Monschau - Vereinsamung, Eifersucht und Verzweiflung als Motiv

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Vereinsamung, Eifersucht und Verzweiflung als Motiv

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:

Monschau. Ein Urteil gab es nicht im Prozess gegen Marc Topp, den stellvertretenden Bürgermeister der Gemeinde Simmerath. Allerdings legte Topp am Donnerstag vor dem Amtsgericht Monschau ein Geständnis ab.

Der 35-Jährige hat sich anscheinend zu Beginn des Jahres mehrfach massiv der gezielten Herabwürdigung schuldig gemacht. Die Geschädigten sind sein Bekannter S. und dessen Partnerin E. Vor allem E. habe unter dem Psychoterror derart gelitten, dass sie nach wie vor in Behandlung sei. Das erklärte ihre Anwältin in Abwesenheit der Nebenklägerin.

Topp gestand, vor allem E. massiv mit Kurzmitteilungen auf dem Mobiltelefon und mit Briefen, die er an die Windschutzscheibe ihres Autos geklemmt habe, herabgewürdigt zu haben. Zudem habe er in Simmerath Zettel aufgehängt, mit deren Aufschrift E. öffentlich diffamiert wurde. Topp kämpfte während der Verlesung der langen Anklageschrift sichtbar mit der Fassung, die Geschädigten waren nicht vor Ort. „Ich habe Probleme damit, das deckungsgleich zu kriegen, wenn ich Sie sehe und wenn ich höre, was passiert ist“, spielte Richter Robert Plastrotman an auf den Gegensatz zwischen der Schwere der Taten und dem reumütigen und bewegten Eindruck, den Topp im Gerichtssaal hinterließ.

Topp, SPD-Mann und Ortsvorsteher in Rollesbroich, zudem Gesamtpersonalratsvorsitzender bei der Stadt Aachen, erklärte anschließend aus seiner Sicht, wie es so weit gekommen war, dass er so massiv Psychoterror betreiben konnte. Der 35-Jährige sprach von seiner Karriere im Beruf, der Politik und in den Gewerkschaften und dem schleichenden Prozess, dass er währenddessen seine sozialen Kontakte verloren habe. S. sei ihm vor einigen Jahren zu einem guten Freund geworden. „Wir konnten uns wirklich alles sagen.“ Sexueller Natur sei das Verhältnis nie gewesen. Allerdings sei S. für den Angeklagten eine Art einziger Bezugspunkt gewesen, an den er sich krampfhaft und krankhaft geklammert habe.

Auch als S. sich wegen der kursierenden Gerüchte um eine intime Beziehung zwischen den Beiden von dem Angeklagten distanziert habe. Erst recht, als E. ins Spiel gekommen sei „und ich plötzlich nicht mehr die erste Geige gespielt habe“, so Topp. Vereinsamung, Verzweiflung und Eifersucht sind offenbar die Triebfedern für den 35-Jährigen gewesen, der damals zudem an einer Depression litt. „Ich kann mir das heute nicht mehr erklären“, sagte Topp mit zittriger Stimme. Erst nachdem er Ende Februar auf frischer Tat ertappt wurde – bis dato war nicht klar, wer die Quelle der Herabwürdigungen war – sei eine Veränderung eingetreten. Ein darauf folgender Klinikaufenthalt habe ihm die Augen geöffnet. „Da ist mir erst klar geworden, was ich da für eine große Scheiße gemacht habe. Das alles war abartig, ich schäme mich heute zutiefst dafür.“

Das Geständnis liegt vor, allerdings konnten sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung nicht auf das Strafmaß einigen. Aus Sicht der Staatsanwältin ist eine Strafe von 90 Tagessätzen zu niedrig. Ein Strafmaß jenseits von 90 Tagessätzen beinhaltet automatisch eine Vorstrafe. Plastrotman ordnete daraufhin ein Gutachten an, das klären soll, ob Topp wegen seiner Depression im Tatzeitraum vermindert schuldfähig war. Angesichts der Reue und der persönlichen Probleme, die Topp schilderte, erklärte Plastrotman, dass das Gericht „die verminderte Schuldfähigkeit und 90 Tagessätze für möglich“ halten könnte.

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