Vennbahnradweg belebt Tourismus in Kalterherberg

Von: Lea Mertens
Letzte Aktualisierung:
5912757.jpg
Bei Radfahrern äußerst beliebt: Der Vennbahnradweg bei Kalterherberg. Foto: Lea Mertens

Kalterherberg. Oftmals wurde Kalterherberg in der Vergangenheit als Beispiel für ein Dorf mit Zukunftssorgen herangezogen, um die Problematik des demografischen Wandels deutlich zu machen. In der Tat: Die Einwohnerzahlen sind rückläufig, die Leerstände häufen sich, und Immobilienmakler finden ein reichhaltiges Betätigungsfeld vor. Ist aber die Prognose für die Zukunft wirklich so negativ?

Die Bewohner sehen das Thema gelassener, wissen die doch um die Qualitäten ihres Heimatdorfes. Vor Ort sieht man vor allem die Chancen, die der Tourismus für Kalterherberg in Zukunft bereit hält. Dessen Potential erkannten auch die Initiatoren des Dorfentwicklungsplans, der der touristischen Weiterentwicklung einen hohen Stellenwert einräumt.

„Sehr förderlich“

„Mit dem kürzlich offiziell eröffneten Vennradweg, der Kalterherberg an der Stelle des ehemaligen Bahnhofs tangiert, ist ein Schritt in Richtung dieser Weiterentwicklung erfolgt“, erläutert Ortsvorsteher Norbert Rader.

Und wenn man an einem Wochenende bei strahlendem Sonnenschein einmal die Grenze zum belgischen Dorf Küchelscheid aufsucht, sieht man, dass hier viel Leben herrscht.

Auf dem Vennbahnradweg wimmelt es nur so von Radfahrern im Sportdress oder aber Familien und Paaren, die entspannt radelnd einfach nur das schöne Wetter oder die Natur genießen.

Martin Christen aus Kelmis, der am Wochenende mit seiner Frau auf dem Vennbahnradweg die deutsche Eifel erkundete, zeigt sich begeistert von diesem grenzüberschreitenden Projekt. Zwar seien sie nicht hoch nach Kalterherberg gefahren, jedoch sei der Radweg sicherlich „sehr förderlich“ für das Dorf und beim nächsten Mal sei ein Besuch des Ortes selbst nicht auszuschließen.

„Der Tourismus boomt“, erklärt auch die Besitzerin der anliegenden Kneipe „Taverne A‘ Lutze“, Martha Henn. So vielseitig wie die Nutzung des Radwegs, sei auch der Tourismus, denn Gäste aus der gesamten Eifel und den Nachbarländern ziehe es auf den Ravel-Weg und in ihr Lokal.

Küchelscheid habe sich prächtig entwickelt: „Erst wurde Küchelscheid durch den anliegenden Campingplatz belebt, dann kam die Gastronomie und schließlich der Vennbahnradweg. Diese positive Entwicklung des Tourismus hier hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf die Tourismussituation in Kalterherberg.“

Dies bestätigt auch der neue Besitzer der Dorfkneipe in Kalterherberg „Zum Eisernen Pferd“, Frans Perlot, der zwar erst seit zwei Monaten in Kalterherberg ist, sich jedoch schon ein recht gutes Bild über seine neue Heimat gemacht hat. Neben dem leer stehenden Gastlokal gegenüber dem Eifeldom seien die schöne Umgebung und die freundlichen Leute ausschlaggebend für seinen Umzug nach Kalterherberg gewesen, schildert der holländische Kneipenbesitzer. Er selbst sieht die Zukunft für Kalterherberg nicht so negativ. „Viele Leute bemühen sich darum, das Aussterben des Dorfes zu verhindern und dieses zu bewahren. Es macht Spaß, ein Teil dessen zu sein“, so Perlot. Auch dem Vennbahnradweg kann er nur Positives abgewinnen. So locke er immer mehr Touristen auch ins Dorf herein, was allen Unternehmen zugute komme und auch dem Dorf mehr Leben einhauche.

Gleichzeitig weiß er auch von seinen Gästen zu berichten, dass viele, die zeitweise in Köln oder Aachen studiert hätten, nun wieder beabsichtigten nach Kalterherberg zurückzukehren. Das stelle in seinen Augen eine Perspektive für das Dorf dar.

Auch die Leiterin des Hotel Hirsch, Joseline Eichstädt, bestätigt das durchweg positive Meinungsbild über den Vennradweg. Sie hat erfahren, dass mancher Radfahrer spontan über Nacht bleibe, jedoch brauche es noch etwas Zeit, ehe sich die hohe Frequentierung des Radwegs dann auch konkret und messbar auf Kalterherberg auswirken werde. Daher sei eine Prognose über die Entwicklung des Tourismus in Kalterherberg auch schwierig. „Heute bucht man eben oft eher für 500 Euro einen Urlaub in die Türkei und kommt nicht mehr für zwei Wochen in die Eifel.“ Trotzdem sei der Vennradweg ein wichtiger Baustein für die Belebung des Tourismus in Kalterherberg, erläutert sie. Sie wünscht sich zum Beispiel mehr Informationstafeln am Radweg, um Gäste in die Orte zu locken.

Ortsvorsteher Norbert Rader sieht das ähnlich. Geplant sei, dass Sehenswürdigkeiten, Geschäfte und Gastronomie auf einer Informationstafel dargestellt würden. Außerdem sollen neue Wegbeschreibungstafeln am Wanderparkplatz in Kalterherberg angebracht werden und ein Abholservice der Radfahrer vom Vennbahnradweg ins Dorf organisiert werden. Schließlich sei auch eine eigene Internetseite für Kalterherberg in Arbeit, auf der sich kostenlos Ferienwohnungen, Mietwohnungen und Geschäfte präsentieren könnten.

Rader sieht bereits jetzt klare Vorteile, die der Radweg für Kalterherberg bringt.

Im übrigen legt er Wert auf die Feststellung, dass das Dorf eigentlich gar nicht so schlecht dastehe, denn es habe statistisch gesehen die meisten Übernachtungen von Touristen in den Monschauer Ortsteilen vorzuweisen. „Man vergisst häufig die zahlreichen Ferienwohnungen, die viel belegt sind oder auch das Angebot Ferien auf dem Bauernhof, das ebenfalls in Kalterherberg zu finden ist“, so der Ortsvorsteher.

Nicht wegzudiskutieren sei, dass die Einwohnerzahlen zurückgegangen seien, dennoch seien zurzeit 2130 Einwohner mit Erstwohnsitz in Kalterherberg und 150 mit Zweitwohnsitz gemeldet.

„Die größte Herausforderung ist eindeutig die Renovierung und Vermarktung der älteren, leer stehenden Häuser hier, aber deshalb lässt sich noch nicht von einem aussterbenden Dorf sprechen – schließlich kommen immer wieder neue Leute, die aus der Stadt hier herziehen und auch viele junge Leute finden nach dem Studium wieder den Weg zurück nach hier“, sieht Norbert Rader Kalterherberg für die Zukunft nicht so schlecht aufgestellt.

Leserkommentare

Leserkommentare (32)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert