Vennbahnradweg: Bei Unfällen kommen meist die Deutschen

Von: Andreas Gabbert
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Auf dem Vennbahnradweg befinden sich Radfahrer, Fußgänger und Inlineskater im belgischen Königreich, während links und rechts des Weges das Recht der Bundesrepublik Deutschland gilt: In der Theorie sind die belgischen Rettungskräfte für diesen Bereich verantwortlich. Foto: H. Schepp

Nordeifel. Ein schmaler Streifen belgischen Hoheitsgebietes schlängelt sich von Aachen aus durch die Eifel in Richtung Belgien und Luxemburg. Auf dem Vennbahnradweg befinden sich Radfahrer, Fußgänger und Inlineskater im belgischen Königreich, während links und rechts des Weges das Recht der Bundesrepublik Deutschland gilt.

Das ist schon seit fast 100 Jahren so, nach dem Ersten Weltkrieg wurde diese Grenzregelung im Versailler Vertrag festgeschrieben – und sie gilt bis heute. Als noch Züge auf der Strecke verkehrten, waren Unfälle selten ein Thema. Im Gedächtnis geblieben ist lediglich der schwere Busunfall am Bahnübergang zwischen Mützenich und Imgenbroich, wo im Oktober 1971 ein Schulbus mit einem Güterzug zusammen stieß und drei Kinder dabei starben. Heute erinnert noch ein Gedenkkreuz an das tragische Geschehen.

In der Theorie

Seitdem der Zugverkehr eingestellt ist, die Trasse asphaltiert und zu einem Premium-Radweg gemacht wurde, häufen sich nun die Unfälle. Aber wer ist im Notfall zuständig? Müssen Verletzte auf den belgischen Rettungsdienst warten, obwohl sich die Rettungswache und das Simmerather Krankenhaus unter Umständen gleich in der Nähe befinden? Was passiert, wenn mit dem Handy die 112 gewählt wird? Müssen dann erst die Kompetenzen geklärt werden?

„Wenn auf der Vennbahn etwas passiert, ist das rechtlich gesehen das Gleiche als würde der Unfall mitten in Brüssel passieren. In der Theorie sind also die belgische Polizei und der belgische Rettungsdienst für solche Fälle zuständig“, sagt Manfred Strang, der bei der Städteregion Aachen als Projektleiter für den Ausbau des Vennbahnradweges verantwortlich ist.

In der Praxis

In der Praxis sieht es aber etwas anders aus. Wer bei einem Notfall auf dem Vennbahnradweg die Notrufnummer 112 wählt, landet meist bei den deutschen Behörden. Das hängt davon ab, in welchem Mobilfunknetz man sich gerade befindet. „Die Wahrscheinlichkeit, dass man zuerst bei den Deutschen landet, ist sehr sehr hoch. Der deutsche Rettungsdienst fährt dann raus, um Erste Hilfe zu leisten, weil die deutschen Rettungskräfte als erstes alarmiert wurden und auch als Erste vor Ort sein können“, erklärt Strang. Alarmiert würden aber auch immer die belgischen Behörden, „die dann Bescheid wissen“. Diese Regelung bestehe schon seit dem Versailler Vertrag. „Wir haben heute rein rechtlich keine neue Situation“, sagt Strang.

Nicht immer wird der Hilfesuchende aber gleich mit dem deutschen Rettungsdienst verbunden. In diesem Fall greift dann ein Abkommen. „In der belgischen Leitstelle muss immer ein deutschsprachiger Kollege sitzen. Der entscheidet dann, was zu tun ist und gibt den Einsatz meist wieder an die deutschen Kollegen zurück. „Das ist zwischen den Leitstellen, der Polizei und der Ambulanz eingespielt“, sagt Leo Kreins, Kabinettchef der Ministerin für Kultur, Medien und Tourismus der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Um eine schnelle Rettung zu ermöglichen, hat die Städteregion auf dem Teil des Vennbahnradweges, der durch Deutschland führt, Schilder aufgestellt, die den Rettungskräften eine schnelle Orientierung ermöglichen sollen. Auf den so genannten Rettungspunkten finden sich Kilometerangaben, die Notrufnummer und eine Nummer, die aus vier Blöcken besteht. Der erste Block bezeichnet das Land, in dem man sich gerade befindet. Der zweite Block bezeichnet das Bundesland bzw. die Provinz, der dritte den Kreis und der vierte schließlich den eigentlichen Rettungspunkt. Mit diesen Angaben können die Rettungskräfte deutlich schneller zum Unfallort gelangen. Die Entfernung zwischen den Schildern beträgt nie mehr als 250 Meter.

In der Eifel stehen die Schilder schon, im Frühjahr sollen sie auch auf dem Gebiet der Stadt Aachen aufgestellt werden. Nur auf belgischer Seite tut sich in dieser Hinsicht nicht viel. Auf dem Gebiet der Gemeinde Raeren sucht man nach ihnen vergeblich, hinter Kalterherberg in Richtung Sourbroudt ebenso. Schon im August hatte Strang gesagt, man befände sich in Gesprächen. Daran hat sich nichts geändert.

Viele solcher Wege

Leo Kreins erklärt dazu, die Deutschsprachige Gemeinschaft sei nicht verantwortlich für den Straßenbau. Er habe aber dem Straßenbauministerium der Wallonischen Region den Vorschlag gemacht, die Rettungspunkt-Schilder ebenfalls aufzustellen. Bislang habe er allerdings nur eine mündliche Antwort. Der Tenor sei, in Belgien gebe es viele solcher Wege, „Kilometersteine“ gebe es aber nirgendwo.

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