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Unterwegs mit dem Pflegedienst: Der Engel hat einen Haustürschlüssel

Von: Heiner Schepp
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Die Pflege ihrer Patienten stellt auch körperlich eine große Herausforderung für Maria Van der Boom und ihre Kolleginnen dar. Werner Kehrer weiß sich bei der 56-Jährigen in besten Händen. Foto: Heiner Schepp
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Maria Van der Boom und steigt in ihren weißen Flitzer. Foto: Heiner Schepp
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Sie und ihre Kolleginnen helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Foto: Heiner Schepp

Roetgen. „Dann mal los!“ sagt Maria Van der Boom und steigt in ihren weißen Flitzer. Von ihrer Haustür an der Hauptstraße in Roetgen bis zur Neustraße sind es mit dem Dienstauto der Simmerather Caritaspflegestation keine fünf Minuten bis zur ersten Patientin an diesem Tag. Maria Van der Boom steckt im Windfang des Häuschens an der Neustraße ein Licht ein und kramt ihren mächtigen Schlüsselbund hervor, alles so, als wäre sie hier zuhause.

„Ich habe für alle meine Patienten einen Haustürschlüssel. Es könnte schließlich immer mal sein, dass sie mir nicht aufmachen können“, erzählt die gelernte Krankenpflegerin und tritt ein in die gute Stube, wo sie bereits erwartet wird.

Eine starke Frau

„Guten Morgen!“ wird sie freudig von Therese Beuel begrüßt, und Maria Van der Boom freut sich, die 79-Jährige schon am frühen Morgen so munter zu sehen. „Frau Beuel ist eine starke Frau“, weiß die Pflegerin und erzählt, dass die Seniorin einige Schicksalsschläge hat hinnehmen müssen, zuletzt den Tod ihres Mannes vor nicht einmal drei Monaten. „Aber sie lässt sich nicht gehen, ist eine geistig noch sehr lebendige, humorvolle Dame“, erzählt die Pflegerin, ehe Therese Beuel auch mit dem Chronisten, der den Pflegedienst heute Morgen begleitet, munter zu plaudern beginnt.

Sie erzählt, dass sie „vam Struuch“ (aus Strauch) stammt, es sie durch die Liebe nach Roetgen verschlagen hat und ihr Mann „ein Leben lang Lkws für Balduin“ (eine Roetgener Spedition) gefahren ist.

Warum sie ein Pflegefall ist, sieht man der 79-Jährigen auf den ersten Blick nicht an, weil sie „den Schlaganfall recht gut weggesteckt“ und sich mit viel Kraft und guter Therapie das Sprechen wieder angeeignet hat. Dennoch braucht die Roetgenerin natürlich nach wie vor regelmäßige Pflege, berichtet Maria Van der Boom.

Deshalb kommt die Frau von der Caritas hier morgens für die „große Grundpflege“ und die Medikamentengabe. Das Aufgabenfeld der Pflege ist dabei überall anders und reicht von der Intensivpflege eines oder einer Bettlägrigen über das Verabreichen von Medikamenten via Zugang bis zu jenen Fällen, wo lediglich täglich Spezialstrümpfe anzulegen sind.

Nicht alle sind pflegeleicht

„Dat ess minge Schatz!“, sagt Therese Beuel und legt mütterlich den Arm um die Pflegerin, ehe sich die Beiden ins Bad verabschieden. Ein Segen ist für die Seniorin auch die gute Nachbarschaft, besonders eine Freundin, die alle Besorgungen und Unternehmungen, beispielsweise den Gang zur Messe am Sonntag, mit der 79-Jährigen unternimmt. „Ich habe ja ein Auto, kann aber selbst nicht fahren“, erzählt Therese Beuel, die sich zudem über regelmäßige Besuche ihres Sohnes und ihres Hausarztes Dr. Kaiser freut.

Auf der Liste, die Maria Van der Boom heute morgen abarbeiten muss, stehen natürlich längst nicht nur so – buchstäblich – pflegeleichte Patientinnen und Patienten wie Frau Beuel. „Manchmal brauche ich viel Überzeugungskraft, wenn ich einen Patienten duschen oder Medikamente verabreichen möchte“, berichtet die Pflegerin.

Auch demente oder depressive Patienten erfordern nicht nur die Pflegerin, sondern auch die Psychologin in Maria Van der Boom. „Mit diesen Menschen muss man äußerst sensibel umgehen“, sagte die 56-Jährige, die 14 Jahre lang im Marienhospital als Krankenschwester („Das war auch schön“) gearbeitet hat und nun seit 16 Jahren für die Caritas in der ambulanten Pflege unterwegs ist.

Zuhause gepflegt zu werden statt in ein Pflegeheim zu gehen – das ist für die meisten Patienten das höchste Gut an ihrem Lebensabend. „Wenn ich in ein Heim gehe, ist doch irgendwie alles weg, was ich mir im Leben aufgebaut habe“, sagt Therese Beuel.

Als Pflegebedürftiger weiter in seinem vertrauten Umfeld zu verbleiben, erfordert allerdings in den meisten Fällen etwas mehr als den Pflegevertrag mit der Caritas oder einem anderen der vielen guten ambulanten Pflegedienste in der Eifel. „Die Familie oder das Umfeld müssen schon mitspielen“, sagt Maria Van der Boom nicht zufällig, als wir am Haus von Familie Kehrer ankommen. Auch hier geht Maria Van der Boom seit rund zwei Jahren ein und aus, seit Werner Kehrer einen schweren Schlaganfall erlitt.

Auch er hat sich davon zwar recht gut erholt, ist aber in seiner Mobilität stark eingeschränkt. Und so ergänzen sich die „guten Geister“ der Caritas mit Inge Kehrer, die zwar selbst auch schon 78 ist, sich jedoch noch liebevoll um ihren Gatten kümmert. Während Maria Van der Boom den Senior komplett im Bett wäscht („Zur Badewanne oben oder zur Dusche im Keller schaffen wir es nicht mehr“), anzieht, kämmt und ein duftendes Wässerchen aufträgt, bereitet Inge Kehrer das Frühstück vor.

„Dieses Jahr haben wir groß seinen 80. Geburtstag gefeiert“, erzählt sie und berichtet strahlend vom Weihnachtsfest, wo die gesamte Großfamilie samt acht Urenkeln beim Sohnemann in Lammersdorf zusammenkam.

Maria Van der Boom lässt sich viel Zeit mit dem Patienten. „Wir haben natürlich gewisse Vorgaben, aber es steht ja gottseidank keiner mit der Stoppuhr hinter mir“, sagt sie. „Ich lass‘ mich auch nicht hetzen – das würde sich auf den Patienten übertragen“, weiß die erfahrene Krankenschwester, und genau das bestätigt eine Angehörige bei der nächsten Adresse an diesem Morgen. „Die leisten schon gute Arbeit. Das ist alles sehr professionell und doch persönlich, nicht nur rein-raus-weg“, lobt Maria Mangartz-Johnen (28), die Großnichte von Patientin Cilly Wynands, das Caritas-Team in höchsten Tönen.

Sie arbeitet als Ergotherapeutin selbst auch in der Altenpflege und weiß daher, wovon sie spricht. Auch der sogenannte Betreuungsdienst der Caritas, der regelmäßig ins Haus kommt, um mit der Seniorin zu spielen, lesen oder etwas zu unternehmen, ist in ihren Augen „eine echt gute Sache“.

Zeit auch für sich selbst

Maria Van der Boom liebt ihren gewiss anspruchsvollen Beruf und tut einiges dafür, gesundheitlich fit zu bleiben, nimmt sich Zeit für Massagen und die Pfege des oft beanspruchten Rückens. Das Schöne für sie an ihrer Tätigkeit ist, „dass man zum einen sehr eng und persönlich mit Menschen arbeitet und dass man sehr selbstständig arbeiten kann“, wie die Roetgenerin erzählt.

Es erfordere auch etwas Courage, so ganz alleine die Verantwortung für einen kranken oder alten Menschen zu übernehmen, „aber ich fühle mich nie alleine gelassen, weil ich die Chefin (gemeint ist Pflegedienstleiterin Brigitte Bickendorff) und unser Team jederzeit um Rat fragen kann“, lobt die 56-Jährige.

Maria Van der Boom schaut auf ihre Liste. Das Pensum für heute ist durch, am Nachmittag wird sie in der Caritaspflegestation in Simmerath noch Termine mit pflegenden Angehörigen machen, um diese in ihrer Pflege vor Ort beratend zu unterstützen. Denn die Pflege alter und kranker Menschen ist eine höchst anspruchsvolle Arbeit.

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