Eicherscheid - Unglaubliche Serie nach dem Stotter-Start

Unglaubliche Serie nach dem Stotter-Start

Von: Kurt Kaiser und Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
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Der ausgelassene Jubel der Germaniaspieler nach dem Abpfiff offenbarte, wie viel Spannung von der favorisierten Mannschaft abgefallen war. Von den Spielerfrauen gab‘s einen tollen Foto: Heiner Schepp
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Der ausgelassene Jubel der Germaniaspieler nach dem Abpfiff offenbarte, wie viel Spannung von der favorisierten Mannschaft abgefallen war. Von den Spielerfrauen gab‘s einen tollen Foto: Heiner Schepp

Eicherscheid. Nein, eine Überraschung ist es nicht, dass Germania Eicherscheid letztlich souverän die Meisterschaft in der Kreisliga Aachen und somit den Aufstieg errungen hat. Schließlich hatte man den Sprung in die Bezirksliga eigentlich schon in der vorangegangen Saison avisiert und entsprechend investiert, sprich: die Mannschaft verstärkt.

Sensationell ist aber zweifellos, wie die Blau-Weißen das Meisterstück nach einem ziemlich verpatzten Saisonanfang hinbekommen haben.

Nach der Vizemeisterschaft in der Aachener Kreisliga A nach der Saison 2012/13 hatten die Verantwortlichen bei Germania Eicherscheid in der Sommerpause ihre Hausaufgaben gemacht und die sowieso schon gute Mannschaft noch verstärkt. Vom Landesligisten SV Rott wechselten die Brüder Marco und Lukas Kraß an die Bachstraße. Marco Kraß sollte dem Mittelfeldspiel neue Impulse geben. Lukas Kraß, den man mit einer schweren Bänderverletzung verpflichtet hatte, sollte nach der Auskurierung seiner Verletzung der Defensive mehr Stabilität verleihen. Das sollte auch Emir Mehmedbegovic, der ebenfalls vorher beim SV Rott gespielt hatte. Mittelfeldspieler Jens Breuer wechselte von Hertha Strauch an die Bachstraße. Mit diesen Verstärkungen stand bei fast allen Insidern die Germania beim Meisterschaftstipp ganz oben.

Eine Woche vor Meisterschaftsbeginn war es an der Bachstraße aber vorbei mit Friede, Freude, Eierkuchen. Nach Differenzen mit der Mannschaft erklärte Trainer Frank Thielen seinen Rücktritt. Kapitän Marco Kraß, Obmann Detlef Bougé und Teammanager Ingo Steffen übernahmen vorläufig die Coaching-Aufgaben. Gleich im ersten Spiel erhielt der Favorit im Derby gegen den TuS Mützenich einen Dämpfer. 1:1 hieß es nach der Begegnung gegen den TuS Mützenich. Eine Woche später musste man sich mit dem gleichen Ergebnis beim FC Stolberg begnügen und hatte damit den Saisonauftakt mächtig verpatzt. Nach einer 4:1-Führung erzitterten die Blau-Weißen sich am dritten Spieltag einen 4:3-Sieg gegen Borussia Brand. Dann folgte ein 3:0-Sieg gegen den SV Kohlscheid und eine Woche später, im Derby beim TV Konzen, wurde Trainer Wilfried Schmitz erstmals an der Linie bei der Germania gesehen. Er war in Eicherscheid kein Unbekannter, denn in der Saison 2004/05 hatte man ihn als „Feuerwehrmann“ verpflichtet, und damals rettete er den Nordeifeler Traditionsverein noch vor dem Abstieg aus der Bezirksliga.

Jetzt war seine Aufgabe aber eine andere, denn er sollte die Blau-Weißen zur Meisterschaft führen. Im ersten Spiel unter dem neuen Trainer kassierten die Eicherscheider bei Union Mariadorf-Hoengen eine 0:1-Niederlage und lagen nach sechs Spieltagen schon sieben Punkte hinter den Spitzenteams aus Kellersberg und Verlautenheide. Nach einem 7:1-Erfolg gegen Teutonia Weiden folgten zwei Auswärtssiege in Lichtenbusch und Brand, und es war ersichtlich, dass die Verständigung zwischen Trainer und Mannschaft immer besser wurde.

Nach dem 14. Spieltag aber hätte kaum jemand auch nur einen Cent auf die Eicherscheider gesetzt. Sie hatten das Topspiel bei Eintracht Verlautenheide 2:3 verloren und schienen mit 13 Punkten Rückstand aus dem Meisterschaftsrennen ausgeschieden zu sein. Von der dritten Saisonniederlage ließ man sich an der Bachstraße aber nicht schocken und packte die „Jetzt-erst-recht-Mentalität“ aus. Ehe es in die Winterpause ging, landete die Germania noch fünf Siege und überzeugte vor allen Dingen in den letzten beiden Spielen gegen die SG Stolberg (5:1) und beim TSV Donnerberg (4:1) mit hervorragenden Leistungen. Da Topfavorit Verlautenheide in den letzten drei Spielen schwächelte und sieben Punkte liegen ließ, war der einst komfortable Vorsprung arg geschmolzen. „Nach den sehr guten Leistungen in den Spielen gegen die SG Stolberg und Donnerberg habe ich erstmalig gedacht, dass wir Meister werden können“, verriet Wilfried Schmitz in der vergangenen Woche, dass er schon unter dem Weihnachtsbaum vom Titel geträumt hatte.

Im ersten Spiel nach der Winterpause landeten die Eicherscheider einen 2:0-Derbysieg in Mützenich, und da die Gruppe aus dem Aachener Nordosten sich zur gleichen Zeit eine 0:2-Abfuhr beim FC Stolberg abholte, übernahmen die Eicherscheider nach dem Rückrundenauftakt (mit einem Spiel mehr) erstmalig die Tabellenführung.

Nach den ersten Wochen in der Rückrunde herrschte in Verlautenheide mehr Zwietracht als Eintracht, und nach dem 1:2 in Lichtenbusch trennte man sich von Trainer Sascha Bohne. Die Germania baute gleichzeitig ihre Erfolgsserie aus: Nach dem 4:1-Sieg gegen Weiden war der Vorsprung an der Tabellenspitze auf fünf Punkte angewachsen.

In der vergangenen Saison hatten die Eicherscheider noch alle Derbys verpatzt, aber diesmal gewannen sie in der Rückrunde alle lokalen Vergleiche überzeugend. Der TV Konzen holte sich eine 0:8-Abfuhr ab, beim FC Roetgen gewannen die Blau-Weißen 4:1. Vier Tage später feierten sie einen 1:0-Erfolg im Gipfeltreffen gegen Verlautenheide und bauten ihren Vorsprung an der Spitze auf acht Punkte aus. Mittlerweile haben die Eicherscheider in der Kreisliga A mit 19 Siegen in Folge eine unheimlich anmutende Rekordserie aufgestellt.

Mannschaft und Trainer haben mit der wahnsinnigen Aufholjagd bewiesen, dass sie zu recht Meister geworden sind und auch in der Bezirksliga zu „Serientätern“ werden könnten.

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