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Tropische Regenzeit im Nordeifelsommer

Von: kjl
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Das „Chasing”, also das Verfolgen und Fotografieren von Unwettern, entwickelt sich auch bei uns zum Volkssport. Tolle Bilder von seinen Touren finden sich auf der Internetseite von Thomas Wamberg, der diese gewaltige Gewitterzelle am 22. Juli über der Nordeifel erwischte. Wamberg hat eine Canon EOS 450D und fotografierte mit Blende 5.6, 1/60 Sekunde, 18mm-Brennweite und ISO 200. Foto: Thomas Wamberg

Nordeifel. Nach der Siebenschläferregel mussten wir damit rechnen und jetzt haben wir den feuchten und explosiven Salat: Der Sommer 2009 und besonders der Juli als erster Sommermonat lassen es krachen - und reichlich regnen.

Seit der Kalenderreform von 1582 wird die Sommergüte nicht mit dem eigentlichen Siebenschläfertag 27. Juni begutachtet, sondern mit dem Zeitraum 6. bis 12. Juli. In dieser Witterungsphase muss der Luftdruck im Schnitt über 1020 hPa liegen, damit ein ausgezeichneter Hochsommer folgt.

Für Aachen zum Beispiel stimmte die Wetterregel in 55 von 80 Jahren. Und tatsächlich fällt das Wetter der folgenden sieben Wochen in fast zwei von drei Fällen (67 Prozent) ähnlich aus wie Ende Juni und Anfang Juli.

Süd- oder Nordströmung?


In diesem Zeitraum stabilisiert sich die Wetterlage über Europa. Dann entscheidet sich, ob unser Sommerwetter vorwiegend durch warme südliche oder kalte nördliche Luftströmungen beeinflusst wird. In den Jahren 2003 und 2006 wurden die 1020 hPa überschritten und es folgten sogenannte Jahrhundert-Sommer.

In diesem Jahr wurde ein magerer Wert von 1011 hPa erreicht. Viel zu wenig - und das zeigt sich zunehmend beim Auf und Ab unseres Eifelsommers 2009. Nach der Siebenschläferregel kann dieses Wetter jetzt bis zum ersten Augustdrittel andauern. Ob dann noch ein toller Hochsommer folgt oder heiße Hundstage ist schwer zu sagen.

Das Nachsehen haben die Landwirte in den Niederungen und in den mittleren Höhenlagen. Allerdigns wurden in der Eifel nicht große Teile der Ernte verhagelt oder vom Sturm geplättet, wie beispielsweise im Kreis Heinsberg.

Es ist ausgesprochen schwierig, zwischen den Gewitterschauern trockene Abschnitte zu finden. Wetterbeobachter Karljosef Linden: „Können sie sich noch daran erinnern, wann es das letzte Mal wirklich längere Zeit trocken war? Meine Aufzeichnungen zeigen den Zeitraum 28. Juni bis 2. Juli, also in den letzten Schultagen vor den Sommerferien”, so der Lehrer und Meteorologe.

Getreide setzt Schimmel an

Den Landwirten bereitet das Hin und Her mittlerweile großes Kopfzerbrechen. Das Getreide und der Raps haben zum Teil die Reifestadien überschritten und können dennoch nicht eingefahren werden. Das Problem ist die Feuchtigkeit. Nasses Getreide setzt nämlich rasch Schimmel an und wird dadurch unbrauchbar. Somit gibt es sprichwörtlich nur die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Auch den Hobbygärtnern macht das nasse aber warme Wetter zu schaffen. Gefräßige Schnecken nehmen überhand, und Pflanzenkrankheiten (Mehltau) werden gefördert. Der Sommer 2009 steht wohl eindeutig nicht auf der Seite der Landwirte und Gärtner.

Auch in dieser Woche fuhr und fährt das Wetter Achterbahn. Dienstagabend Gewitter, dann Hitze, Mittwochabend Gewitter, Donnerstag viel Regen, Freitag Regenschauer und ab Sonntag zwei trockene, heiße Tage. Man hatte das Gefühl, in dieser Woche in die subtropische Regenzeit versetzt zu sein. Nachmittags sonnig und teils Badewetter, nachts dagegen Schwüle und Unwetter.

Das Unwetterpotential der letzten Tage wurde - zum Glück für den Kreis Aachen - meist im Umfeld deutlich, wie zum Beispiel beim Tornado zwischen Jülich und Titz an der A44. Der Gegensatz zwischen schwülheißer Luft mit bis zu 34 Grad im Süden und Südwesten Deutschlands und den kühlen Schauerstaffeln von Tief „Wolfgang” verschärfte die Situation in dieser Woche. Enorm hohe Blitzraten wurden in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch gemessen. Die Zugrichtung der Unwetter war allerdings nur wenige Kilometer nördlich des Kreises Aachen.

Schon 107 Liter in Mützenich

Dennoch wurden am Dienstagabend Böen bis 72 km/h gemessen, große Überschwemmungen blieben aber aus.

Während im Raum Aachen bis zum 22. Juli gut 60 Liter/Quadratmeter fielen (80 des Mittels), waren es in Mützenich bereits 107 l/qm (98 des Mittels). Und bis Ende Juli wird noch einiges hinzukommen.
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