Trinkwasser: Ein Viertel bleibt auf der Strecke

Von: P.St.
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Wasserleitungen
In die Erneuerung der Haupt- und Ortsnetzleitungen möchte dert Wasserversorgungszweckverband Perlenbach in Zukunft etwas mehr investieren. Archiv/P. Stollenwerk

Nordeifel. Wenn der Verbraucher daheim den Wasserhahn aufdreht, dann schießt Wasser heraus. Doch der Weg des Wassers, von der Talsperre bis zum Hausanschluss ist weit – und unterwegs lauern Schwachstellen, die den reibungslosen Transport des wichtigsten Lebensmittels gefährden.

Rohrbrüche und überalterte Rohrleitungen sind das Problem. Mit diesem Problem kämpft auch der Wasserversorgungszweckverband, wobei beim Nordeifeler Wasserversorger der Wasserverlust besonders gravierend ist. Dies liegt einmal daran, dass sie Transportwege zu den rund 50.000 Kunden im ländlich strukturierten Gebiet zwischen Kalterherberg und Kreuzau besonders lang sind, aber auch daran, dass das Wasserwerk bei der Erneuerung des insgesamt 600 Kilometer langen Leitungsnetzes (Haupt- und Ortsnetzleitungen) nur im Schneckentempo vorankommt.

Bei der zurückliegenden Sitzung der Verbandsversammlung sorgte die hohe Verlustquote für ziemliches Erstaunen, wobei die Fachleute, die Tatsache, dass fast ein Viertel des geförderten Trinkwassers auf dem Weg zum Kunden auf der Strecke bleibt, als weniger dramatisch einstuften.

Das Wasserwerk Perlenbach beteiligt sich seit fünf Jahren an einem so genannten Benchmarking. Ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer stellt dabei den Vergleich zu Wasserwerken mit vergleichbaren Strukturen her, so dass das einzelne Unternehmen gut ablesen kann, wo die Defizite und wo die starken Seiten liegen. Während sich im Bereich der Versorgungssicherheit und Kundenzufriedenheit ein positives Bild für den Perlenbachverband ablesen lässt, so wird bei der Versorgungsqualität „Handlungsbedarf“ angemahnt. Gemeint ist damit der überdurchschnittlich hohe Wasserverlust als auch die Schadenshäufigkeit.

Bei den Wasserverlustraten liegt der Perlenbachverband deutlich über dem Mittelwert der Vergleichsgruppe. Dem Wasserwerk gehen durch Leitungsschäden durchschnittlich 120 Liter Wasser pro Stunde und pro Netzkilometer verloren. Der Mittelwert liegt bei 80 Litern.

In der Sitzung der Verbandsversammlung begründete der stellvertretende Betriebsleiter Frank Stollenwerk diese beträchtliche Verlustrate mit Rohrbrüchen und „Schleichverlusten“ in den Leitungen, also dauerhaften Verlusten, die oft nicht bemerkt werden.

Der Bedarf einer höheren Sanierungs- und Erneuerungsrate beim Perlenbachverband wird schon seit Jahren diskutiert. Bis 2011 lag die Erneuerungsrate des Leitungsnetzes bei jährlich 0,55 Prozent, im Jahr 2012 stieg sie auf ein Prozent. Nun kam man überein, dass die jährliche Netzerneuerungsrate auf 0,7 Prozent im Jahr festgelegt werden soll. Das entspricht einer jährlichen Erneuerung von vier Kilometern. Im Wirtschaftsplan sind dafür rund eine Million Euro Kosten veranschlagt. Im Zuge der Erneuerung sollen auch 128 Hausanschlüsse überprüft werden. Bei vergleichbaren Unternehmen liegt die Rate bei 1,0 Prozent.

In der Sitzung warnte Bruno Löhrer (Simmerath) davor, durch die geringe Erneuerungsrate den Wasserpreis „künstlich klein zu halten. Das geht letztlich zu Lasten kommender Generationen.“

Insgesamt –auch zu dieser Erkenntnissen kommt der Bericht – sind die Wasserwerke in Deutschland weniger ausgelastet, denn die Wasserförderung zwischen 1990 und 2010 ging um etwa 25 Prozent zurück, was einer Reduzierung der absoluten Förderung um 1,73 Milliarden Kubikmeter entspricht. Interessant dabei: Anfang der 80er Jahre gingen die Bedarfsprognosen der Bundesregierung noch von einem steigenden Wasserbedarf aus. So wurden für das Jahr 2000 im Schnitt 219 Liter pro Einwohner und Tag vorausberechnet. Tatsächlich liegt der aktuelle Tageswasserverbrauch bei 122 Litern. Oder anders ausgedrückt: Bundesweit gibt jeder Bürger im Schnitt pro Tag 24 Cent für Trinkwasser aus.

Auch im Versorgungsgebiet des Wasserwerks Perlenbach gehen die Erlöse zurück. Der Pro-Kopf-Verbrauch pro Jahr ist inzwischen auf 43,95 Kubikmeter gesunken. Im Versorgungsgebiet ging die Zahl der Einwohner im vergangenen Jahr um 177 zurück, ein Trend, der weiter anhalten wird. Dennoch sind für das kommende Jahr 118 neue Hausanschlüsse vorgesehen. Zu den bisher zehn Großabnehmern im Verbandsgebiet kommt jetzt durch den Ferienpark „Eifeler Tor“ in Heimbach ein weiterer hinzu. Insgesamt sind 18.300 Hausanschlüsse im Verbandsgebiet installiert.

Die Sparbemühungen des Wasserwerks zielen unter anderem auf eine Reduzierung der gestiegenen Stromkosten ab. So soll künftig die durch die hauseigene Wasserkraftanlage gewonnene Energie nicht mehr ins Netz eingespeist, sondern für den Eigenbedarf genutzt werden. Dadurch kann das Wasserwerk rund 30.000 Euro an Stromkosten einsparen.

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