„Transylvania 100 k“: 114 Kilometer über den Omu

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Nordeifel. 100 Kilometer über 6000 Höhenmeter durch die Südkarpaten in Rumänien: Nach der erfolgreichen Teilnahme im vergangenen Jahr hat es Holger Lapp auch in diesem Jahr wieder zum „Transylvania 100 k” verschlagen.

Der diesjährige Lauf sollte jedoch länger und anspruchsvoller werden als erwartet: Die Strecke musste aufgrund von zu viel Restschnee umgeplant werden. Daher ging es diesmal auf den Omu, mit 2505 Metern der höchste Gipfel des Bucegi-Gebirges.

Startpunkt Schloss Dracula

Mit rund 130 Teilnehmern für die 100- und 50-Kilometer-Strecken war das Starterfeld zwar fast doppelt so groß wie 2014, aber immer noch klein und familiär. Um Punkt sechs Uhr erklang der Startgong im Schatten der Törtzburg Bran, vielen als Dracula-Schloss bekannt. Zum Glück der Teilnehmer ging es nicht direkt senkrecht den Berg hinauf und so hatte man etwas mehr Zeit, erst einmal wach und warm zu werden.

Die ersten Kilometer seien für Holger Lapp ziemlich schnell verflogen – eventuell habe er sich etwas vom Tempo der 50-Kilometer-Läufer anstecken lassen, die 20 Kilometer lang demselben Weg folgten. Danach galt es, sich den Weg zum Omu Stück für Stück zu erkämpfen.

Bis zur Bergstation Babele auf rund 2100 Metern sei das auch noch kein Problem für Lapp gewesen. Danach jedoch sei dichter Nebel aufgekommen, so dass er und weitere Läufer Probleme hatten, den Weg zu finden. Mit jedem Höhenmeter wurde zudem der Schnee höher und die Läufer mussten sich den Weg über tiefe Schneefelder im Steilhang suchen. Eine Aufgabe, die nicht nur kräftezerrend war, sondern die Läufer auch mental an ihre Grenzen brachte.

So passierte es auch, dass Holger Lapp den Checkpoint auf dem Gipfel verpasste und gut 100 Meter weiter unten auf andere Läufer traf, die ihm sagten, dass er erst den Checkpoint passieren müsse. Es hieß also: Wieder hochklettern!

Gefährlich wurde es für Lapp, als er im Anschluss den Worten des Veranstalters folgte und die verschneiten Hänge des Omu beim Abstieg auf dem Hintern herunterrutschen wollte – und dabei beinahe in den Abgrund stürzte. Mit jedem Höhenmeter bergab sei die Sicht jedoch besser und die Rutschpartie so trotz Beinkrämpfen kurz zu einem echten Spaß geworden. Über die Gedanken der Tourenski-Geher, denen Lapp begegnete, ist er sich sicher: „Die dachten bestimmt, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank habe, mit T-Shirt und kurzer Hose den Hang runterzurutschen!“

Die weiteren Kilometer bis zum Verpflegungspunkt Busteni seien in einem schönen Downhill durch die Mischwälder problemlos verlaufen. Kurz vor dem Checkpoint überholte ihn der Gewinner vom letzten Jahr, der, genau wie er, wegen des Nebels um den Checkpoint Omu gekreist war.

1000-Meter-Aufstieg

Am Checkpoint angekommen machte sich Lapp für einen schwierigen Teil der Strecke bereit: Er wechselte die Socken und tankte seine Speicher auf – denn vor ihm lag ein langer Anstieg, auf dem 1000 Höhenmeter absolviert werden mussten. Zum Glück sei das Wetter bis auf den Nebel auf der Bergspitze perfekt gewesen und habe so sagenhafte Ausblicke geboten. Oben angekommen mussten wieder Schneefelder durchquert werden – diesmal aber nicht im Hang.

Ab dem Verpflegungspunkt brach Lapp gemeinsam mit einer Gruppe weiterer Läufer auf. Nach dem Abstieg folgte ein erneuter Anstieg und die Gruppe hatte das Pech, wieder vom Nebel eingehüllt zu werden. Kurz vor dem Abstieg hatte die Dunkelheit sie bereits erreicht: Seit dem Start waren bereits 16 Stunden vergangen. Wegen Sabotage, wie sie später im Ziel erfahren sollten, fehlten auf dem Weg zum nächsten Verpflegungspunkt die Markierungen und der GPS Track, dem sie folgten, war fehlerhaft. Entsprechend seien sie noch einmal vier Kilometer mehr gelaufen, als geplant.

Motivationsschub

Beim Verpflegungspunkt am Kilometer 83 hatte Lapp, bedingt durch das Verlaufen, schon 91 km hinter sich. Wenn an diesem Punkt nicht seine komplette Reisegruppe auf ihn gewartet hätte, wäre er möglicherweise aus dem Lauf ausgestiegen, erinnert sich Lapp. So angetrieben hielt er sein GPS-Gerät in die Luft und rief „GPS-Guide is leaving and will guide you all to the finish line”. Diesem motivierenden Spruch folgten auch alle verbliebenen Läufer, vor denen noch einmal fünf Stunden Laufzeit liegen sollten.

Am Ende kam die kleine Gruppe vom ersten Teil des Laufes zusammen im Ziel an. Nach 21 Stunden und 29 Minuten passierten sie gemeinsam die Ziellinie und hatten 114 Kilometer mit 6780 Höhenmetern im Anstieg auf der Uhr. Was an diesem Punkt für Emotionen in ihm hochkamen, kann Holger Lapp nicht in Worte fassen. Es habe einfach alles gestimmt: der perfekte gemeinsame Zieleinlauf, aufsteigender Stolz über das Erreichte, gepaart mit absoluter Erschöpfung.

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