Aachen - Touristen machen öfter Bogen um Aachen

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Touristen machen öfter Bogen um Aachen

Von: Robert Esser
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Talfahrt: Weniger Touristen -
Talfahrt: Weniger Touristen - und wohl auch Geschäftsleute - übernachten in der Kaiserstadt. Offenbar machen viele Veranstalter derzeit einen Bogen um die teureren Aachener Hotels. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Das kostet manchen Hotelier nicht nur den Schlaf: Seit Januar 2012 sinken - erstmals seit vielen Jahren - die Übernachtungszahlen in Aachen. In den ersten acht Monaten zählten die Hotels exakt 4413 Gäste und 12 133 Übernachtungen weniger als im Vergleichszeitraum 2011.

Nur weil die Statistik des Aachen Tourist Service (ATS) - anders als in den vergangenen 43 Jahren - jetzt auch Gasthöfe, Pensionen und Ferienwohnungen berücksichtigt, steht derzeit unterm Strich noch eine rote Null. Beschönigen will ATS-Geschäftsführer Werner Schlösser nichts: „Die Zahlen 2012 sind bisher schlecht, richtig schlecht”, stellt er auf Anfrage unserer Zeitung fest.

Andere NRW-Städte freuten sich über drei- bis sechsprozentige Zuwachsraten, während das Geschäft in Aachen stagniere. Dabei feierte man im Vorjahr dank 434.919 Gästen, die 863.770 Nächte in Aachen verbrachten, einen historischen Rekord. Vor zehn Jahren zählte man noch 314.000 Gäste, 1992 nur 230.000 - und 1979 im ersten Statistikjahr gerade mal 165.000.

„Dass wir jahrelang tolle Zuwachsraten hatten, ist natürlich schön - es darf uns aber nicht beruhigen”, sagt Schlösser, der die fünfprozentige Bettensteuer nur zum Teil für das Minus verantwortlich macht. Aachen brauche Kongressflächen und neue Hotels - wie das lang ersehnte Ibis Budget, das kommende Woche seine 85 Zimmer an der Ecke Synagogenplatz/Schumacherstraße eröffnet.

Schlösser gibt im Hinblick auf die kommunal geplante Tourismusabgabe in Höhe von fünf Prozent (die nur bei geschäftlichen Übernachtungen nach einem entsprechenden Gerichtsurteil wegfällt) zu bedenken: „Das Preisniveau in unserer Stadt ist jetzt schon höher als anderswo.” Wenn im kommenden Jahr die umstrittene Tourismusabgabe im Stadtrat abgesegnet werde, führe das zu einem weiteren Verdrängungswettbewerb, ist Wolfgang Winkler überzeugt. Der erfahrene Hotelier und stellvertretende Dehoga-Vorsitzende warnt: „Andere Städte haben die Abgabe endgültig gestrichen. Und die werden profitieren, weil die Gewinnmargen der Reiseveranstalter messerscharf kalkuliert werden.”

Das bestätigt der Chef des Hotels Buschhausen, Roger Thomas: „Es herrscht auf dem internationalen Markt ein wahnsinniger Preiskampf”, sagt der Gruppenreisen-Spezialist. Seit Januar habe er bereits zig Busreisen ans benachbarte Ausland verloren. Engländer hätten früher gerne nach achtstündiger Busfahrt eine Nacht in Aachen auf dem Transit Richtung Süddeutschland eingelegt. „Die übernachten jetzt in Heerlen, Eschweiler oder sonstwo.”

Durchschnittlich 125 Euro Ersparnis für den Reiseveranstalter bedeute das pro Bus - umgekehrt gehe es in der Summe um zigtausende Euro, die der Aachener Hotellerie verloren gingen. Wie der Stadt: „Gäste, die nicht kommen, essen auch nicht in Aachener Restaurants, besuchen keine Museen, Konzerte oder Theatervorstellungen. Und sie kaufen auch nicht ein”, erläutert Thomas. Er kritisiert Bettensteuer und Tourismusabgabe. Zumal Hoteliers und Restaurants in Belgien und den Niederlanden - auch nach dem deutschen Hotelrabatt von 19 auf 7 Prozent - durch niedrigere Mehrwertsteuer-Abgaben bevorteilt seien.

Für Thomas steht fest: „Wenn die Tourismus-Abgabe kommt, werden die Übernachtungszahlen weiter sinken - trotz Dom, Rathaus und Weihnachtsmarkt.” Für internationale Veranstalter gebe es genügend Alternativen zu Aachen. Der Stadt fehlten Events, eine Kongresshalle, ein großer Konzertsaal - „aber sicher keine neuen Hotels, in denen keiner schläft”. Da müsse die Stadt endlich mal aufwachen, sagt der Hotelier.
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