„The Scary Guy”: Am Ende kapituliert sogar die Bürgermeisterin

Von: Robert Flader
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„Willst Du Dich mit mir anlegen?” Scary machte sich bei seinem Auftritt in der ECR viele neue Freunde. Seine Botschaften - gegen Vorurteile und Mobbing - kamen gut an beim Publikum. Foto: Robert Flader

Monschau. Bevor er die Bühne betritt, mit schwarzer Lederjacke, Sonnenbrille, unzähligen Tattoos, Piercings und wasserstoffblond gefärbten Haaren, gibt es einen kleinen Vorgeschmack auf das, was „The Scary Guy”, US-Botschafter für Toleranz und eine Welt ohne Vorurteile, in den kommenden 90 Minuten mit den rund 250 Zuschauern in der Aula der Elwin Christoffel Realschule vorhat.

Auf der Leinwand neben der Bühne flimmern zunächst in nackten Zahlen die Folgen von Hass, Gewalt, Intoleranz und Vorurteilen auf, dunkel und gnadenlos: Die Resultate der jüngsten Massaker an amerikanischen Schulen, an denen Außenseiter zu Mördern wurden, nur weil sie von Gleichaltrigen nicht geachtet wurden. Die Liste ist lang und beginnt mit der Columbine Highschool in Colorado, wo ein Amoklauf zweier Schüler 13 Opfer forderte.

Rhetorik ist seine Waffe

Ein kurzen Moment später tritt er dann selbst auf die Bühne. Der Mann, der bis 1998 Earl Kenneth Kaufmann hieß und sich dann, wie er in starkem ländlichem „American Accent” sagt, „ganz legal in "The Scary Guy" umbenannte”.

Aus New Port im US-Bundesstaat Minnesota stammend, tourt Scary seit 1998 durch die Welt, auf seiner Mission für einen respektvollen Umgang miteinander macht er bereits zum zweiten Mal Station in Monschau.

Eigentlich ist Scary so gar nicht der Typ, dem man abkauft, dass er noch nie mit dem Gesetz in Konflikt kam, noch nie jemandem etwas Böses antat. Sein Äußeres zumindest lässt auf eine durchaus fragwürdige Vergangenheit tippen. „Doch genau darum geht es ja”, sagt der 56-Jährige. „Niemand soll nur nach seinem Aussehen beurteilt werden.”

Seine Rhetorik ist seine stärkste Waffe - und das fordert er auch von anderen. „Wem bringt es denn etwas, jemand anderen zu beschimpfen, zu beleidigen, ohne die Person eigentlich richtig zu kennen?” Ihm geht es um Argumente, um Selbstvertrauen - und so will er den Leuten, Jung und Alt, sprichwörtlich die Augen öffnen.

Aber selbst für den weltgewandten US-Amerikaner gibt es in der Eifel noch Überraschendes: „Wie hier regiert eine Frau als Bürgermeisterin?” Natürlich ist aber auch das nur Spaß, doch als Margarita Ritter als erste Bürgerin der Rurstadt sieht, dass gefühlte 99 Prozent der Zuschauer mindestens einmal in handfeste Streits verwickelt waren, muss auch sie kapitulieren - vor lachen. „Sie nur, was für ein Ghetto zu regierst”, wirft ihr Scary mit einem Augenzwinkern zu.

Humorvoll angepackt

Solche Dinge sind es, die dem Toleranz-Missionar auf seiner Reise wichtig sind: Ernste Themen durchaus humorvoll anpacken und gekonnt weitergeben. Seine Botschaften kommen an, das ein oder andere nachdenkliche Gesicht mischt sich unter die ansonsten vielen strahlenden zumeist jungen Zuschauer.

Nach genau 90 Minuten ist Schluss, Scary muss weiter, in Köln tritt er am Abend noch an der Uni Köln auf. Auch dann garantiert wieder furchteinflößend - auf den ersten Blick zumindest.
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