Aachen - Tatort-Geschichten zum Abendessen

Tatort-Geschichten zum Abendessen

Von: Nadine Preller
Letzte Aktualisierung:
Mit 117 neuen Aachener Kommiss
Mit 117 neuen Aachener Kommissaranwärtern verwirklicht Lisa Plum jetzt ihren Traum vom Polizisten-Beruf. Diensteinführung am Polizeipräsidium mit Schießtraining und Hundeshow. Ausbildungsleiter Wings: „Keine Nachwuchssorgen in Nordrhein-Westfalen.”

Aachen. In grüner Dienstuniform die bösen Verbrecher jagen und am liebsten mit Blaulicht und Sirene durch die Straßen düsen - Lisa Plum hatte schon als kleines Mädchen ganz klare Vorstellungen von ihrer beruflichen Zukunft. Klar, wenn es der Papa jahrelang so toll vom Schutz- über den Kriminalpolizisten bis zum Schießtrainer vorlebte.

Vater Günter hatte nicht selten spannende Verbrechergeschichten im Gepäck, wenn er nach Dienstschluss nach Hause kam. „Die gab er dann beim Abendbrot zum Besten”, lacht die heute 21-Jährige und fügt grinsend hinzu: „Eben eine andere Form von Einschlafgeschichten.” Wovon das Mädchen danach damals träumte, soll heute nicht länger ein Traum bleiben.

Mit Lisa haben jetzt 117 junge Menschen am Polizeipräsidium Aachen ihren Dienst zum Kommissaranwärter angetreten. „Mit den insgesamt rund 7000 in ganz Nordrhein-Westfalen müssen wir uns um Nachwuchs keine Sorgen machen”, freut sich Ausbildungsleiter Helmut Wings.

Drei Ausbildungsjahre erwarten die Polizisten in spe, die aus der gesamten Städteregion sowie den Kreisen Düren, Heinsberg und Rhein-Erft nach Aachen gekommen sind, um einen ersten Einblick in den Behördenalltag zu bekommen.

Nicht verschrecken mit trockener Polizeidienstkunde wollte man wohl die angehenden Polizisten - deshalb gab es neben einem obligatorischen aber kurzen Vortrag einen ersten Vorgeschmack auf erlebnisreiche Einsätze, die sicher noch folgen werden.

Mucksmäuschenstill ist es da im Garagenhof des Präsidiums, als Diensthundführer Marco Kückes mit seinem Schäferhund Rick einen Autoknacker „zur Strecke bringt”. Natürlich ist der vermeintliche Dieb in Wirklichkeit ein Kollege, der obendrein dick eingepackt ist in ein enormes Stoffkostüm, das die Bisse des Hundes abhalten soll. Und dennoch: Die fletschenden Zähne, das tiefe Knurren und die respekteinflößenden mannshohen Sprünge von Rick beeindrucken das junge Publikum.

Hinter der aktionsgeladenen Show steckt allerdings hartes Training - und eine tiefe Beziehung zwischen Trainer und Hund. „Rick wohnt bei mir, er ist wirklich mein Hund, zwar von der Behörde gestellt, aber bei mir aufgewachsen”, erzählt Kückes, der einer von zwölf Diensthundführern in Aachen ist. Diesen Beruf können die Anwärter aber erst nach abgeschlossener dreijähriger Ausbildung und zusätzlichen Fortbildungen anstreben.

Die Ausbildung zum Polizeikommissar ist eigentlich ein duales Studium, gerne nennt Helmut Wings dieses auch „triales Studium” - wegen der Kombination aus Theorie, Training und Praktika. An der Fachhochschule in Köln gilt es, die Theorie zu pauken wie an jeder anderen Hochschule auch: Referate, Seminare, Hausarbeiten, Klausuren über sperrige Namen und Inhalte wie Kriminalitätsbekämpfung und Verkehrssicherheitsarbeit.

„Reizvoller erscheint den jungen Leuten dann schon das Training, besser bekannt als Rollenspiel”, erzählt Wings. „Hier stellen sich die Studenten erfahrenen Polizisten in einer Art Schauspiel.” Geiselnahme, Eingriffe bei häuslicher Gewalt, Umgang mit alkoholisierten Jugendlichen auf einer Party - in den gespielten Situationen werden nicht nur sportliche und körperbetonte Reaktionen geprüft. „Soziale Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit spielen in diesem Beruf eine große Rolle”, erzählt Wings. „Das üben wir hier.”

Beweisen müssen Bewerber diese Fähigkeiten erstmals im Einstellungstests - der ist neben der Fachoberschulreife, dem Deutschen Sportabzeichen und dem Bronze-Abzeichen im Rettungsschwimmen eine der vielen Voraussetzungen für den Beruf Polizeikommissar.

Im Praktikum schließlich geht es dann das erste Mal mit auf Streife - der Wurf ins kalte Wasser.Vielleicht müssen sich die Anwärter damit begnügen, Aachens leere Straßen bei Nacht zu beobachten, ohne dass sich auch nur ein Mäuschen regt. Vielleicht ergeht es ihnen aber auch wie Iris Wüster, Pressesprecherin am Polizeipräsidium. „Bei meiner ersten Streife hatten wir aus einer Wohnung eine ausgebüchste Boa in einem Karton in den Wagen gebracht. Beim späteren Kontrollblick in die Kiste war die Schlange plötzlich weg und hatte sich irgendwo im Auto verkrochen. Wir sind alle panisch ausgestiegen und haben die Türen zugeknallt”, berichtet Wüster heute lachend.

„Man weiß halt nie, was passiert”, bestätigt Wings. Gerade deshalb sei der richtige und disziplinierte Umgang mit der Waffe Voraussetzung für spätere Einsätze.

Und so gibt es zum Dienstantritt auch eine erste Einführung in die Welt der Polizeiwaffen. In der Schießhalle zeigt Trainerin Astrid Albinus nicht nur eindrucksvoll mit lautem Knall, dass die Waffen ganz und gar nicht zu halten sind, wie es vermeintliche Kollegen von „Tatort” und dem „Großstadtrevier” vormachen.

Trainer Wolf Reycher klärt zudem auf, wie lebenswichtig Schutzwesten und das Tragen des Gürtels sind. An dem hängen allerlei Sachen: Funkgerät, Taschenlampe, Reizgas - und natürlich die Waffe. „Alles in allem können da schon 20 Kilo zusammenkommen”, weiß Reycher. Es gebe allerdings Kollegen, denen das Gewicht nach einem Tag bei 30 Grad im Schatten schon mal lästig werden würde. „Es ist Euer Leben”, fügt der Trainer dazu nur trocken an.

Spätestens bei solchen Aussagen wird den Anwärtern klar: Der Polizeiberuf ist weit entfernt von netten, blauäugigen Kindheitsvorstellungen. Ein Traumberuf für Lisa Plum bleibt er aber trotzdem. Vater Günter blickt ein wenig bange auf die Zukunft seiner Tochter. „Ich kennen den Job seit vielen Jahren. Die Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten nimmt immer mehr zu. Klar, da macht man sich schon Sorgen.” Doch während er das sagt und seiner Tochter ins Gesicht schaut, strahlen gleichzeitig seine Augen. Den Stolz, dass seine Tochter jetzt in seine Fußstapfen tritt, kann er eben doch nicht ganz verbergen.

Mehr zum Polizei-Beruf:

www.polizei.nrw.de
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