Tabu: Busse nehmen keine Elektroscooter mit

Von: Julia Bäumler
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Will weiter kämpfen: werner Felden in seinem Elektroscooter. Foto: Julia Bäumler

Roetgen. Werner Felden sitzt im Rollstuhl. Jedoch in keinem gewöhnlichen Rollstuhl - der 73-Jährige benutzt einen Elektroscooter. Seitdem er gehbehindert ist, ist das Elektromobil ihm zu einem wichtigen Begleiter geworden.

Doch seit November letzten Jahres gibt es für Werner Felden nur noch Ärger mit dem Scooter. Sein Problem: Immer wieder verweigerten Busfahrer die Mitnahme des Fahrgastes und seines Gefährtes. „Erst hieß es das Gefährt wäre zu schwer, danach hieß es dann auf einmal mein Sauerstoffgerät wäre das Problem. Eines Tages wies mich ein Fahrer darauf hin, dass ich ja immer noch ‚das Sauerstoffding‘ bei mir hätte. Darauf konnte ich nur antworten, dass ich es wohl immer dabei haben werde.“

Nicht nur unter der Gehbehinderung leidet der Bewohner des Seniorenzentrums Itertalklinik in Roetgen, sondern auch unter einer chronischen Lungenerkrankung. Das Problem mit der Busbeförderung sei dann seit November ständig aufgetreten. Immer öfter wurde Werner Felden stehen gelassen, bis dann fürs Erste die Regelung vom Regionalverkehr Euregio (RVE) herausgegeben wurde, dass jeder Busfahrer frei entscheiden dürfe, ob er Personen mit einem Elektroscooter befördere oder nicht (wir berichteten). Für Felden war das ein starker Rückschlag, denn nun war es ungewiss, ob er pünktlich zum Arzt nach Simmerath gelangen würde.Felden gibt zu, dass der Großteil der Busfahrer sehr nett und zuvorkommend gewesen sei.

Doch plötzlich verweigerte ihm kürzlich auch ein ihm sonst wohlgesonnener Busfahrer die Mitnahme. Der Fahrer verwies auf eine neue Regelung, wonach Elektroscooter nun nicht mehr mitgenommen werden dürften.

„Sowas kann nicht angehen. Ich fühle mich allein gelassen. Ich bin nicht nur behindert, diese Behinderung wird von den Busunternehmen zusätzlich bestraft“, schimpft Felden.

Was hinter der Neuregelung steckt, erläutert der Sprecher von Regiobus NRW, Dirk Pohlmann. Seit dem 1. August 2013 sei die verbindliche Regelung in Kraft getreten, dass Elektroscooter von Bussen, die von der Bahn betrieben werden, nicht mitgenommen würden. Die Elektromobile seien größer als gewöhnliche Rollstühle, und versperrten daher eventuell Fluchtwege. Zusätzlich könnten sie schneller umkippen als ein Rollstuhl. Pohlmann erklärt weiter, dass das Unternehmen sich hier unter anderem an die EU-Verordnung anlehne, die die Fahrrechte regele. Hierin heißt es, dass grundsätzlich jeder das Recht habe, mit öffentlichen Verkehrsmitteln befördert zu werden, Personen die in einem Elektromobil seien allerdings seit dem 1. März hiervon ausgeschlossen. „Daher haben unsere Fachleute entschieden, dass die Sicherheit vorgeht“, erklärte Dirk Pohlmann. Bisher sei auch noch keine Alternative gefunden worden. Diese Vereinbarung gelte in ganz Nord-Rhein-Westfalen.

Auch bei der Aseag in Aachen wird die gleiche Auffassung vertreten wie Pressesprecherin Anne Linden erläutert: „Die Bauausführung der Scooter lässt nur eine sehr eingeschränkte Rangierfähigkeit auf engem Raum zu. Zusätzlich ist die benötigte Standfläche größer ist als bei einem Rollstuhl. Die vom Gesetzgeber aus Sicherheitsgründen vorgesehenen Rückhaltesysteme können wegen der fehlenden Rangierfähigkeit der Scooter nicht genutzt werden“. E-Rollstühle seien dagegen sehr viel beweglicher, ihre Fahrer können die Rückhaltesysteme nutzen und ihre Fahrzeuge auf den vorgesehenen Flächen ohne Behinderung des Durchgangs und des Ausgangs abstellen.

Trotz allem will Werner Felden sich mit dieser Situation nicht zufrieden geben. Im Juni bereits hatte er sich an den Petitionsausschuss des Düsseldorfer Landtages gewandt, wartet aber noch auf eine Antwort. „Und ich gehe damit bis nach Berlin, da hab‘ ich nichts mit zu tun“, gibt sich der 73-Jährige entschlossen weiter zu kämpfen

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