Streit um Wildschweine in der Eifel: Anlocken und dann erschießen?

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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In einem Revier in Dedenborn sind auf einem relativ kleinen Areal 16 Kirrungsplätze für Wildschweine angelegt worden. Die Untere Jagdbehörde ermittelt jetzt gegen den Revierpächter.

Dedenborn. Wildschweine sind in aller Munde, und dabei handelt es sich nicht um Kochrezepte. In der Nordeifel sorgt das in großer Zahl vorkommende Schwarzwild für Ärger und erregte Debatten. Die Kreisjägerschaft und die Nationalparkverwaltung sind sich nicht grün.

Einige der Protagonisten auf beiden Seiten werden in diesem Leben gewiss keine Freunde mehr.

Angst um Bestände

Die Jagdpächter haben wegen der Nähe zum Nationalpark Angst um ihre Wildbestände. Die Kommunen haben Angst, dass sie wegen rückläufiger Wildbestände in den Revieren in Zukunft Schwierigkeiten bei der Verpachtung selbiger bekommen könnten. Die Landwirte sind längst sauer, beklagen die enormen Wildschäden und fürchten den Ausbruch einer Schweinepest.

Umstrittene Kirrungen

Immer mehr Bewohner der Eifeldörfer werden allmählich sauer, weil die Tiere auf Nahrungssuche bis in ihre Gärten kommen und dort aus dem sorgsam gepflegten Rasen in Windeseile einen Acker machen.

Der Umweltminister dieses Bundeslandes produziert, wie berichtet, einiges an Action, um die Schwarzwild-Populationen nicht nur einzudämmen, sondern auch zu kontrollieren, ob sich Forstbeamte und Jäger an seine Auflagen halten.

Als eine Möglichkeit, genügend Wildschweine vor die Flinte zu bekommen, gilt das so genannte Kirren. Bei solchen Kirrungen werden die nachtaktiven Tiere mit Mais angelockt. An diesen Kirrungsplätzen sollen die Jäger und Revierpächter Gelegenheit haben, die Bestände zu dezimieren, am besten in hellen Vollmondnächten. Man will schließlich sehen, worauf man schießt.

Und während eine Fraktion auf diese Art der Wildschweinjagd schwört, lehnt eine andere, ebenfalls große Fraktion sie als kontraproduktiv ab.

Marke Eigenbau

Weil angeblich nie so viele Wildschweine erlegt werden können wie an den Kirrungsplätzen auftauchen, müsse davon ausgegangen werden, dass viele Bachen sich trotz eines so langen Winters wie diesem einen Speckvorrat anlegen können, der sie stark und gesund in die Vermehrungsphase gehen lässt: viele gesunde und starke Frischlinge, viele Wildschweine, keine Lösung des Problems.

Welche Auswüchse das treiben kann, ist jetzt in einem privaten Jagdrevier bei Dedenborn bekannt geworden. Der Pächter, angeblich kein Bewohner der Nordeifel, hat dort 16 Kirrungsplätze auf einem relativ kleinen Areal angelegt, alle in Schussweite der Ansitze.

Auch ist dort Mais gebunkert, der mit einem Futterautomaten Marke Eigenbau durch die Koppelung mit einer Zeitschaltuhr unters schweinische Volk gebracht wird.

Die Tiere kommen angeblich in reichlicher Zahl, und sollten die Essenzeiten nicht eingehalten werden, statten sie Hausgärten in der Umgebung ihren Besuch ab und führen sich dort auf - wie Schweine eben. Dieser Fall ist mittlerweile bei der Unteren Jagdbehörde des Kreises Aachen aktenkundig und von der Pressestelle bestätigt.

Situation dokumentiert

Eine Mitarbeiterin der Behörde hat sich die Situation mit einem der erbosten Anwohner gemeinsam vor Ort angeschaut und sie dokumentiert. Der Jagdpächter wird jetzt angeschrieben und muss binnen zweier Wochen erklären, was er sich dabei gedacht hat.

Denn, sowohl die 16 Kirrungsplätze als auch der Futterautomat sind wohl kaum mit der Fütterungsverordnung für Wildtiere unter einen Hut zu bringen und nicht im Sinne des Erfinders.

Sollte dem Jagdpächter keine gescheite Erklärung einfallen, wird er sich wegen einer Ordnungswidrigkeit verantworten müssen. Das Ordnungsgeld kann bis zu 3100 Euro betragen.
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