Aachen/Schleiden - Streit um einstige NS-Ordensburg vor dem Landgericht

Streit um einstige NS-Ordensburg vor dem Landgericht

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Schleiden. Der ehemalige Referent für die Geschichte der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang, Sven K. aus Schleiden, verteidigte sich am Dienstag vor der Berufungskammer am Aachener Landgericht selbst.

Das tat der 40-Jährige, der als Beruf Kaufmann angab, durchaus gut, auch wenn er den Gerichtssaal streckenweise als politisches Forum nutzte.

Das Amtsgericht Gemünd hatte den streitbaren Angeklagten im Februar 2012 wegen dreifachen Hausfriedensbruchs zu 1200 Euro Geldstrafe verurteilt. Um das neue Urteil der Kammer (Vorsitz Richter Frank Meier) vorwegzunehmen: Es blieb bei einer Verurteilung, jetzt allerdings, weil K. nach der Überzeugung der Richter nachweislich zwei Mal das von der dortigen Standortentwicklungsgesellschaft Vogelsang (SEV) ausgesprochene Hausverbot verletzt hatte.

K. war nach dem Ende seiner Referententätigkeit im Jahr 2010 noch des Öfteren, besonders im Jahr 2011, auf dem Vogelsang-Gelände aufgetaucht und hatte eigene Führungen veranstaltet. Dazu verteilte er SEV-kritische Flugblätter am Infocenter und an Reisebussen.

Hinter dem juristischen Scharmützel stecken verschiedene politische Auffassungen, wie die einstige NS-Kaderschmiede, malerisch gelegen an den Höhen der Urfttalsperre, entwickelt und das historische Erbe nach dem Abzug der belgischen Streitkräfte im Jahr 2005 genutzt werden soll.

So wollte Sven K. gegen eine von der SEV geplante und, wie er meint, völlig überzogen kommerzialisierte touristische Nutzung der einstigen Eliteschule des Dritten Reiches protestieren. Vor allem der „Wahnsinn eines Hotelneubaus”, so K., trieb den Angeklagten zum Bruch des Hausverbotes.

So war Anfang des Jahres die Rede davon, ein Hotel mit angeschlossenem Filmstudio zu bauen, ein anderes Mal sollte es ein „Krimi-Hotel” sein, was K. als völlig unangebracht und geschmacklos klassifizierte.

Die Pläne sind vom Tisch, sie stachelten ihn jedoch zu neuen Protesten an, besonders die politische Führung des Kreises Euskirchen nahm er aufs Korn. Auch in diesem Jahr hatte es „andere Führungen” gegeben, K. drohen neue Verfahren. „Es wird wohl keine Ruhe einkehren”, bekundete Richter Meier mit deutlicher Einsicht in die wahrscheinliche Wirkungslosigkeit der Strafe von 900 Euro.

Andererseits, bemerkte Meier, müsse der Hausherr auf Vogelsang angesichts der Nazi-Vergangenheit dort jede Möglichkeit behalten, etwa gegen braune Parolen vorgehen zu können. Sven K. kündigte die Revision an, er wolle falls nötig bis zum BGH gehen.
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