Streetworker: Lobbyisten für die Jugendlichen

Von: Sarah Maria Berners
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Nicht nur in der Schule, sonde
Nicht nur in der Schule, sondern auch bei Facebook sind die Streetworker für die Jugendlichen der Nordeifel erreichbar und haben immer ein offenes Ohr. Foto: S.M. Berners

Nordeifel. Heidi El-Hallani und Gerold Gröbel sind immer da unterwegs, wo die Jugendlichen sind - sei es am Bushof, in Schulen und Jugendräumen. Aber die Jugendarbeit der Nordeifeler Streetworker verändert sich nunmal mit den Jugendlichen und den sozialen Gefügen und findet deswegen ganz zeitgemäß auch online statt.

Im Internet-Netzwerk sieht Gröbel, was gerade ,in ist. „Wenn Biken beliebt ist, ist das doch ein optimaler Weg, die Jugendlichen zu erreichen”, sagt Gröbel. Er nutze Facebook aber auch einfach dazu, mit den Jugendlichen zu quatschen - und nicht selten werden ganz beiläufig auch Probleme angesprochen. „Niedrigschwelliges Angebot” würde das die Fachwelt nennen.

Medienkompetenz erlernen

Facebook führt die Streetworker auch gleich dazu, mit den Jugendlichen über Medienkompetenz und Sicherheit im Netz zu sprechen. Gerold Gröbel hat im Blick, ob Jugendliche zu freizügig mit ihren Daten sind und kann anhand ganz konkreter, anschaulicher Beispiele mit den Teenies über Cyber-Mobbing sprechen. „Es ist wichtig, sich mit den Gefahren und den Risiken, die das Internet birgt, auseinanderzusetzen”, so der 30-Jährige.

Während die Schule Pflicht ist, ist das Angebot der Streetworker offen, schon deswegen können sie einen anderen Draht zu den Jugendlichen aufbauen. Immer wieder stellen aber auch Jugendliche den Kontakt zwischen ihren Freunden und den Streetworkern her. „Ey, das ist jetzt echt zu viel. Du musst jetzt wirklich mal mit jemandem reden, der Ahnung hat, Alter”, zitiert Heidi El-Hallani.

Zoff mit den Eltern, Stress in der Schule, Misserfolge bei der Jobsuche, Liebeskummer, zu viel Alkohol und Zigaretten, Missbrauch - bei all diesen Problemen, die es natürlich auch in der Eifel gibt, haben El-Hallani und Gröbel ein offenes Ohr. Egal, ob sich die Jugendlichen selbst, ihre Eltern, Freunde oder Lehrer an die Streetworker, die beide mit einer halben Stelle in der Eifel beschäftigt sind, wenden. „Ehrliches Interesse ist der Türöffner”, sagt El-Hallani. Sie und ihr junger Kollege zeigen den Kindern, dass sie wertvoll sind, geben ihnen Selbstvertrauen. Das brauchen viele, auch wenn es nach außen nicht so wirkt.

Nicht gern gesehen

Jugendliche, die in Gruppen im öffentlichen Raum auftreten, fallen Erwachsenen oft negativ ins Auge. „Viele kommen mit dem pubertären Gehabe nicht klar und sind verunsichert”, sagt Jugendpfleger Ralf Pauli. Allerdings müsse nicht immer gleich ein Sozialarbeiter her, wenn sich ein paar Jugendliche auf öffentlichen Plätzen, vermeintlichen Brennpunkten, treffen. „Viele wollen einfach nur rumhängen, quatschen, knutschen und auch ein bisschen Blödsinn machen.”

Grenzen austesten, Freiräume nutzen - zum Erwachsenwerden gehöre das hinzu. „Sie haben das Recht dort zu sein und dürfen auch laut lachen”, sagt El-Hallani. Natürlich gibt es auch da immer wieder zwei, drei, die aus dem Rahmen fallen. „Das sind häufig die, die wir ohnehin schon begleiten.” Gleichwohl sind El-Hallani und Gröbel an diesen Plätzen unterwegs - allerdings nicht, weil die Jugendlichen dort stören. Sie suchen den Kontakt, das Gespräch, planen Aktionen. Nicht alle haben Probleme und brauchen Hilfe, wer aber danach sucht, weiß Dank der Streetworker wo. „Da ist es auch sehr wichtig, dass es einen weiblichen und einen männlichen Ansprechpartner gibt”, sagt Gröbel. Es gibt eben Männergespräche und Frauenthemen, zum Beispiel wenn ein Mädchen glaubt schwanger zu sein.

Alkohol als Hauptdroge

Auch Drogen sind immer wieder Thema, vor allem aber das Komasaufen spielt in der Eifel eine Rolle. Suchtprävention ist daher ein Schwerpunkt der Arbeit von Heidi El-Hallani in den Schulen. Mit der „Rauschbrille” müssen die Jugendlichen einen Geschicklichkeitsparcours durchlaufen - so bekommen sie ganz nüchtern eine Ahnung davon, wie sie im Rausch agieren und merken, so El-Hallani, „dass man nicht alle Sinne beisammenhat”.

Die Arbeit der Streetworker ist in weiten Teilen Präventivarbeit. Sie wollen frühzeitig Ansprechpartner sein und Hilfe bieten. „Die Familienstrukturen haben sich verändert, die Erziehungskompetenz hat abgenommen”, sagt Jugendpfleger Ralf Pauli. Deswegen bräuchten Kinder und Jugendliche zunehmend Hilfe von Erziehern, Lehrern und eben Streetworkern.

Was die Eifel besonders auszeichnet ist, dass viele Jugendliche in Vereinen engagiert und dort in ein soziales Gefüge eingebunden sind, in dem sie beiläufig viel fürs Leben lernen. All denen, die keinen Verein besuchen, widmen sich die Streetworker in ihrer Arbeit ganz besonders. Gemeinsam mit Babette Siewe, der Leiterin des Jugendcafés in Simmerath, ist es ihnen schon gelungen, die Teenies ins Café zu holen und sie für dortige Aktionen zu begeistern. Der Rest kommt oftmals von selbst.
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