Rurberg - Starker Wind hält die St. Nikolaus bis zum Abend fest

Starker Wind hält die St. Nikolaus bis zum Abend fest

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
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Geschafft: Die St. Nikolaus hat den Obersee für immer verlassen und Platz auf einem Tieflader gefunden, der sie an den rund 800 Kilometer entfernten Traunsee nach Oberösterreich bringen wird. Foto: P. Stollenwerk
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Zwei Kapitäne unter sich: Richard Loidl (li.) und Herbert Harth, Urgestein der Rurseeschifffahrt. Foto: P. Stollenwerk
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Anfangs hatten sich viele Schaulustige auf dem Paulushofdamm eingefunden; den meisten aber dauerte es dann doch zu lange. Foto: P. Stollenwerk

Rurberg. Fast wäre die St. Nikolaus noch einen Tag länger als geplant auf dem Obersee geblieben, doch am Abend mit Einbruch der Dämmerung flaute der Wind dann endlich ab, und die spektakuläre Verlade-Aktion konnte beginnen.

Es dauerte nur rund eine Minute, da war das altehrwürdige Fahrgastschiff aus dem Obersee gehoben. Die Nikolaus schwebte kurz über dem Paulushofdamm, wurde noch einmal um die eigene Achse gedreht und dann passgerecht auf einen niederländischen Tieflader gesetzt. Vom Schwesterschiff „Eifel“ war es zuvor auf seiner wirklich allerletzten Fahrt von der Anlegestelle an den Damm gezogen worden.

Zahlreiche Schaulustige verfolgten am Montag das Spektakel in der herbstlichen Oktobersonne, doch wer den entscheidenden Moment nicht verpassen wollte, musste eine Menge Geduld mitbringen, denn erst vier Stunden später als geplant konnte der Kran endlich loslegen. Man hatte fast den Eindruck als wolle die St. Nikolaus den Obersee nicht so recht verlassen, wo sie 50 Jahre lang zuverlässig ihren Dienst getan hat. Immer wieder kamen starke Windböen auf, und da bei der Verladung niemand ein Risiko eingehen wollte, wurde der Hub immer wieder verschoben. Der Kranführer hatte Bedenken, dass das 28 Tonnen schwere Schiff zuviel Angriffsfläche für den steifen Westwind bieten würde.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit aber war es dann geschafft. Die St. Nikolaus stand sicher auf dem Tieflader, der sich gegen 22 Uhr auf den Weg machte. Das Ziel ist der rund 800 Kilometer entfernte Traunsee im Salzkammergut in Oberösterreich. Hier soll die St. Nikolaus bei der Schifffahrt Loidl als Charterschiff für Gesellschaften, Geburtstagsfeiern, Hochzeiten oder Events aller Art eingesetzt werden. Rund 130 Personen können hier Platz finden „Wahrscheinlich soll das Schiff auch seinen Namen behalten, denn St. Nikolaus ist schließlich der Schutzpatron der Seefahrer“, meinte Richard Loidl, der als Vertreter des 100 Jahre alten Familienbetriebs auf dem Traunsee die Verladung in Rurberg auf Schritt und Schritt begleitete.

Rund 30.000 Euro hat sich das Unternehmen den aufwendigen Ortswechsel kosten lassen. Die drei Tonnen Batterien werden in der Eifel zurückgelassen. Auf dem neuen Gewässer wird das einstige Oberseeschiff mit einem 85 PS starken Dieselmotor ausgestattet und erhält außerdem eine WC-Anlage. Über einen Makler hatte die Familie Loidl die St. Nikolaus gefunden. Mit 19,90 Meter Länge und 4,50 Meter Breite hatte sie aus Sicht der neuen Schiffseigner die Idealmaße. „Das ist schon ein komischer Moment heute“, meinte Waltraud Heuken, die Geschäftsführerin der Rurseeschiffahrt, als die Hebeschlaufen um den Schiffsrumpf gelegt wurden.

Etwas Wehmut empfand auch Herbert Harth, der 1963 zur Rurseeschifffahrt kam und als langjähriger Kapitän die St. Nikolaus zwischen Einruhr, Rurberg und der Urftstaumauer bewegt hat. Seit dieser Saison ist die St. Nikolaus durch das wesentlich größere und komfortablere Schiff „Seensucht“ ersetzt worden. Es würde aber wenig Sinn machen, wenn man die Nikolaus nun an Land liegen lasse und sie nicht weiter gepflegt werde. Auf dem Traunsteinsee, ist Harth überzeugt, „kommt sie in gute Hände.“

Noch ein Sabotageakt

Nicht in guten Händen war die St. Nikolaus in der Nacht zum Sonntag. Bisher unbekannte Täter hatten sich auf das in Einruhr liegende Schiff Zutritt verschafft, indem sie Scheibe einer Eingangstür einschlugen. In Kenntnis der Technik starteten sie den Bugstrahler, der die St. Nikolaus hinaus auf den Obersee trieb. Da die anderen Batterien bereits ausgebaut waren, war das Schiff nicht mehr fahrbereit. Am Sonntagmorgen wurde das Schiff am gegenüberliegenden Ufer entdeckt. Zumindest hatten die Täter es aber an einem Baum festgemacht. Die Rurseeschiffahrt erstattete Anzeige und hofft nun auf Beobachtungen, die zur Feststellung der Übeltäter führen.

Als die St. Nikolaus 1963 auf den Obersee kam, dauerte die Aktion übrigens wesentlich länger als jetzt. Zunächst war das Schiff ein Jahr auf dem Hauptsee gefahren, ehe es dann im Überlauf Rurberg sozusagen geparkt wurde, und mit Hilfe eines Überstaus dann die Klippe in den Obersee nahm.

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