Eicherscheid - Starker Neuanfang statt Schließung für die Förderschule Nordeifel

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Starker Neuanfang statt Schließung für die Förderschule Nordeifel

Von: Heiner Schepp
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Schüler, Lehrer und Verantwortliche der Förderschule freuen sich, dass auf dem schönen Gelände an der Bachstraße auch künftig Leben herrscht. Foto: H. Schepp

Eicherscheid. Für über 2000 Kinder und Jugendliche in der Nordeifel – und auch ein paar Dutzend Lehrerinnen und Lehrer – war am Freitag der langersehnte letzte Schultag. Vor exakt einem Jahr aber sprach alles dafür, dass der ominöse Freitag, 13. Juli, für die Förderschule Nordeifel in Eicherscheid sogar der allerletzte Schultag überhaupt und damit die Schließung bedeuten würde. Doch es kam anders.

Bereits 2015 hatte der Förderschul-Zweckverband Nordeifel mit den Kommunen Simmerath, Monschau, Roetgen und Hürtgenwald auf rot-grüne Weisung aus Düsseldorf die Schließung der kleinen, aber feinen Bildungseinrichtung zum Ende des Schuljahrs 2017/2018 beschließen müssen.

Regierungswechsel

Nach dem Regierungswechsel in Düsseldorf im Mai 2017 kam dann aber kurz vor den großen Ferien plötzlich Bewegung in die Angelegenheit. „Ich sehe einen Silberstreif am Horizont. Die Schule wird vielleicht erhalten bleiben“, zitierte unser Zeitungsbericht über die Entlassfeier an der Förderschule den Roetgener Bürgermeister Jorma Klauss am 4. Juli 2017. Und eine Woche später titelte unsere Zeitung: „Rettung für die Förderschule ist in Sicht“, nachdem der Schulverband Nordeifel infolge des Koalitionspapiers der neuen CDU-/FDP-Landesregierung den Auflösungsbeschluss für die Förderschule Nordeifel wieder aufgehoben hatte.

Es folgten zahllose Gespräche und Verhandlungen zwischen der Gemeinde Simmerath, dem Schulamt der Städteregion Aachen, der Bezirksregierung Köln und dem Ministerium in Düsseldorf, wo mit der neuen Schulministerin Ute Gebauer, die sich bei einem besuch in Eicherscheid ein eigens Bild von der Einrichtung machte, eine Verfechterin der Förderschulen saß und sitzt.

In der Folge wurde der kleinsten Förderschule in ganz NRW zunächst ein Jahr Bestandsgarantie eingeräumt, das natürlich noch keinen Anmeldeboom auslösen konnte. Gleichwohl berichtete die Schule von einer großen Zahl an interessierten Eltern, die ihr Kind für eine längerfristig gesicherte Förderschule anmelden würden.

Es dauerte dann aber bis Ende Juni 2018, ehe Karl-Heinz Hermanns, Simmeraths Bürgermeister und Verbandsvorsteher des Förderschulverbandes, die freudige Nachricht verkünden konnte: „Die Verordnung über Mindestgrößen für Förderschulen im ländlichen Bereich ist geändert. Die Förderschule Nordeifel hat nun bis 2023 Zeit, die Mindestgröße zu erreichen.“

Offenbar haben die oben genannten, anmeldewilligen Eltern trotz der Hängepartie um die Zukunft der Schule die Nerven behalten und immer an die Wende geglaubt. „Wenn es tatsächlich zur Schließung gekommen wäre, hätten Stand letzte Woche 18 Kinder verteilt werden müssen“, sagte der langjährige Schulleiter Robert Knauff im Gespräch mit unserer Zeitung, um gleich hinterher zu schicken: „Heute können wir aber mit großer Freude verkünden, dass wir nach heutigem Stand am 29. August mit 47 Kindern der 2. bis 10. Klasse ins neue Schuljahr starten werden!“

Die Schule habe in den vergangenen Tagen die unglaubliche Zahl von 30 Anmeldungen entgegengenommen. „Und es ist gut möglich, dass auch in den Ferien noch weitere Anmeldungen eintrudeln und die Gesamtschülerzahl im September über 50 liegen wird“, ergänzt Knauff. Rund 50 Schüler sind das eine – die Ausstattung mit Lehrern ist das andere. Doch auch da hatte Christine Kraß vom Schulverwaltungsamt der Gemeinde Simmerath gute Nachrichten: Schulrat Konstantin Mertens habe bestätigt, dass die Förderschule entsprechend einer Schülerzahl von 50 Kindern mit (Sonder-) Pädagogen ausgestattet werde.

Robert Knauff wurde dazu konkreter: „Wir bekommen zwei neue Kollegen – eine Versetzung und eine Lehrkraft zurück aus Elternzeit. Außerdem kommt ein abgeordneter Kollege zurück und kehre ich als Schulleiter mit einer vollen Stelle zurück“, so Knauff, der zuletzt aufgrund der anstehenden Schließung in Eicherscheid zur Kleebachschule versetzt war.

Keine Entscheidung gegen Inklusion

„Die Schülerzahl zeigt eindrucksvoll, dass der Bedarf sonderpädagogischer Beschulung in der Eifelregion gegeben ist“, kommentierte Karl-Heinz Hermanns die Zahlen, stellte aber auch klipp und klar fest: „Wenn es nicht zum Regierungswechsel in NRW gekommen wäre, dann wäre die Schule jetzt tot!“ Hermanns, Knauff und auch Schulverbandsvorsitzender Günter Scheidt betonen, dass die Entscheidung für die Förderschule keine Entscheidung gegen die Inklusion und gegen die Sekundarschule sei.

„Auch die neue Landesregierung möchte die Inklusion stärken; aber sie will auch die Wahlmöglichkeit erhalten“, so Hermanns, und Robert Knauff weiß: „Es gibt hier Kinder, für die ist eine inklusive Beschulung nicht sinnvoll.“ Nun könne man weiterhin Kinder individuell fördern und auf das Leben vorbereiten, „so wie wir das sehr erfolgreich seit 25 Jahren gemacht haben“, so der zurückgekehrte Schulleiter, und Günter Scheidt ergänzt: „In einer guten, familiären Atmosphäre und in kleinen Klassen.“

Christine Kraß weist darauf hin, dass auch weiterhin Anmeldungen möglich sind. Eine Kontaktaufnahme ist über das Schulamt der Gemeinde möglich oder per E-Mail an: foerderschule-nordeifel@t-online.de.

 

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