Monschau - Stadtarchivar Dr. Bernd Läufer hat noch Berge voller Arbeit

Stadtarchivar Dr. Bernd Läufer hat noch Berge voller Arbeit

Von: P. St.
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Aktenberge bis unter die Decke
Aktenberge bis unter die Decke machen dem Monschauer Stadtarchivar Dr. Bernd Läufer keine Angst. Stück für Stück wird gesichtet, bewertet und erfasst. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. „Man weiß nie, was drin ist”, sagt Dr. Bernd Läufer, und öffnet vorsichtig den Deckel des braunen Kartons. Im Inneren liegen handschriftliche Aufzeichnungen über die unterschiedlichsten und größtenteils heute nicht mehr existierenden Vereine in Monschau im 19. Jahrhundert.

Dass sich hier ein überaus spannender Inhalt entfaltet, konnte man vorher nicht ahnen, denn im Findbuch des Stadtarchivs war der Karton kurz, knapp und trocken unter dem Stichwort „Vereinswesen” abgelegt worden. Solche Überraschungen erlebt Bernd Läufer, seit dem 1. April 2010 als Stadtarchivar in den Diensten der Stadt Monschau, regelmäßig.

Der 53-Jährige Historiker aus Lammersdorf hat sich eine Aufgabe vorgenommen, deren Ende nicht in Sicht ist. Nur soviel steht fest: Es liegen Berge voller Arbeit vor ihm, denn Läufer hat sich die ehrgeizige Aufgabe gestellt, Ordnung und Struktur in das Stadtarchiv zu bringen. Vor allem sollen die vielen, zum Teil noch zwischen Aktendeckeln versteckten Schätze gefunden und gesichtet werden.

Wesentlich erleichtert wurde ihm die Arbeit, seitdem das Archiv im Haus der Stadtgeschichte am Holzmarkt 5 in Monschau untergebracht ist. Am 31. Mai 2012 wurde nach mehrjähriger Umbauzeit das neue Haus bezogen, das außerdem jetzt das neue Domizil des Geschichtsvereins des Monschauer Landes ist, der hier ebenfalls seine Bibliothek und Sammlung untergebracht hat.

Mit tatkräftiger Hilfe des Bauhofes erfolgte der Umzug des Archivs von der Hauptschule in die Altstadt. Tonnenschwere Aktenberge mussten bewegt werden; die Zwischendecken des Stadthauses wurden besonders verstärkt.

Bestandsbildung, Bestandserfassung und Bestandserhaltung sind die wichtigsten Aufgabenfelder von Bernd Läufer, über die er auch kürzlich dem Wirtschaftsausschuss berichtete.

Auch im Rathaus Monschau und in einigen Ortsteilen befinden sich noch Unterlagen, die im neuen Stadtarchiv derzeit noch keinen Platz finden. Am Ende, so zeigt es die Erfahrung, wird noch etwa ein Drittel aller Akten im Archiv verbleiben, der Rest wird vernichtet. Bernd Läufer: „Das ist ein normaler Vorgang.”

Die Erschließung der alten Unterlagen ist für den Stadtarchivar „Pionierarbeit”. Läufer weiß ganz genau, dass ihm bei seiner Arbeit noch einige vielleicht sogar verloren geglaubte Schätze in die Hände fallen werden. Gerade in den alten braunen Kartons, die stockfleckig sind und nun alle gegen metall- und säurefreie Spezial-Kartonbehälter ausgetauscht werden, dürfte sich noch so manches spannende Schriftstücke finden. „Es gibt Kartons, da hat seit 100 Jahren niemand mehr hineingeschaut”, weiß Bernd Läufer.

Aber egal, ob es sich um Alltagsakten handelt, die einen Verwaltungsvorgang dokumentieren oder um handgeschriebene Erlasse: Für den Stadtarchivar stellt sich stets die Herausforderung, zu bewerten, was relevant und aufbewahrenswert für die Monschauer Stadtgeschichte ist.

Nur einen Fehler darf Bernd Läufer bei seiner Tätigkeit nicht machen: „Ich darf mich nicht in den Unterlagen verlieren und darf auf keinen Fall alles lesen.” Dann nämlich komme er nicht mehr zu seiner eigentlichen Arbeit.

Insgesamt verfügt das Stadtarchiv über umfangreiche Bestände, die bis ins Jahr 1226 zurückreichen, als die älteste erhaltene Urkunde auf der Burg Monschau ausgestellt wurde.

So gut wie keine Unterlagen gibt es aus der Zeit vor 1945 aus den ehemaligen Ämtern Imgenbroich und Kalterherberg. In der Kriegszeit sind diese Unterlagen allesamt ausgelagert worden und bis heute verschwunden. Für Bernd Läufer ist es aber keineswegs ausgeschlossen, dass alte Unterlagen plötzlich wieder auftauchen: „Ich gebe die Hoffnung nie auf.”

Aus der französischen Zeit von 1794 bis 1814 existiert umfangreiches Material, und gerade üppig ist der Archivbestand aus der Preußischen Zeit zwischen 1815 und 1944.

Hier stößt der Archivar dann immer wieder auf direkte Bezüge zur heutigen Zeit, wenn es beispielsweise um den Bau der Eisenbahn in der Eifel geht. Oder kürzlich entdeckte Bernd Läufer Unterlagen über Festspiel-Aktivitäten auf der Burg Monschau aus den 1930er Jahren. Durch seine Arbeit fügt er so immer wieder neue Mosaiksteinchen zur Monschauer Stadtgeschichte hinzu. An dieser faszinierenden Aufgabe möchte er noch lange arbeiten.

Vielfältig ist die Arbeit von Monschaus Stadtarchivar Bernd Läufer, die weit über das Sichten von Unterlagen hinausgeht.

Gleich nach der Einweihungsfeier galt es, die Ausstellung „Schätze des Hauses” zu begleiten, die insgesamt 315 Besucher zählte. Die nachfolgende Ausstellung über den Monschauer Maler Paul Voss, dessen Nachlass auch Platz im Stadtarchiv gefunden hat, zählte bisher 173 Besucher und war verbunden mit der Erstellung eines 273-seitigen Kataloges über Werk und Leben des Künstlers.

Zur Bestandsbildung trägt auch die Übernahme von Nachlässen bei. So werden derzeit Fotos und Dokumente der Tuchmacherfamilien Nickel und Scheibler ausgewertet wie auch Glas-Dias und Glas-Fotoplatten des Fotografen Bernhard Erkens.

Seit der Eröffnung haben rund 50 Personen das Stadtarchiv für Recherchezwecke genutzt.

Für das Jahr 2013 soll in Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein des Monschauer Landes eine Ausstellung über die Monschauer Festspiele zusammengestellt werden. Außerdem soll die Archivarbeit intensiviert werden mit der Bestandserfassung der Unterlagen aus den Ämtern Imgenbroich und Kalterherberg.

Der 46. Rheinische Archivtag 2014 soll übrigens in Monschau stattfinden.

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