Sparkasse schnappt sich LZB-Betonburg

Von: Robert Esserund Udo Kals
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Zukunft gesichert: Für 2,8 Mi
Zukunft gesichert: Für 2,8 Millionen Euro geht der gigantische LZB-Bankenbau an der Normaluhr ins Eigentum der Sparkasse über. In dem Tresor, der sich über mehrere Etagen erstreckt, lagert das Aachener Institut seit Jahren enorme Bargeldsummen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Der größte Tresor in Aachen in dem monströsen Betonbau an der Normaluhr wechselt den Eigentümer. „Wir haben uns etwas Besonderes geleistet: Wir haben uns die Bundesbank gekauft”, schmunzelte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Aachen, Hubert Herpers, am Rande der turnusmäßigen Bilanzpressekonferenz.

Damit gelang der Sparkasse ein echter Coup. Sie hat nach einem Bieterverfahren für 2,8 Millionen Euro den Zuschlag für den Komplex bekommen, der durch eine spektakuläre Geiselnahme 1999 mit tödlichem Ausgang für den Gangster bundesweit traurige Berühmtheit erlangte. Damit sind Pläne, nach denen der Koloss etwa zu einem Hotel umgebaut werden sollte, endgültig vom Tisch.

Im September 2012 schließt die Bundesbank ihre imposante Filiale an der Römerstraße, die noch bis vor wenigen Jahren unter dem stolzen Titel Landeszentralbank (LZB) firmierte. Danach war sie wie die anderen föderalen Töchter dem Frankfurter Mutterhaus direkt unterstellt und deren Landeshauptverwaltung in Düsseldorf zugeordnet worden.

Zwischen 1983 und 1985 war der fünfstöckige Hochsicherheitstrakt für rund 30 Millionen D-Mark errichtet worden: laut Bundesbank mit einem Bauvolumen von rund 36 000 Kubikmetern und 3400 Quadratmetern Nutzfläche. Dazu gabs Sicherheitsschleusen für Geldtransporte und einen hermetisch abgeriegelten Tresor, der sich über mehrere Etagen der Betonburg erstreckt.

In knapp 30 Jahren dürften viele Milliarden Euro - beziehungsweise D-Mark, Lire und Dollar - durch die LZB geschleust worden sein. Hier wurden Blüten identifiziert und unbrauchbare Banknoten aus dem Verkehr gezogen und vernichtet. Aber vor allem wurden aus den Vorräten hinter dicken Mauern die Geldinstitute der Region mit Barem versorgt.

Ein „Schnäppchen”

Das gilt auch für die Sparkasse mit ihrem umfangreichen Geschäftsstellennetz. Nur: Die sogenannten Hauptkassen und früher bewährten Geldtresore der Sparkasse am Friedrich-Wilhelm-Platz und am Münsterplatz in Aachen entsprachen nach der Jahrtausendwende laut Herpers nicht mehr den enorm hohen Sicherheitsanforderungen.

„Deswegen haben wir uns 2003 in der LZB eingemietet”, erklärte der Vorstandschef. 45 Mitarbeiter sind seitdem in einer Etage des Betonbunkers aktiv - und schleusen allabendlich die liquiden Mittel aus den Sparkassenfilialen in den Hochsicherheitstresor - und morgens via Werttransporter wieder zurück.

Als die Bundesbank nun entschieden hatte, sich von der Aachener Dependance zu trennen, stand ebenso der Hochsicherheitstresor der Sparkasse zur Disposition. Wie sollte man reagieren? „Ein Neubau mit hochmodernem Tresor hätte Unsummen verschlungen und wäre so zentral in der Stadt gar nicht mehr zu realisieren”, erläuterte Herpers.

Also überbot man einige andere Interessenten - und bekam den Zuschlag: für rund 20 Prozent des ursprünglichen Baupreises. „Für uns gab es nur eines: Wir mussten das Ding haben”, betonte Herpers.

Doch die Sparkasse will ihr „Schnäppchen” nicht alleine bewohnen. Mehrere Büroetagen sollen fremdvermietet werden; zudem übernahm man acht Mietwohnungen unter dem Dach des Prestigebaus, den der Architekt Fritz Wenger entworfen hatte. Denkbar wäre dem Vernehmen nach auch, dass eine Werttransportfirma mit ihrer Zentrale und Flotte an die Römerstraße zieht.

Ob „der Rufer”, die Skulptur vor dem herrschaftlichen Portal der alten LZB, in Aachen bleibt, ist indes fraglich. Die Bundesbank will die Figur offenbar in ihren Kunstgarten nach Frankfurt holen. Vielleicht erhält Aachen aber eine Kopie.

Das wäre dann die einzige Fälschung, die eine Bank vor Ort erlaubt. Und dies gilt auch in Zukunft im größten Tresor der Region.

14,2 Millionen Euro fließen in die Städteregion

Stadt und Städteregion Aachen dürfen sich als Träger der Sparkasse über einen Geldregen freuen: Von dem Jahresüberschuss des Kreditin-stituts in Höhe von 43,1 Millionen Euro fließen ihnen 14,2 Millionen Euro als Gewinnausschüttung zu. „Insgesamt hat die Sparkasse in den vergangenen zehn Jahren 276 Millionen Euro für gemeinwohlorientierte Zwecke zur Verfügung gestellt”, rechnet Vorstandschef Hubert Herpers vor: 76 Millionen Euro seien an die Träger ausgeschüttet worden, hinzu kämen Spenden (29 Millionen), Stiftungsdotierungen (17,5 Millionen) und die entrichtete Gewerbesteuer (153 Millionen).

Wie in den Vorjahren reduzierte die Sparkasse auch 2011 ihren Personalbestand sozialverträglich um rund ein Prozent auf nunmehr 2046 Mitarbeiter. Im laufenden Jahr sollen 55 Nachwuchskräfte ihre zweijährige Ausbildung beginnen.

Trotz der inzwischen 20 000 Online-Konten sieht Herpers das Filialnetz mit 96 Geschäftsstellen und 228 Geldautomaten weiterhin als „Dreh- und Angelpunkt der Geschäftsbeziehungen zu unseren rund 330 000 Kunden” an.

Die Sicherung des flächendeckenden Geschäftsstellennetzes betrachte der Vorstand als eine seiner wichtigsten Aufgaben. Im April bezieht die Sparkasse die neue Filiale in dem 20-Millionen-Neubau an der Aachener Zollernstraße, das zu weiten Teilen von der Städteregion als Verwaltungsgebäude angemietet worden ist.

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