Spaghetti à la Franziskaner zur Eröffnung

Von: Stephan Johnen
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Vossenack. Franziskaner sind keine Kostverächter. Der geneigte Fernseh-Konsument weiß das. Dort flimmern beispielsweise die Brüder als beredte Bierbrauer und Schmecklecker über die Mattscheibe.

Dass es keine echten Ordensleute sind, die da in den Habit schlüpfen, stört bei so viel telegener Authentizität nicht. Zurück ins richtige Leben: Franziskaner sind keine Kostverächter.

Und sie essen gerne in Gemeinschaft. Also banden sich am Dienstag Brüder und Patres in Vossenack weiße Schürzen um die braune Kutten und schaufelten in solchen Mengen Spaghetti Bolognese auf die Teller, dass es für die Gäste fast zum Armmuskel-Training wurde, die Teller zum Tisch zu tragen.

Zur Premiere der Mensa standen so viele Schüler des Franziskus-Gymnasiums auf den Fluren des benachbarten Internats Schlange, dass Ortskundige gut beraten waren, manche verstopften Gänge weiträumig zu umgehen. Und ja: Das Anstehen hat sich nach Auskunft der Schülerinnen Sophia und Annkathrin auch gelohnt. „Ich hätte es nicht besser machen können”, spendet Annkathrin ein großes Lob Richtung Küche.

Ernst Faßbender dürfte sich darüber freuen. Während die Franziskaner eine Etage höher ordentlich ins Schwitzen kamen, blieb der Küchenchef bei den Vorbereitungen ganz entspannt. Seitdem es die Brüder in Vossenack gibt, ist der 56-Jährige dort Koch. Einst hat er täglich fast 300 Internatsschüler dreimal am Tag versorgt. Am Montag verließen 196 Hauptgerichte, 30 Salate und 17 Baguettes die Küche. Zuzüglich des Essens für die 26 Internatsschüler und die zehn Ordensleute.

Einen Tag vorher hatten er und sein Team deutlich weniger zu tun. Oder ganz genau gesagt: es waren 196 Hauptgerichte, 30 Salate und 17 Baguettes weniger. „Das ist eine Umstellung”, sagt der Küchenchef. Nun führt er tatsächlich wieder eine Großküche - nur schmecken soll es bitte nicht so. Faßbender sagt das nicht explizit. Er formuliert es so: „Es wird sicher auch einmal Pommes geben.” Aber eine gesunde Ernährung mit Lebensmitteln aus regionalem Anbau darf es schon sein.

90.000 Euro hat das Internat für die Mensa investiert, damit die Schüler des benachbarten Gymnasiums als Gäste ein täglich frisch gekochtes Mittagessen bekommen. Die Idee ist - kein Scherz! - beim Kochen entstanden. Schulleiter Pater Peter Schorr und Internatsleiter Pater Daniel-Paulus Züscher tauschen sich regelmäßig als Pädagogen fachlich aus - und dabei wechseln auch Rezepte den Besitzer. So entstand eines Tages am Herd die Idee, als Schnittpunkt der beiden Einrichtungen eine Mensa zu bauen. Auch als ein Ort der Kommunikation, der Gemeinschaft. Das Mensa-Essen wie andere Schulen von einem Caterer zu beziehen, kam für sie nicht in Frage.

„Wir müssen schauen, wie das Experiment anläuft”, sagt Pater Daniel. 600 Schüler gibt es auf dem Gymnasium. Etwa die Hälfte hat sich bisher für die Mensa angemeldet. „Im Idealfall können wir später mehrere Gerichte zur Auswahl anbieten”, überlegt Pater Daniel laut. Dann werde auch zusätzliches Personal eingestellt.

Während der ersten Woche stehen die beiden Patres mit Bruder Wolfgang Mauritz, dem Leiter des Gästehauses, hinter der Theke der Essensausgabe. „Die Abläufe müssen wir noch etwas straffen”, bilanziert Pater Daniel nach der Premiere.

Dass 196 Teller leer zurückkamen, deutet er als gutes Zeichen. Heute gibt es Hähnchen mit Rahmkartoffeln und Bohnen. Guten Appetit.
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