So geht Busfahren: Fünftklässler lernen, was wichtig ist

Von: hes
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Der Bus kommt: Wie die Fünftklässler sich im täglichen „Kampf“ um die Plätze im Bus verhalten müssen, dies veranschaulichten Verkehrserzieherin Nicole Ramjoué von der Polizei und BVR-Fahrdienstleiter Rainer Nietzke anschaulich einer Klasse von Sankt Ursula. Foto: Heiner Schepp
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Holger David erklärt den Fünftklässlern, welche Linien sie nehmen müssen.

Monschau. Langsam kommt das große rote Gefährt um die Kurve und nähert sich der Bordsteinkante, wo 20 Schülerinnen schon gespannt warten. Plötzlich hört man nur noch einen dumpfen Knall, und eine blaue Kunststofftonne fliegt meterweit über den Asphalt.

„Genau das passiert, wenn man noch eben vor dem Bus über die Straße läuft, weil man spät dran ist“, mahnt Nicole Ramjoué, Verkehrserzieherin der Polizei für den Südkreis.

Gemeinsam mit Vertretern des Linienträgers Busverkehr Rheinland (BVR) war die Oberkommissarin nun wieder zu Gast an den weiterführenden Schulen, um die von den Grundschulen gekommenen Kinder der Fünferklassen in der sogenannten Busschule zu unterrichten. Dahinter verbirgt sich ein zur guten Tradition gewordener, spezieller Unterricht rund ums Busfahren, das für die meisten Schülerinnen und Schüler mit dem Wechsel zum Gymnasium, zur Realschule oder zur Sekundarschule so richtig beginnt. Zwar ist für die meisten Kinder in Zeiten zusammengelegter Grundschulen das Busfahren nicht gänzlich neu, jedoch lauern mit den weiteren Touren auch neue Herausforderungen und Gefahren auf die jungen Verkehrsteilnehmer.

Die Busschule besteht aus einem praktischen und einem theoretischen Teil. Die Praxis wird dort veranschaulicht, wo die Kinder tagtäglich ein- oder aussteigen, also an der Haltestelle vor der Schule. Unmissverständlich macht Nicole Ramjoué den Mädchen und Jungen deutlich, wie gefährlich das Drängeln an der Bordsteinkante ist, wenn der Bus bereits naht. „Macht da nicht mit. Ihr kommt schon noch in den Bus. Und wenn ihr keinen Sitzplatz mehr bekommt, dann ist das sicher auch kein Beinbruch“, so die Verkehrserzieherin.

Noch gefährlicher ist nach ihren Worten das Laufen dicht vor oder hinter dem Bus. „Glaubt mir: Der Fahrer sieht euch nicht, wenn ihr im toten Winkel seid. Und wer noch rasch vor dem Bus die Straße kreuzt, riskiert sogar sein Leben. Das erfahren die Kinder eindrucksvoll bei der eingangs geschilderten Demonstration, als das Opfer aber gottlob nur eine Plastiktonne ist. „Es passieren leider immer noch viel zu viele Unfälle, weil noch jemand schnell über die Straße rennt, um den Bus zu kriegen“, weiß Nicole Ramjoué und rät den Kindern: „Steht doch einfach fünf Minuten eher auf morgens. Legt euch abends schon eure Sachen raus. Und trödelt ein bisschen weniger“, sagt die Polizistin augenzwinkernd, selbst Mutter von zwei Kindern.

Auch für die fahrt im Bus haben sie und Busfahrer Rainer Nietzke, Fahrdienstleiter beim BVR, ein paar Tipps. „Auch wenn er sehr begehrt ist: Den Platz auf dem Fünfer in der Mitte solltet ihr meiden“, warnen beide vor den gefahren bei einem plötzlichen Bremsmanöver des Busses. Das bekommt an diesem Morgen aber nur Udo, der Dummy, zu spüren, der eigentlich alles falsch macht und folglich durch den halben Bus fliegt.

Zum Schluss appellieren die Polizistin und der Busfahrer noch an die Zivilcourage der Kinder: „Wenn ihr seht, dass jemand anders, vielleicht älteres im Bus Mist baut – etwas kaputt macht, andere schubst oder gefährdet –, dann geht zum Fahrer und zeigt ihm den Übeltäter. Das ist kein Petzen, sondern hilft, solche Dinge zu unterbinden“, erklärt Nicole Ramjoué.

Den Fahrplan im Kopf

Nach so vielen praktischen Tipps geht es in den Klassenraum, wo bereits Holger David wartet. Der Betriebsleiter des BVR notiert zunächst an der Tafel sämtliche Herkunftsorte der Schüler und erklärt dann, welche Linie die Kinder nehmen müssen. Das ist eine ganze Reihe an Informationen, denn die Schülerinnen und Schüler kommen nicht nur aus der Nordeifel täglich nach Monschau oder Simmerath, sondern steigen morgens teilweise schon in Eilendorf, Stolberg oder im Dürener Raum in die Busse. Holger David aber hat fast den kompletten Fahrplan minutengenau im Kopf. „Du kannst in Kesternich in die SB63 einsteigen und kannst ohne Umsteigen bis nach Monschau fahren“, sagt er zu St.-Ursula-Schülerin Clara.

Am Ende hat der Betriebsleiter noch ein Bonbon für die Kinder parat, als er verrät: „Mit eurer Fahrkarte könnt ihr aber nicht nur zur Schule fahren, sondern auch zum Rursee oder nach Aachen ins Kino.“ Diesen Tipp werden die Kinder der „Busschule“ ganz sicher gerne beherzigen ...

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