Skat-Weltmeisterin mit stolzen 86 Lenzen

Von: ale
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Martha Prickartz kehrte erfolgreich von der Skat-WM in Kapstadt zurück, es gab einen handgeschnitzten Elefanten für die Siegerin. Foto: A Lauscher

Konzen. Was unseren Fußballprofis nicht gelungen ist, das hat Martha Prickartz aus Konzen nun erreicht: Sie kehrte aus Südafrika mit einem Weltmeistertitel zurück. Sie wurde Skat-Weltmeisterin der Senioren.

In Kapstadt wurden die Weltmeisterschaften der ISPA (International Skat Players Association) ausgetragen; für die 86-jährige Martha Prickartz war klar, dass sie dabei sein musste. Sie ist Mitbegründerin der ISPA und von Jugend an leidenschaftliche Skatspielerin.

Alles fing damit an, dass sie ihrem Vater zunächst beim Skat zuguckte und das Spiel dann immer besser erlernte. „Ich hab viel Schimpfe gekriegt von meinem Vater”, sagt sie und erinnert sich lächelnd an die Zurechtweisungen und das „Nachkarten”. Mit 17 Jahren konnte sie schon in kleinen Familienturnieren mit dem Vater und ihren Schwestern mithalten.

Als 1978 in Kalifornien die erste offizielle Skat-WM stattfand, war Martha Prickartz dabei. Sie spielt also schon über 30 Jahre auf internationalem Niveau. 1994 wurde sie in München die beste Skatspielerin der Welt, und 2004 erreichte sie in Chile den Titel der Senioren-Weltmeisterin. Diesen Erfolg konnte sie 2006 in Nassau auf den Bahamas wiederholen.

Zum Kap der Guten Hoffnung

Von ihren vielen Reisen kann sie lustige Anekdoten erzählen: So hat sie beispielsweise beim Jubiläumsturnier des südspanischen Skatclubs Torrox zum 25-jährigen Bestehen im März eine schwergewichtige Trophäe gewonnen. Die wollte man ihr bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen abnehmen, als handelte es sich um ein Mordwerkzeug.

Irgendwie konnte sie die Sicherheitskräfte von der Harmlosigkeit der Figur überzeugen, aber dafür musste sie ihre Stricknadeln opfern. In jeder freien Minute strickt Martha Prickartz, und nun wurden die Stricknadeln einfach aus der unfertigen Arbeit herausgezupft - und sie musste zu Hause die Maschen wieder aufnehmen!

Über die Weltmeisterschaft in Kapstadt erzählt sie lebhaft. Am zweiten Tag lag sie an vierter Stelle, am dritten Tag hatte sie im wahrsten Sinne des Wortes „schlechte Karten”: „Die schönsten Spiele gingen kaputt!” Doch das Blatt wendete sich wieder.

Sie regt sich nicht auf, sagt sie, nur hat sie nicht gern „einen Nervösen am Tisch”. Verständigungsprobleme gibt es nicht. „Reizen können die alle auf Deutsch”, hat sie erfahren. Wenn man den ganzen Tag Skat spielt, wird viel Konzentration verlangt. „Man muss an den Rand des Möglichen gehen, man darf nicht warten auf ein Bombenspiel”, sagt die erfolgreiche Spielerin.

Von Kapstadt hat sie gute Eindrücke mit nach Hause gebracht, es sei die sauberste Stadt, die sie bisher kennen gelernt hat. Und ein Ausflug ans Kap der Guten Hoffnung, wo der Atlantik und der Indische Ozean zusammenfließen, wird ihr unvergesslich bleiben: „Ich bin bald weggeflogen, so ein starker Wind blies da.”

Die Heimreise über Dubai zog sich über insgesamt 30 Stunden hin. Auf die Frage ihrer besorgten Töchter, wie sie solche Strapazen denn verkrafte, meint sie: „Nach dem Krieg haben wir manches Mal zwei Tage und zwei Nächte am Stück gearbeitet.”

Sie hat immer zu tun, kocht jeden Tag für die Familie, strickt und häkelt, spielt bei fast jedem Preisskat in der Umgebung mit, pflegt freundschaftliche Kontakte. Ihr Vater war ein guter Skatspieler und ist 91 Jahre alt geworden. Martha Prickartz freut sich auf die Skat-Weltmeisterschaft 2012 im Elsass.
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