Nordeifel - Skandal vor 80 Jahren: Gemeinsam im Fluss gebadet

Skandal vor 80 Jahren: Gemeinsam im Fluss gebadet

Von: rpa
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Die Rur hinter Dreistegen in M
Die Rur hinter Dreistegen in Monschau war viele Jahre lang das „Schwimmbad” der Monschauer: Von 1926 an war dort, wo heute eine Fußgängerbrücke den Fluss überspannt, offiziell die städtische Flussbadeanstalt eingerichtet. Daran erinnert heute eine Infotafel am Wegesrand. Foto: Andreas Gabbert

Nordeifel. Skandal in Roetgen: Besorgte Bürger fordern den Regierungspräsidenten auf, 10 bis 15 Polizisten zu schicken, um den „skandalösen Vorgängen”, die auch von der hohen Geistlichkeit heftig beklagt werden, „ein Ende zu bereiten”.

Die skandalösen Vorgänge: Junge Leute, beiderlei Geschlechts, sowie Männer und Frauen „baden” zur selben Zeit und am selben Ort in den „Wellen der Vicht”. Dabei so beklagen die Bürger in ihrem Brief an den Regierungspräsidenten, „geschieht das Baden mitunter ohne jede Badebekleidung”. Mehr noch: So mancher fährt sogar „in schmaler Badehose durch den Ort”, so dass die Kinder die „sonst gewohnten Wege nicht ohne Gefährdung gehen können”.

Dies geschah Anfang der 1930er Jahre. Damals gab es kein „Vennbad”, kein Freibad in Vossenack, Rurberg und Einruhr, keine Schwimmhallen in Kreuzau oder sonst wo in der Nordeifel. Wo aber haben sich die Menschen an heißen Sommertagen abgekühlt? So manche Senioren erinnern sich noch recht gut an ihr „Freibad” und an ihren „Badetümpel” - in der Rur bei Dreistegen in Monschau, im Menzerather Weiher bei Imgenbroich, im Troistorffer Weiher bei Konzen, im Weiher (Mühlenteich) an der Belgenbacher Mühle und, wie oben erwähnt, im Vichtbach zwischen Rott und Mulartshütte.

Der Scholtesse-Weiher (benannt nach dem Schultheißen de Berghes), der auch Konzener Weiher, Troistorffer und Boltesdorfer Weiher genannt wird und am so genannten „Liichewääsch” zwischen der Kirche Konzen und der Boltesdorfer Mühle unten am Laufenbach liegt, wurde bereits in einer Karte von 1780 eingetragen. Später kam der Weiher in das Eigentum des Monschauer Fabrikanten Troistorff. Aus den vormals kleinen Fischteichen des Schultheißen wurde dann 1812 der große Weiher.

Dieser Weiher war bis in die 1950er Jahren ein beliebter „Badesee” für die Konzener Jugend, dies vor allem wegen „seines warmen Wassers”, wie einer Notiz vom September 1959 zu entnehmen ist. Damals aber wurde dann das Schwimmen dort gleichsam untersagt - wegen der Gefahren durch den „metertiefen Schlamm”. Die Bemühungen, den Weiher zu entschlammen, sind auch an den Kosten gescheitert. Das war dann das Ende des Troistroffer Weihers als „Konzener Badesee”.

Auch aus der Idee, am Boltesdorfer Weiher einen Campingplatz einzurichten, wurde nichts. Überliefert ist, dass dort beim Baden in diesem Weiher auch zwei Männer ertrunken sind, so am 13. August 1871 der Rekrut Mathias Hermann Fischer und am 4. September 1888 der Weber Paul Kirch aus Monschau. Heute ist der Weiher samt dem Gelände ringsherum Privateigentum, der Zutritt ist verboten, von dem Weiher ist wegen des dichten Buschwerks kaum noch etwas zu sehen.

Noch heute gut bekannt, wenn auch längst Geschichte, ist die Schwimm- und Badeanstalt in der Rur bei Dreistegen in Monschau. Die aufgestaute Rur wurde zunächst inoffiziell, dann ab 1926 offiziell als städtische Flussanstalt genutzt. Daran erinnert auch eine Info-Tafel am Wegrand, sie erzählt die wechselvolle Geschichte der „Rurmühle”. Am 27. Juli 1912, also vor nunmehr genau 100 Jahren, berichtet das Montjoier Volksblatt”: „In der jetzigen Jahreszeit macht sich das Badebedürfnis im offenen Fluss immer mehr geltend. Zur Zeit ist man damit beschäftigt, (...) in der Rur eine größere Flussstrecke von Geröll und Steinen freizumachen, um so eine, wenn auch nur einfache Bade- und Schwimmmöglichkeit zu schaffen”. Gut ein Jahr später geht diese „Badegelegenheit dicht unter der Ehrensteinsley” in Betrieb.

Im Jahr 1925 hat der Monschauer Stadtrat dann Ende Mai beschlossen am früheren so genannten „Neuen Wehr” in der Rur bei Dreistegen einen „Schwimmbassin” anzulegen, um so einen „langjährigen Wunsch der Bevölkerung” zu erfüllen, wie das „Volksblatt” berichtet. Die Baukosten sind auf 3800 Mark veranschlagt. Mitte Juni 1926 wurde die „städtische Schwimmanstalt” eröffnet. Für Damen und Herren gab es getrennte Badezeiten, an allen Tagen war das „Schwimmbad” in der Rur nachmittags für zwei Stunden ausschließlich für die Damen geöffnet; eine Dauerkarte für die gesamte Badezeit im Jahr 1927 kostete für Erwachsene drei Mark. Die Badeanstalt hatte sogar einen eigenen Bademeister, im Jahr 1928 war dies ein Julius Stindt, mit rund 2000 Badegästen wurde in jenem Jahr gerechnet.

Auch der Menzerather Weiher, der in naher Zukunft wieder saniert wird (wir berichteten), diente einst als „Badeanstalt”, wie das Montjoier Volksblatt im August 1896 berichtete. Damals war der Weiher auch ein beliebter Angelplatz: Der Weiher ist mit „großen Forellen besetzt” berichtete damals das Volksblatt, für den gefangenen Fisch mussten die Angler pro Pfund zwei Mark bezahlen. Überliefert ist, das auch im „Badesee” Menzerather Weiher Badende ertrunken sind, so am 12. Juli 1896 der Monschauer Dachdecker Johann Metzmacher. Der Weber Leonhard Roscheda aus Monschau war nach einer Schlägerei am 5. September 1867 in den Menzerather Weiher geraten und darin ertrunken.

Ein recht beliebter Badeplatz war, wie eingangs berichtet, der Vichtbach zwischen Rott und Mulartshütte. Dass dort Männer und Frauen zur selben Zeit badeten und sich im kühlen Wasser erfrischten, führte zu einem großen Ärgernis und dem Ruf nach einem großen Polizeieinsatz. Nachzulesen ist dies im Jahrbuch 2002, den Beitrag „Badefreuden am Vichtbach” hat Rainer Hülsheger verfasst. Aufschlussreich ist auch der Beitrag „Badefreud und Badeleid in alter Zeit von Hans Steinröx im Jahrbuch 1982.

Das „Schwimmbad” für die Eicherscheider war bis in die 1960er Jahre hinein der Weiher (Schlusen) an den Belgenbacher oder Eicherscheider Mühle. Als Mutprobe galt der Sprung von der etwa 2,50 Meter über dem Wasserspiegel liegenden Felsnase. Heute ist von dem Mühlenteich nicht mehr viel übrig geblieben.

Das neue Vennbad wurde erst vor wenigen Wochen eröffnet, die Bauarbeiten am neuen Schwimmbad in Simmerath kommen gut voran, nach den Ferien soll das Bad eröffnet werden, zum 15. September will die Gemeinde die Stelle im Bäderbetrieb in der neuen Schwimmhalle besetzen. Ohne Erfolg blieben die Bemühungen, für Monschau und Simmerath ein gemeinsames Schwimmbad zu bauen, so dass es bald zwei moderne Schwimmhallen gibt - in Monschau und Simmerath.

Das erinnert an eine andere Geschichte, beteiligt daran waren die Gemeinden Höfen und Kalterherberg sowie die Stadt Monschau: Die Gemeinderäte von Kalterherberg und Höfen hatten sich im September 1953 im Zuge der Bauarbeiten an der Perlenbachtalsperre mehrfach dafür ausgesprochen, „vor den Toren Höfens und Kalterherbergs unterhalb der Perlenbachtalsperre ein Freibad „nach modernsten Gesichtspunkten” zu errichten.

Die Stadt Monschau hingegen plädierte für eine „Badeanstalt an der Flora”, das Schwimmbad sollte als „Florabad” in der Nähe des Sportplatzes gebaut werden. Gebaut wurden die Schwimmbäder nie - weder an der Flora noch unterhalb der Talsperre - aus finanziellen Gründen, wie der Kreistag im Dezember 1954 entschied, ein weiterer Grund: Die Räte von Höfen/Kalterherberg und Monschau konnten sich nicht auf einen gemeinsamen Standort einigen.
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