Singender Hirte sammelt 45.150 Euro für krebskranke Kinder

Von: Anneliese Lauscher
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Da können sie stolz drauf sein; Reiner Jakobs und seine tüchtigen Helfer haben ein gigantisches Ergebnis erzielt. Foto: Anneliese Lauscher

Höfen. Dem singenden Hirten verschlug es die Sprache: Sein unermüdlicher Einsatz während der vergangenen acht Wochen erbrachte Spendeneinnahmen in noch nie dagewesener Höhe, die gigantische Summe von 45.150 Euro wird an den Förderverein für krebskranke Kinder weitergegeben.

In der Höfener Pfarrkirche St. Michael hatten sich sehr viele Menschen eingefunden, aus Höfen und aus allen Richtungen. Sie wollten dabei sein, wenn Reiner Jakobs zum letzten Mal in seiner Krippe sang und wenn das Ergebnis der Spendenaktion bekanntgegeben wurde. Eine Bläsergruppe des Musikvereins „Lyra Höfen“ spielte feierliche Weisen, und Reiner Jakobs und seine Frau begrüßten viele gute Bekannte, sie freuten sich, dass die Kinder und Enkel auch gekommen waren.

Reiner Jakobs konnte man nichts fragen. „Jetzt bin ich aufgeregt“, bekannte er. Seine Frau verstand das gut: „Die Landschaftskrippe mit all dem Aufwand gehört zu unserem Lebensrhythmus, mein Mann hat sie sich zur Lebensaufgabe gemacht. Er weiß noch nicht, wie viel Geld diesmal zusammengekommen ist, das habe ich ihm nicht verraten.“

Blättert man im Gästebuch, von dem die Besucher regen Gebrauch gemacht haben, so findet man Einträge von Kindern und Erwachsenen, von Eifelern und Gästen aus dem Ruhrgebiet, aus Aachen und Köln und aus ganz Deutschland. In französischer Sprache und in Niederländisch haben sich Gäste aus den Nachbarländern eingetragen. Viele schreiben, dass sie jedes Jahr nach Höfen kommen, um die fantasievolle Krippe zu bewundern.

Auch jetzt applaudieren die Menschen wieder herzlich, als Reiner Jakobs zum letzten Mal zu seiner Gitarre greift und einige Lieder singt. Dann kommt der spannende Augenblick: Eine Tafel ist vor dem Altar aufgebaut worden, die Zahl, die alle wissen wollen, ist mit weißem Tuch eingepackt. Reiner Jakobs wickelt sie langsam aus, die Ziffern erscheinen nach und nach. Als die „45.150 Euro“ zu lesen sind, ist er völlig überwältigt.

Professor Dr. Rolf Mertens, der am Universitätsklinikum Aachen die Kinderkrebsstation leitet, übernimmt zunächst das Wort: „Es ist wirklich unglaublich! Unvorstellbar, dass ein Mensch sowas fertigbringt“, sagte er und fügte gleich hinzu: „Das geht nur, wenn man eine Frau und eine Familie hat, die dahinter steht, und wenn tatkräftige Helfer mit anpacken.“

Dann berichtete Professor Mertens von seiner Arbeit: „Wir haben vor circa 50 Jahren begonnen, krebskranke Kinder zu behandeln. Heute können wir über 80 Prozent der Kinder heilen.“ Er berichtete von einer langen Behandlungsdauer, von der freundlichen Station und dem geschulten, hochmotivierten Personal. „Reiner Jakobs hat sich bei uns davon überzeugen können, dass das Geld sinnvoll angelegt wird; er kennt unsere farbenfrohe Station und den tollen Garten. Jetzt wollen wir noch Spielgeräte anschaffen. Das müssen Spezialanfertigungen sein, denn bei uns handelt es sich um schwer kranke Kinder.“

Als Reiner Jakobs ans Mikrofon trat, versagte dem Mann, der hier wochenlang gesungen hatte, die Stimme. „Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich unterstützt haben“, mehr konnte er nicht sagen. Die Menschen erhoben sich, um ihm und seinem Helferteam langen Beifall zu spenden. Jetzt wird das Krippenteam drei Tage benötigen, um alles abzubauen. Und dann räumt Reiner Jakobs zwei Monate lang zu Hause auf, um die vielen Tiere und Dekorationen an ihren Platz zu bringen. Bis Dezember.

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