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Singender Hirte: Mittagessen mit dem Bundespräsidenten

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
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Bundespräsident Joachim Gauck (r.) und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt empfingen Reiner Jakobs aus Höfen: Als Präsent überreichte der singende Hirte aus Höfen eines seiner selbst gebastelten Schafe. Foto: Bundesregierung / Michael Gottschalk

Höfen/Berlin. Den großen Hut und die dicke Felljacke hatte der singende Hirte am Dienstag gegen einen schicken Anzug eingetauscht. Für den Neujahrsempfang von Bundespräsident Joachim Gauck im Schloss Bellevue in Berlin schien ihm das die geeignetere Garderobe zu sein.

Den langen Bart hatte Reiner Jakobs aus Höfen aber stehen lassen, schließlich will er noch bis Anfang Februar in die Rolle des singenden Hirten schlüpfen und in der großen Landschaftskrippe in der Höfener Pfarrkirche für die Besucher musizieren und Spenden für krebskranke Kinder sammeln. Da gehört der Bart einfach dazu.

Seit 25 Jahren ist Reiner Jakobs in der Zeit von Anfang Dezember bis Anfang Februar jeden Tag für diese gute Sache im Einsatz und berührt viele Menschen damit tief. Aufgrund seines Verdienstes für das Gemeinwohl hatte der Bundespräsident ihn jetzt zu dem Neujahrsempfang nach Berlin eingeladen.

Am Montagmorgen um 6 Uhr war der singende Hirte mit seiner Frau Irmgard und einem seiner selbstgebastelten Schafe aus dem Ensemble der großen Landschaftskrippe zum Kölner Bahnhof aufgebrochen, um dort um 7.48 Uhr den ICE nach Berlin zu nehmen. Nach der Ankunft um kurz nach 12 Uhr ging es mit einem Taxi ins Hotel. „Am Nachmittag sind wir dann durch Berlin spaziert und haben versucht, etwas zu entspannen. Die Aufregung war schon sehr groß“, berichtet Irmgard Jakobs.

Um 17 Uhr ging es dann zum Schloss Bellevue. Dort musste sich der singende Hirte vorerst von dem selbstgebastelten Schaf trennen, das er als Geschenk für den Bundespräsidenten mitgebracht hatte. Die scharfen Sicherheitskontrollen galten eben auch für die kleinen Aufmerksamkeiten. Schon im Vorfeld musste Jakobs genau angeben, was er mitbringt und aus welchem Material das Präsent gemacht wurde.

Im Schloss Bellevue wurde den Teilnehmern des Neujahrsempfangs der Ablauf des nächsten Tages erklärt, die anderen Personen und zu Ehrenden wurden vorgestellt und anschließend eine Führung durch das gesamte Schloss angeboten.

Damit beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten alles reibungslos funktioniert, wurde nichts dem Zufall überlassen und der Ablauf genau geprobt. Später bestand für die Teilnehmer noch Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und Kontakte zu knüpfen. „Warum sind Sie hier?“, war wohl die am häufigsten gestellte Frage an diesem Abend. Auch eine Führung durch den Bundestag stand noch auf dem Programm. Nach einem langen und anstrengenden Tag brauchte der singende Hirte aber erst mal eine Auszeit.

Am nächsten Morgen wurden die geladenen Gäste am Hotel von einem Bus abgeholt und zum Schloss Bellevue gebracht. Den Begleitpersonen wurde währenddessen ein Alternativprogramm geboten. Am Schloss angekommen, wurden die Gäste über den roten Teppich hinein geleitet. Der singende Hirte durfte sein mitgebrachtes Schaf wieder in Empfang nehmen, er klemmte es unter den Arm und reihte sich in die Schlange der rund 70 zu ehrenden Personen ein. Unter großem Presserummel wurde in alphabetischer Reihenfolge jeder einzeln aufgerufen und vorgestellt. „Da wird dir anders, wenn du siehst, was auf dich zukommt. Die hatten mich vorher auch aufgefordert, in die Kameras zu gucken. Das vergisst man dann aber in dem Moment“, berichtet Jakobs.

Wie verabredet und geprobt, schüttelte der singende Hirte dem Bundespräsidenten die Hand und überreichte ihm sein Präsent. Joachim Gauck zeigte sich sichtlich erfreut.

Nach den Geehrten folgte die politische Prominenz. Anschließend trafen dann alle in lockerer Atmosphäre aufeinander. Da durfte Jakobs dann feststellen, „dass ich nicht der Einzige war, der aufgeregt war“. Er lernte zahlreiche Minister sowie andere hochrangige Politiker und Persönlichkeiten kennen, darunter auch die Bundeskanzlerin. „Nur der Schäuble war mir zu schnell weg, dem wollte ich noch was sagen“, erzählt der Höfener.

Plötzlich kam eine junge Frau auf ihn zu, reichte ihm ein Kärtchen mit einer Einladung und sagte: „Der Bundespräsident bittet Sie zum Mittagessen an seinen Tisch.“ „Da musste ich erst mal schlucken“, sagt Jakobs.

Diese besondere Ehre teilte der singende Hirte nur mit sieben weiteren Personen. Während des Essens hatte er auch Gelegenheit, ausführlich mit Joachim Gauck zu sprechen. „Wir haben private Gespräche geführt und wirklich über alles gesprochen. Diese zwei Stunden werde ich nie vergessen“, sagt der 75-Jährige.

Um 16 Uhr ging es zurück ins Hotel, wo er seine Frau wiedertraf und ihr von seinen ganz besonderen Erlebnissen berichtete. Noch am gleichen Tag ging es um 17.48 Uhr wieder mit dem Zug nach Hause. „Ich wollte schließlich am nächsten Tag wieder bei meinen Schafen in der Krippe sein“, sagt der singende Hirte. Kurz vor 0 Uhr waren die Jakobs wieder in Höfen.

An Schlaf war in dieser Nacht aber noch lange nicht zu denken. „Dafür ging mir noch zu viel durch den Kopf“, erzählt Reiner Jakobs, der tatsächlich schon am Mittwochmorgen wieder in der Krippe im Einsatz war.

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